Verkehr Auto-Kindersitze: Vorsicht bei Nischenprodukten

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Auto-Kindersitze: Vorsicht bei Nischenprodukten Bild: dpa

Die lieben Kleinen sollen es auf dem Rücksitz bequem und sicher haben. Die allermeisten Auto-Kindersitze sind das, wie eine Studie von Stiftung Warentest und ADAC herausgefunden hat. Der ADAC warnt aber vor unsicheren Nischenprodukten.

Berlin (dpa) - Die lieben Kleinen sollen es auf dem Rücksitz bequem und sicher haben. Die allermeisten Auto-Kindersitze sind das, wie eine Studie von Stiftung Warentest und ADAC herausgefunden hat. Der ADAC warnt aber vor unsicheren Nischenprodukten.

Die meisten Auto-Kindersitze sind sicher - aber es gibt auch Ausnahmen. Der überwiegende Teil der von der Stiftung Warentest und dem ADAC getesteten Sitze hat mit «gut» abgeschlossen, einer erhielt sogar die Note «sehr gut». Das ist die positive Nachricht einer am Montag (23. Mai) veröffentlichten Studie. Erstmals hatten die Tester auch die Schadstoffbelastung der Sitze untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Die meisten Sitze waren unbedenklich.

Doch es gab auch Ausreißer nach unten. Der ADAC warnte vor fünf «mangelhaften» Modellen, die unsicher seien. Zwei davon waren außerdem noch mit Schadstoffen belastet. «Sicher können Kinder in diesen Sitzen nicht transportiert werden», hieß es in einer Mitteilung des Automobilclubs.

In der Testauswertung der Stiftung Warentest tauchen die vom ADAC bemängelten Modelle allerdings nicht auf. Während der ADAC das Ergebnis von 28 getesteten Kindersitzen für unterschiedliche Altersgruppen veröffentlichte, konzentrierte die Stiftung sich auf 21 häufig verkaufte Produkte «mit Marktbedeutung», wie Projektleiter Henry Görlitz von der Stiftung Warentest sagte.

«Der ADAC hat eine umfangreichere Auswahl von Sitzen in den Test aufgenommen, wir haben uns auf Sitze mit größerer Marktbedeutung oder Neuigkeitswert konzentriert.» Dadurch seien auch die Verlierer des Tests aus der Wertung herausgefallen. «Wir haben nicht die mit den schlechtesten Bewertungen rausgelassen, sondern die mit der geringeren Bedeutung auf dem deutschen Markt», betonte Görlitz.

«Wir wollten auch die Ergebnisse von Nischenprodukten veröffentlichen», sagte dagegen eine ADAC-Sprecherin. «Schließlich sind auch sie in Deutschland zu kaufen.» Eltern, die vielleicht unbedarft zu einem bestimmten Modell griffen, müssten davor gewarnt werden. Im ADAC-Ergebnis schnitten von 28 getesteten Sitzen - die Preise variierten zwischen 60 und rund 470 Euro - einer mit «sehr gut», 15 mit «gut», sechs mit «befriedigend», einer mit «ausreichend» und fünf mit «mangelhaft» ab.

Die Stiftung Warentest veröffentlichte Ergebnisse für 21 Modelle im Preissegment zwischen 90 und rund 480 Euro. Wie beim ADAC erhielten ein Modell die Bestnote «sehr gut» und 15 die Note «gut». Daneben gab es vier Sitze mit der Note «befriedigend» und einen mit der Note «ausreichend». Insgesamt seien mehr als 30 Modelle getestet worden, sagte Görlitz. Die Stiftung Warentest und der ADAC hätten dann unterschiedliche Modelle ausgewählt.

Testergebnisse des ADAC

Testergebnisse der Stiftung Warentest

Der richtige Kindersitz

Ausprobieren - das ist die wichtigste Regel beim Kauf eines Kindersitzes fürs Auto. «Wenn der Kunde keine Möglichkeit hat, den Sitz ins eigene Auto einzubauen, rate ich dringend vom Kauf ab», sagt Hubert Paulus, Experte für Insassensicherheit beim ADAC-Technikzentrum. Denn: «Nicht jeder Sitz passt in jedes Auto.»

«Zum Ausprobieren nehmen Sie am besten ihr Kind mit», fügt Henry Görlitz von der Stiftung Warentest hinzu. So könne die richtige Größe ermittelt werden, ob die Schlafposition bequem sei und der Sitz dem Kind auch gefalle, so die Experten. «Wenn das Kind das Tischchen vor dem Bauch gleich wegstößt, sollte zum Sitz mit Hosenträgergurten gegriffen werden», rät Paulus.

Relevant für die Auswahl ist die Körpergröße: Wenn der Kopf des Kindes über die Lehne hinausreiche, sei der Sitz zu klein. Die Gewichtsklassen der Sitze seien dagegen «recht unwichtig», so Görlitz. Im Gegensatz zur Rückenlehne: Diese dürfe - falls technisch möglich - für die Fahrt auf keinen Fall abgebaut werden, warnen die Experten. Vor allem bei Seitenunfällen minimiere sie das Verletzungsrisiko deutlich.

Gute Kindersitze, die den Prüfkriterien der Organisationen genügen, gibt es ab rund 100 Euro. Babyschalen seien mit Preisen ab 50 Euro günstiger. Vom Kauf gebrauchter Kindersitze wird allgemein abgeraten: Es könne nicht nachvollzogen werden, ob sie unfallfrei seien. «Und bei Neuware muss ich mich auch nicht um die Aktualität der ECE-Prüfnorm kümmern», erläutert Paulus. Aktuelle Prüfnummer sei die «44». Sitze, deren Nummer mit «1» und «2» beginnen, seien mittlerweile verboten.

Zu Lösungen mit dem Befestigungssystem Isofix raten die Experten nur bedingt. «Isofix-Sitze sind oft doppelt so teuer, aber nicht doppelt so sicher», sagt Paulus. Das System biete aber einige praktische Vorteile - zum Beispiel die einfache und sichere Installation. Allerdings seien nur neuere Autos mit den notwendigen Vorrichtungen ausgestattet.

news.de/dpa

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