Verkehr Heiße Schlitten für kalte Tage: Schneemobil fahren

Oberstaufen (dpa/tmn) - Motorisiert auf Schnee? Vielen Autofahrern treibt der bloße Gedanke an eine gefährliche Rutschpartie auf Rädern einen eiskalten Schauer über den Rücken. Richtig Spaß kann es dagegen machen, mit einem Motorschlitten über die Pisten zu düsen.

Heiße Schlitten für kalte Tage: Schneemobil fahren (Foto)
Heiße Schlitten für kalte Tage: Schneemobil fahren Bild: dpa

Oberstaufen (dpa/tmn) - Motorisiert auf Schnee? Vielen Autofahrern treibt der bloße Gedanke an eine gefährliche Rutschpartie auf Rädern einen eiskalten Schauer über den Rücken. Richtig Spaß kann es dagegen machen, mit einem Motorschlitten über die Pisten zu düsen.

In Deutschland müssen sich die wenigsten Menschen Gedanken darüber machen, wie sie bei meterhohem Schnee mobil bleiben. In Ländern wie Kanada oder Finnland dagegen schon, dort kann es sogar lebenswichtig sein. Zur ersten Wahl gehören in diesen Regionen Motorschlitten: Der Fahrer sitzt wie auf einem Motorrad, am Heck des Gefährts rotiert ein Raupenantrieb. Und vorne sind zwei lenkbare Ski montiert, um den Schlitten auf Kurs zu halten.

Vom Arbeitsgerät bis zum hochgerüsteten Sport-Mobil hat sich eine große Bandbreite der Gefährte entwickelt. Hersteller wie Yamaha, Lynx oder Bombardier Recreational Products (BRP) mit der Marke Ski-Doo bieten Modelle für jeden Einsatzzweck. Bis zu 125 kW/170 PS starke Antriebe machen die Motorschlitten zu Rennern, die auf festem Schnee Beschleunigungswerte erreichen wie große Motorräder auf Asphalt.

Zwischen 8000 und 15 000 Euro sind für ein Schneemobil fällig. Doch ein eigenes Fahrzeug dürfte sich hierzulande für die wenigsten lohnen, zumal viele Bundesländer das Fahren sehr restriktiv handhaben: «In Bayern etwa brauchen Sie eine Einzelgenehmigung, die für Freizeitgeräte praktisch nie erteilt wird. In Sachsen ist es einfacher, dort gibt es auch Sportveranstaltungen für Schneemobile», erklärt Händler Klaus Schmeiser aus Oberstaufen im Allgäu.

Interessanter sind da Freizeittouren auf Miet-Motorschlitten. Kay Morris Walther, der eine Schneemobilrennstrecke im Erzgebirgsort Sayda betreibt, bietet Ausfahrten in der Region an. Teilnehmen kann, wer mindestens 18 Jahre alt ist und einen Pkw-Führerschein hat. «Wir fahren zwar auf privaten Grundstücken, auf denen man an sich keine Fahrerlaubnis braucht», erklärt er. «Aber wir müssen öffentliche Straßen überqueren, und dort ist der Führerschein vorgeschrieben.»

Im Internet finden sich viele Angebote für Ausfahrten im Ausland, wo es im Winter verlässlich schneit - etwa in Österreich, Tschechien und Skandinavien. Die Bestimmungen sind dort oft weniger streng als in Deutschland: «In Finnland etwa darf man fahren, wenn man 15 Jahre alt und im Besitz eines Mofa-Führerscheins ist», sagt Walther.

«Man fährt durch Hochwälder, durch Tiefschnee, über zugefrorene Seen, auf denen man zwischendurch richtig Gas geben kann», beschreibt der Funsport-Experte Jochen Schweizer die Motorschlittentouren, die sein Unternehmen im Programm hat. Meist sei es «früh dunkel, man fährt viel mit Licht - das ist eine eigene Welt, mitten in der verschneiten Natur». Das Angebot reicht vom Schnupperkurs in Kitzbühel für um die 150 Euro bis zur großen Tour durch Lappland, die durchaus 2000 Euro kosten kann - Unterkünfte und Schneemobil inklusive.

Selbst Anfängern fällt das Fahren in der Regel nicht schwer, sagt Klaus Schmeiser. «Man sollte sich für den Anfang ein flaches Gelände aussuchen», rät er und an Hängen sehr vorsichtig sein. «Denn die Maschinen können mehr Gefälle vertragen als die meisten Fahrer.»

Gas gegeben wird auf den Motorschlitten per Daumen. Die Gefährte verfügen in der Regel über Automatikgetriebe, so dass nur fürs Rückwärtsrangieren geschaltet werden muss. Das Bremsen übernehmen Scheiben am Raupenantrieb. Die Bremswirkung ist stark vom Untergrund abhängig, erklärt Schmeiser: «Auf griffigem Schnee kommt man gut zum Stehen. Auf Eis und Skipisten aus Kunstschnee wird es gefährlich.»

Anspruchsvoll sind außerdem Bachläufe und Holperpisten. Nur mit viel Übung bleibt man dort im Sattel. In schweres Gelände wird man als Anfänger auf geführten Touren kaum vordringen, und auch keine weiten Sprünge machen wie Profis auf ihren Sportgeräten. Dennoch ist eine Sicherheitsausrüstung Pflicht: «Helm, Schneebrille, Brust- und Rückenprotektoren», zählt Schweizer auf, was Fahrer tragen sollten.

Wie auf einem Motorrad im Freien zu sitzen, obwohl das Thermometer zum Beispiel in Lappland auf minus 20 oder 25 Grad sinken kann, ist laut Schweitzer kein Problem. «Die Kälte ist trocken, deshalb lässt sie sich leichter ertragen.» Außerdem gebe es warme Ausrüstung, und die Geräte haben Heizgriffe. «Das ist mir persönlich eher schon ein bisschen zu warm», sagt Schweizer.

Wie anstrengend die Tour auf dem Schneemobil ist, hängt vor allem vom Fahrstil ab. Wer es gemütlich angehen lässt, kommt entspannt ins Ziel. Wer flott fahren will, muss viel lenken, korrigieren und ausbalancieren. Da können Ungeübte schon einmal Muskelkater bekommen.

Obwohl die Sitzposition ähnlich ist, hilft Motorrad-Erfahrung wenig auf einem Motorschlitten, sagen die Experten. «Während man sich auf dem Motorrad in Kurven hineinlegt, muss man auf dem Schneemobil genau das Gegenteil tun», erläutert Schweizer einen Unterschied.

Schneemobile lassen sich übrigens nicht nur auf Schnee fahren, wie die Bezeichnung vermuten lässt. In den USA fahren Freaks im Sommer Rennen auf Schlamm oder sogar übers Wasser. Und zumindest kurze Etappen über Asphalt machen den Geräten wenig aus - für solche Fälle haben sie Metallverstärkungen in den Kunststoff-Lenkski.

news.de/dpa

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