Gastronomie Hemingways Stammkneipe auf Kuba feiert Jubiläum

Hemingways Stammkneipe auf Kuba feiert Jubiläum (Foto)
Hemingways Stammkneipe auf Kuba feiert Jubiläum Bild: dpa

Havanna - Laute Musik, kreolische Küche, rustikale Möbel: Für eine Bar in der Altstadt von Havanna ist das Ambiente der Bodeguita del Medio nicht ungewöhnlich.

Der legendäre Ruf des Lokals in der Straße Empedrado 207 basiert auf zwei anderen Dingen - dem Mojito und den Kritzeleien vieler Prominenter an den Wänden, zum Beispiel von US-Schriftsteller Ernest Hemingway. Auch Errol Flynn, Jack Lemmon oder Brigitte Bardot sollen die Bar besucht haben. Heutzutage haben die Touristen hier die Oberhand.

Jetzt feiert die Bodeguita ihren 70. Geburtstag. Und zwar mit einem kubanischen Gala-Dinner am Donnerstagabend. «Im Preis ist ein ausgewähltes kubanisches Menü, auch eine Havanna-Zigarre und ein Glas Añejo-Rum. Und selbstverständlich eine Mojito-Probe. Als Geschenk gibt es auch ein Erinnerungsfoto», berichtet Verwalterin Somalia Perez. Das Dinner kostet umgerechnet 30 Dollar, unerschwinglich für die meisten Kubaner, die im Monat etwa 20 Dollar verdienen. Tickets werden auch in den Tourismus-Büros der Stadt verkauft.

Die Bodeguita wurde vor allem wegen des Mojitos berühmt, der das typische Getränk des Hauses ist, erzählt Perez. Der Cocktail aus Rum, Minze, Limette und Rohrzucker wurde zwar nicht in der Bodeguita erfunden. Aber von hier aus habe er seinen Siegeszug um die Welt angetreten, meint sie. Dazu trug nicht zuletzt Hemingway bei, der Kuba zu seiner zweiten Heimat machte.

Der bekennende Liebhaber kubanischer Cocktails verewigte sich an einer Wand des Lokals. «Mein Mojito in La Bodeguita, mein Daiquiri in El Floridita», schrieb der Literaturnobelpreisträger über seine regelmäßigen Ausflüge in die beiden berühmten Bars von Havanna. Noch früher schrieb der kubanische Dichter Nicolás Guillén hier eine Botschaft. Einst ein Treff von Dichtern, Schauspielern und Musikern, haben inzwischen Touristen aus aller Welt ihre Namen oder Sprüche an den Wänden hinterlassen.

«Die Bodeguita verdankt ihren Ruf den Künstlern, all jenen Leuten der Boheme, die hier herkamen», sagt Perez über die goldene Frühzeit der Bar, vor der Revolution im Jahr 1959. Gegründet hatte die Bodeguita del Medio 1942 der Unternehmer Ángel Martínez: Der war gerade aus dem Innern der Insel in die Hauptstadt gezogen und richtete hier einen kleinen Lebensmittelladen ein. Als der Ort für seine gute Hausmannskost bekanntwurde, eröffnete Martínez die Bodeguita 1950 offiziell als Restaurant.

Der Name geht zurück auf die ungewöhnliche Lage: Im Gegensatz zu anderen Bodegas aus jener Zeit liegt das Lokal nicht an einer Straßenecke, sondern mitten in einer Straße. 1968 wurde die Bar verstaatlicht. Seit 2008 wird sie vom Tourismusministerium verwaltet. Viele Besucher vermissen mittlerweile Flair, da sich zwar viele Touristen aber kaum Einheimische hier drängen - für die Kubaner sind die Preise viel zu hoch. Inzwischen gibt es von dem berühmten Lokal sogar etliche Filialen im Ausland: Eine Bodeguita del Medio kann man zum Beispiel in Mexiko, Tschechien oder der Ukraine besuchen.

news.de/dpa

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