Erdbeben Japaner öffnen Türen von Reaktor 1 in Fukushima

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima sind die Türen von Block 1 am Sonntag geöffnet worden. Kraftwerksbetreiber Tepco will erstmals Arbeiter in den schwer beschädigten Block schicken, um ein neues Kühlsystem aufzubauen. Die japanische Regierung gab grünes Licht für die Aktion.

Japaner öffnen Türen von Reaktor 1 in Fukushima (Foto)
Japaner öffnen Türen von Reaktor 1 in Fukushima Bild: dpa

Tokio (dpa) - Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima sind die Türen von Block 1 am Sonntag geöffnet worden. Kraftwerksbetreiber Tepco will erstmals Arbeiter in den schwer beschädigten Block schicken, um ein neues Kühlsystem aufzubauen. Die japanische Regierung gab grünes Licht für die Aktion.

Die Radioaktivität in dem Gebäude sei dank der am Donnerstag installierten Luftfilterung ausreichend gesunken, berichtete Tepco. Der Kraftwerksbetreiber öffnete am Abend (Ortszeit) die Doppeltüren zwischen dem Reaktorgebäude und einem angrenzenden Turbinenhaus, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Noch in der Nacht zu Montag sollen Arbeiter hineingehen, um die Strahlung dort messen.

Am Donnerstag hatten Arbeiter Belüftungsrohre mit einem Filtersystem verbunden, um radioaktive Substanzen aus dem Reaktorgebäude zu filtern. Messungen der Radioaktivität in der Luft aus dem Gebäude hatten Tepco zu der Entscheidung veranlasst, die Türen nun zu öffnen.

Es sei zwar möglich, dass durch die geöffneten Türen noch Radioaktivität in die Umgebung entweiche. Diese würde nach Überzeugung von Tepco jedoch nur auf dem Werksgelände eine geringe Erhöhung der Strahlendosis verursachen.

Erst jetzt im Mai wurde allerdings damit begonnen, die etwa 800 Arbeiter, die in dem havarierten Atomkraftwerk in Japan eingesetzt werden, regelmäßig medizinisch zu untersuchen, wie Kyodo unter Berufung auf den Betreiberkonzern berichtete. Als Grund für die späte Untersuchung wurde eine Anordnung des Gesundheitsministeriums genannt, in der zunächst Untersuchungen erst nach Ende der Krise verlangt wurden - wohl in der Erwartung, sie dauere nicht so lange.

Von den Hunderten Arbeitern, die seit dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März in der Atomruine zum Einsatz kamen, seien 30 einer Strahlendosis von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen, hieß es. Die gesetzliche Höchstdosis für Menschen, die beruflich radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind, liegt in Deutschland bei 20 Millisievert pro Jahr und bei 400 Millisievert für das gesamte Leben (Berufslebensdosis).

Unterdessen protestierten in Tokio Tausende gegen die Atomkraftnutzung. Über die Zukunft des erdbebengefährdeten Atomkraftwerks Hamaoka, das Japans Regierung schnell stilllegen möchte, wird allerdings erst später entschieden. Der Betreiber Chubu Electric Power wolle Gespräche darüber am Montag wieder aufnehmen, berichtete Kyodo unter Berufung auf Konzernmitarbeiter. Das Kraftwerk liegt in Zentraljapan nahe der 36 000-Einwohner-Stadt Omaezaki am Pazifik, nur 170 Kilometer südwestlich von Tokio.

Ministerpräsident Naoto Kan hatte den Betreiber am Freitag dazu aufgefordert, die Reaktoren 3 bis 5 der Anlage nicht weiter zu nutzen. Die Gefahr einer Katastrophe sei bei dem Kernkraftwerk zu groß. Die Reaktoren 1 und 2 hat der Konzern bereits stillgelegt.

Der Betreiber der weitgehend zerstörten Anlage in Fukushima, Tepco (Tokyo Electric Power Company), hatte Mitte April einen Zeitplan für die Arbeiten veröffentlicht. Das Unternehmen hofft, die Reaktoren innerhalb von drei Monaten wieder zuverlässig kühlen zu können und in neun Monaten wieder die volle Kontrolle über die Anlage zu haben.

news.de/dpa

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