Buntes Klapprad-WM: Kleine Räder, schwere Beine

Ludwigshafen - «Das Klapprad habe ich mir erst letzte Woche zusammengebaut», meint Egbert Fecht. Doch eben dieser Drahtesel hat ihn gleich zum Weltmeistertitel getragen, zum Sieg bei der «World-Klapp» in Ludwigshafen.

Klapprad-WM: Kleine Räder, schwere Beine (Foto)
Klapprad-WM: Kleine Räder, schwere Beine Bild: dpa

Rund 100 Fans der altertümlichen Fahrräder traten am Samstag in die Pedale bei der nicht ganz ernst gemeinten ersten Klapprad-WM in Rheinland-Pfalz.

Bis ins Finale hat es auch Björn Blätz alias Dietrich Müller-Thurgau geschafft. «Das war sehr anstrengend», sagt er schon nach der Vorrunde. Sein zotteliger Schnauzbart wippt ein wenig, als er schnell ein- und ausatmet. Denn der Schnauzer ist Pflicht, so wollen es die Regeln für den Wettbewerb. Auch eine Gangschaltung ist nicht erlaubt. Viele Fahrer tragen neben Oberlippenbart noch Perücke und Leggins oder hängen sich einen Fuchsschwanz an den Sattel. Auffallen im Stil der 70er Jahre ist gefordert.

Auch Björn Blätz nimmt die Regeln ernst: Der 35-Jährige hat sich seit Januar extra einen buschigen Schnurrbart wachsen lassen. «Das hat mir viel Häme der Kollegen eingebracht», sagt der Bundespolizist und grinst. Er wollte es unbedingt ins Finale schaffen. «Ein bisschen sportlicher Ehrgeiz ist schon dabei.»

Und so strampeln je 33 Teilnehmer in drei Vorrunden um die Wette, darunter auch der mehrmalige Tour-de-France-Teilnehmer Udo Bölts. Nach jeder Runde scheidet der Letzte aus, die ersten Sieben qualifizieren sich am Ende fürs Finale. Manche treten verbissen in die Pedale, andere winken ins Publikum und grinsen. «Mindestens die Hälfte hatte auch den Ehrgeiz, in die Endrunde zu kommen», sagt Peter Zürker vom Pfälzer Klappverein, der das Rennen organisiert hat.

Im Finale sausen die Klappradfahrer mit bis zu 37 Stundenkilometern an der Zuschauertribüne vorbei. Die Beine kurbeln wie verrückt, Schweiß rinnt unter dem Schnurrbart herunter. Nach einer halben Stunde werden bei manchen die Beine schwer, sie schütteln den Kopf, sie keuchen, sie pusten, beißen die Zähne zusammen, wollen kräftiger in die Pedale treten. Aber es geht einfach nicht schneller.

Am Ende hat Fahrradhändler Fecht die Nase vorne: Der 54-Jährige fährt innerhalb einer Stunde 37,86 Runden und verweist die strampelnde Konkurrenz auf die Plätze. Dass er der Sieger ist, steht aber erst einige Minuten nach Ende des Rennens fest. «Wer hat denn jetzt eigentlich gewonnen», fragt ein Klapprad-Fan kurz nach Abschluss einen Nachbarn. Der andere zuckt mit den Schultern und grinst. «Ist doch auch egal, oder?»

news.de/dpa

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