Mode Wolfgang Joop: «Wunderkind ist erwachsener geworden»

Wolfgang Joop: «Wunderkind ist erwachsener geworden» (Foto)
Wolfgang Joop: «Wunderkind ist erwachsener geworden» Bild: dpa

Potsdam - Hinter dem Modedesigner Wolfgang Joop (67) liegen bewegte Zeiten: sein Modelabel Wunderkind angeschlagen, Streit mit den früheren Miteigentümern um die Anteile, keine neuen Kreationen.

Seit März 2011 ist Joop wieder alleiniger Eigentümer - nun sollen seine Modelle am Pariser Modehimmel erstrahlen.

Nach längerer Pause stand für Joop am Donnerstag in Potsdam die Vorstellung einer neuen Kollektion an. Im Vorfeld sprach er mit der Nachrichtenagentur dpa:

Herr Joop, was bedeutet die neue Kollektion für Sie nach der Pause?

Joop: «Berühmte Labels erfuhren in ihrer Geschichte kurze oder längere Unterbrechungen - beispielsweise Gucci, Helmut Lang oder Lanvin. Meist wurde ein Neuanfang zu einer Neuorientierung. Im Falle Wunderkind ist die Treue seiner Fans und die große Nachfrage der internationalen Klienten Herausforderung und Bestätigung zugleich für mich, den Neustart zu wagen. Ich trage natürlich doppeltes Risiko - das des Künstlers und das des Unternehmers.»

Welche Mode erwartet uns?

Joop: «Wunderkind ist erwachsener geworden. Mit anderen Worten: luxuriös, elegant, avantgardistisch und gleichzeitig ganz bei sich selbst.»

Welche Materialien haben Sie eingesetzt?

Joop: «Fließende Jerseys in raffinierten Drapierungen. Chiffon, Alpaca und gekochte Wolle in Strick- und Webware. Delikate Prints in Ozelot-Optik gemixt mit gestreutem Mosaik.»

Was hat Sie inspiriert?

Joop: «Meinen Skizzenblock füllte ich im Dezember in Marrakesch. Bewusst oder unbewusst mischt sich ein orientalisch-märchenhaftes Frauenbild in Zitate der Haute Couture der 50er und 60er Jahre, wie sie die geheimnisvollen Heldinnen aus Hitchcocks Filmklassikern trugen.»

Sind Sie nervös, wie ihre Modelle ankommen werden?

Joop: «Der sogenannte Last-Minute-Stress kommt bei Wunderkind schon lange nicht mehr vor. Wir haben gelernt, selbstbewusst und professionell zu arbeiten. "What you see is what you get!" ist unser Motto.»

Sie stellen die Kollektion in der Villa Rumpf vor. Vergangenen Sommer hieß es, Sie wollten das Haus verkaufen. Was ist aus den Plänen geworden?

Joop: «Schon länger suchen wir nach größeren Räumen für Atelier und Verwaltung. Der einmalige Charme und die historische Bedeutung der Villa Rumpf sind allerdings für die "Auferstehungskollektion" ein angemessener Rahmen, und ich bin glücklich, die Villa behalten zu haben.»

Interview: Marion van der Kraats, dpa

news.de/dpa

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