Wo ist das Sommerloch geblieben?

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Wo ist das Sommerloch geblieben? Bild: dpa

Gibt es noch ein Sommerloch? Nein, nur noch als Gemeinde bei Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. So könnte die These in diesem Jahr lauten, angesichts der vielen dramatischen Ereignisse, seien es die Unruhen in Nahost und Nordafrika oder die Hungerkatastrophe in Ostafrika oder die Schuldenkrisen in Europa und Amerika oder die Atomkatastrophe in Japan oder die Krawalle in England oder der Terror in Norwegen.

Berlin (dpa) - Gibt es noch ein Sommerloch? Nein, nur noch als Gemeinde bei Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. So könnte die These in diesem Jahr lauten, angesichts der vielen dramatischen Ereignisse, seien es die Unruhen in Nahost und Nordafrika oder die Hungerkatastrophe in Ostafrika oder die Schuldenkrisen in Europa und Amerika oder die Atomkatastrophe in Japan oder die Krawalle in England oder der Terror in Norwegen.

Man könnte noch weitermachen. «Wenn man es von der theoretischen Seite her sieht, entsteht das Sommerloch eigentlich durch Themenmangel aufgrund der politischen Sommerpause», sagt Christof Barth, Medienwissenschaftler an der Universität Trier. «Insofern gilt im Jahr 2011: Wenn durch Krisen oder sonstige Ereignisse die Gesellschaft weiß, über was sie sich informieren will, gibt es auch kein Sommerloch.» Es könne natürlich auch sein, dass sich Redaktionen heute besser auf die sogenannte Saure-Gurken-Zeit vorbereiten und nur deshalb weniger auf «Blödsinn aus aller Welt» angewiesen seien.

Immerhin sind auch in diesem Jahr Boulevard-Bagatellen in den Medien aufgetaucht, zum Beispiel die Frage, ob Ernie & Bert aus der «Sesamstraße» schwul sind und ob sie eine Homo-Ehe eingehen dürfen sollen. Seit Wochen interessieren sich die Deutschen außerdem für die Suche nach der flüchtigen Yvonne, der «Kuh, die ein Reh sein will».

Doch nach Erfahrungen mit dem Krakenorakel Paul im vergangenen Jahr oder Phänomenen wie Problembär Bruno, der in ein Tretboot verliebten Trauerschwänin Petra oder dem Kaiman Sammy, der Bestie vom Baggersee, scheint der Umgang der Medien und Mediennutzer nicht mehr so unbekümmert zu sein mit solchen Tier-Themen wie er es früher vielleicht mal war. Heute wird immer auch gleich unter dem Aspekt «Sommerloch» gedacht und reflektiert.

Joan Kristin Bleicher, Medienwissenschaftlerin von der Universität Hamburg, sagt jedoch: «Jeder Sommer hat sein tierisches Schicksal, das über Wochen hinweg verfolgt wird. Krokodile im Baggersee, Problembären und nun auch Kühe mit Freiheitsdrang. Diese Grenzgänge aus Fakten und Fiktion entsprechen vorhandenen Leserinteressen und erfordern keinen hohen Reflexionsaufwand.» Sie seien einfach Unterhaltung.

Weniger zur Unterhaltung scheinen jedoch Politiker aus der hinteren Reihe beizutragen, die sich in den Vordergrund drängen wollen. Früher gab es sie mehr in der «Sauren-Gurken-Zeit», die Vorschläge, die «schlicht, absurd und undurchführbar» sind, wie es die TV-Talkerin Maybrit Illner mal recht treffend in ihrem Buch «Politiker-Deutsch, Deutsch-Politiker» beschrieb. Und in diesem Jahr? Weitgehend Fehlanzeige.

Gemeinde Sommerloch

news.de/dpa

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