Korr-Ausland Karl Lagerfeld lockte in den dunklen Wald

Diskretion lautet die Devise des kommenden Modewinters. Kurz vor Ende der Pariser Prêt-à-Porter-Schauen der Damen für Herbst/Winter 2011/12 deutet alles auf eine zurückhaltende Saison hin. Das Bild einer Dame winkt aus den 50er und frühen 60er Jahren herüber.

Karl Lagerfeld lockte in den dunklen Wald (Foto)
Karl Lagerfeld lockte in den dunklen Wald Bild: dpa

Paris (dpa) - Diskretion lautet die Devise des kommenden Modewinters. Kurz vor Ende der Pariser Prêt-à-Porter-Schauen der Damen für Herbst/Winter 2011/12 deutet alles auf eine zurückhaltende Saison hin. Das Bild einer Dame winkt aus den 50er und frühen 60er Jahren herüber.

Einige Designer haben sich offenbar von der Balenciaga-Ausstellung in New York inspirieren lassen. Die Silhouetten des Großmeisters der Schneiderkunst, der 1972 starb, scheinen in den Kollektionen präsent - mit perfekt sitzenden Kostümen mit gerundeten Jacken oder Cape-Formen und schmalen Röcken. Seine präzise Schnittführung wird auch in geradere Linien übersetzt: als moderne Variante der Vornehmheit. Andere schielen auf die 80er-Jahre, aber nicht auf den glitzernden Schick des Denver-Clans, sondern eher auf den Purismus von Giorgio Armani und dessen Spiel mit männlichen und weiblichen Formen.

Der Trend verhilft den Frauen im kommenden Winter endlich zu einer «anständigen» warmen Hülle. Die Auswahl an hocheleganten wärmenden Mänteln wird groß sein. Dazu gibt es weit schwingende wadenlange Wollröcke, häufig mit Falten. Schmale überlange Hosen komplettieren den Look. Obenrum wird gerne Leder verwendet. So zurückhaltend die Entwürfe sind, so kräftig dürfen die Farben sein. Rottöne sowie kräftiges Blau waren häufig zu sehen.

Einer Waldlandschaft an einem Novembertag sollte das beeindruckende Ambiente der Schau von Karl Lagerfeld für Chanel am Dienstag gleichen. Doch erinnerte die Szenerie eher an einen Meteoriten-Einschlag: Schwarze Steine bedecken den Boden, ein Holzsteg führt zu einem Tor, aus dem die Models - gehüllt in Nebelschwaden - hervortreten. Sie tragen Lagenlook wie aus einem romantischen Märchen: Weite Männerhosen, die in rustikale Schnürstiefel gesteckt wurden, Stulpen, Jacken, Cocktailkleider wie Blütenkelche und schwingende Umhänge. Das cremefarbene Tweedkostüm mit weiter, gerundeter Jacke und kurzem Rock wird über einer schmalen Jeans getragen. Die düsteren Farben - Schwarz, dunkles Rot oder Waldgrün - hellen silberne Fäden oder Stickereien wie glitzernde Tautropfen auf. Ein hauchzarter Anzug aus graugrüner Spitze erinnerte an brüchig werdendes Herbstlaub.

Eigentlich hätte es eine ideale Saison für Yves Saint Laurent werden können, schließlich war der Gründer des Modehauses für seine Mischung aus Noblesse und versteckter Erotik berühmt. So nahm Designer Stefano Pilati viele Saint-Laurent-Klassiker auf: mädchenhafte Etuikleider, A-förmige wadenlange Röcke, Schleifenblusen, Lackkleider und einfarbige Abendkleider aus Seide. Doch bei einigen Entwürfen lag er knapp daneben: Die Muster wirkten grob, der Lack sah nach Plastik aus, und das monochrome Weiß erschien grell. Dafür punktete er am Anfang der Schau mit schicken Entwürfen in schimmerndem britischen Karo-Stoffen.

Im Zeichen der Schlange stand die Kollektion von Chloé-Designerin Hannah MacGibbon. Sie zeigte Mäntel und Hosenanzüge aus Pythonleder sowie Jersey-Kleider, Blusen und Röcke mit Schlangenleder-Druck. Die Silhouette mit überweiten Hosen, schwingenden Mänteln und in der Taille gegürteten Kleidern war den 70er-Jahren entlehnt. Ohne die Schlangenlinien hätte es allerdings deutlich besser geswingt.

Verband der Couture und des Prêt-à-Porter

news.de/dpa

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