Freizeit Schweizer schwimmt von den Alpen zur Nordsee

Basel - Banküberfall, doch die Kassierin bleibt cool: «Hören Sie mal, das ist ja bloß eine Wasserpistole.» Der Gangster: «Aber da ist Wasser aus dem Rhein drin.» Ernst Bromeis mag den alten Witz, gerade weil er so kaum noch stimmt.

Schweizer schwimmt von den Alpen zur Nordsee (Foto)
Schweizer schwimmt von den Alpen zur Nordsee Bild: dpa

«Glücklicherweise ist der Rhein wieder viel sauberer», sagt der Extremsportler. Gefährdet sei der Strom aber ebenso wie andere Flüsse immer noch. Um darauf aufmerksam zu machen, versucht Bromeis nun, den Rhein als erster Mensch auf der gesamten Länge zu durchschwimmen - von den Alpen bis zur Nordsee.

Dafür steigt der 43-jährige Vater von drei Kindern an diesem Mittwoch (2. Mai) zunächst auf seine Tourenskier. Denn ganz am Anfang ist der Rhein nicht «schwimmbar» - schließlich liegen seine Ursprünge in eisigen Gletschergebieten östlich des St. Gotthard-Massivs. Vom Tomasee, der offiziell als Vorderrheinursprung gilt, geht es im Schweizer Bergkanton Graubünden nach Mustér/Disentis.

Und von dort in Tagesetappen bis zur Mündung bei Rotterdam. Insgesamt 1233 Kilometer - vorbei an Naturschönheiten wie dem Loreley-Felsen, aber auch an Häfen wie in Düsseldorf und Industrie wie den Chemiebetrieben von Basel. «Egal, wie der Rhein beschaffen ist, ich werde einen Monat lang tagtäglich in diesem großartigen Fluss leben», sagt Bromeis. Abends will er in seinem Internet-Blog von Erlebnissen in dem Strom berichten, den Rheinexperten wie der Deutsche Bruno Kremer als «bedeutendsten und interessantesten Fluss Westeuropas» betrachten.

Seit 2008 gilt der gebürtige Graubündener Bromeis als «Wasserbotschafter der Schweiz». Damals durchquerte er innerhalb eines Monats mehr als 200 Seen in seinem Heimatkanton. Die Extremsportaktion nannte er «Graubünden - das Blaue Wunder». 2010 durchschwamm er in 30 Tagen die jeweils größten Seen aller 26 Schweizer Kantone. Nach diesem «Blauen Wunder Schweiz» kommt nun «Das Blaue Wunder Rhein».

«Wasser ist verletzlich, ja zerstörbar, und doch unverzichtbarer Quell unseres Lebens», sagt der Naturliebhaber zu seiner Motivation. «Wir müssen es schützen, darauf will ich aufmerksam machen.» Dafür habe er genauso hart und ausdauernd trainiert «wie ein Radprofi für die Tour de France», berichtet Bromeis. Er weiß, dass die einzelnen Schwimmetappen von durchschnittlich 50 Kilometern ihm physisch wie psychisch viel abverlangen werden.

«Aber ich weiß auch, dass ich es schaffen kann», sagt er. «Und der Rhein ist mir nun mal besonders wichtig. In seinem Einzugsgebiet leben 50 Millionen Menschen. Von der Quelle in den Alpen mit Natur pur bis zum dicht besiedelten und industrialisierten Mündungsgebiet - das ist schon ein Spannungsfeld, da ist Dramatik drin.»

Wasser hat Bromeis zu seiner Profession gemacht, doch vom Wasser allein kann auch er nicht leben. Zu seinen Sponsoren gehört der Fremdenverkehrsverband Schweiz Tourismus. Der erhofft sich entlang der Schwimmstrecke des Wasserbotschafters auch Aufmerksamkeit für Reiseziele in der Schweiz. Schließlich, so Tourismus-Direktor Jürg Schmid, sei die Alpenrepublik mit mehr als 7000 Seen, 65 300 Kilometern Fluss- und Bachläufen sowie 122 Gletschern «das natürliche Wasserschloss Europas».

Homepage «Das Blaue Wunder»

Quellgebiet des Rheins, Schweiz Tourismus

news.de/dpa

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