Glücksspiele Synonym für Glück: 30 Jahre Mittwochslotto

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Synonym für Glück: 30 Jahre Mittwochslotto Bild: dpa

Mainz/München - 363 Millionäre und der höchste Jackpot der deutschen Lotteriegeschichte: Die Bilanz des Mittwochslottos kann sich durchaus sehen lassen.

Vor 30 Jahren ging es auf Sendung, am 28. April 1982 übertrug das ZDF zum ersten Mal die Ziehung der Gewinnzahlen des «Mittwochslotto 7 aus 38». Seit dem 1. Juni 1986 fiel der Zusatz «7 aus 38» weg, seitdem lautet der Titel schlicht: «Lotto am Mittwoch».

Weil ein Lottokästchen Mitte der Woche zu Beginn ganze 50 Pfennig weniger kostete als am Samstag, wurde es zunächst als «Billig- oder Hausfrauenlotto» belächelt. Inzwischen ist es aber neben der berühmten Samstags-Ziehung zu einem festen Termin im Lotto-Alltag geworden. Beide Ziehungen gehören inzwischen zwar zusammen, der Jackpot erhöht sich jeweils von Mittwoch bis Samstag oder umgekehrt. Weil der 28. April in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, wird aber schon an diesem Mittwoch vorgefeiert - mit einer Jubiläumsziehung in Mainz. Bei sechs Richtigen mit Superzahl wären voraussichtlich rund elf Millionen Euro zu gewinnen.

Heike Maurer ist seit zwölf Jahren Lottofee und «die moderne Fortuna», wie der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) sie nennt. Sie bekommt viele Briefe von Zuschauern, sagt sie in einem Interview, das der DLTB veröffentlichte. Zuschauerinnen haben Fragen zur ihrer Garderobe, Männern geht es eher um die Kohle. Einige Zuschauer hätten sie schon um ein Date gebeten - «wenn möglich in Kombination mit den "richtigen" Zahlen». «Ein Mann bot mir einmal sogar die Ehe an, wenn ich denn vorher sechs Richtige für ihn ziehen würde.»

363 Menschen wurden nach Angaben des DLTB in München dank des Mittwochslottos zu Euro-Millionären. Der höchste Jackpot wurde im Dezember 2007 geknackt. Damals waren mehr als 45 Millionen Euro im Topf. Es war nach DLTB-Angaben gleichzeitig der höchste Jackpot in der deutschen Lotteriegeschichte. Drei Gewinner aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen mussten sich den Jackpot zwar damals teilen, für jeden blieben aber immer noch schlappe 15,1 Millionen Euro. Noch mehr Glück hatte ein Gewinner aus Oberbayern knapp zwei Jahre später. Den Jackpot von knapp 32 Millionen Euro und damit den höchsten Einzelgewinn am Mittwoch konnte er ganz für sich behalten.

«Wie ein Sechser im Lotto, dieser Vergleich für alle erdenklichen Ereignisse, Glücksmomente oder glücklichen Fügungen hat sich derweil zu einem geflügelten Wort entwickelt», schreiben die Autoren Christoph Lau und Ludwig Kramer in ihrem Buch «Die Relativitätstheorie des Glücks». Lotto und Glück seien zu sprachlichen Synonymen geworden. Wohl auch darum wurden im vergangenen Jahr in Deutschland - für das Mittwochs- und Samstagslotto zusammen - pro Woche rund 15,5 Millionen Lottoscheine verkauft. Insgesamt waren es 2011 fast 810 Millionen Scheine, rund 264 Millionen davon für das Mittwochslotto. Nach ZDF-Angaben schalten bei der Ziehung im Schnitt rund 2,5 Millionen Zuschauer ein.

Dabei hat die Lotteriegeschichte immer wieder den guten alten Spruch bewiesen, dass Geld nicht unbedingt glücklich macht. Auch Walter K., einer der ersten deutschen Lotto-Gewinner, wurde nicht richtig glücklich. Er kaufte ein Hotel in Paris, lud seine Freunde ein und hängte ein Schild an die Tür: «Wegen Reichtums geschlossen.» Am Ende starb er verarmt im Obdachlosenasyl.

«Lottogewinner werden aus dem harmlosen No-Name-Dasein katapultiert auf den Status einer Geldgröße. Das können viele nicht verkraften», sagt der Münchner Glücksforscher Stephan Lermer. «Das ist vergleichbar mit Prominenten, die aufgrund eines nicht bewältigten schnellen Erfolges in die Depression abrutschen.» Er empfiehlt Lotto-Gewinnern darum, sich gut beraten zu lassen - und ihr Glück nicht allein im Konsum zu suchen. «Konsum macht nicht glücklich, das ist ein Irrglaube. Am glücklichsten macht es, andere glücklich zu machen. Da gilt das alte Sprichwort: Geben ist seliger denn nehmen.»

news.de/dpa

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