Beruf Junge Mitarbeiter oft gestresst und krank

Junge Mitarbeiter oft gestresst und krank (Foto)
Junge Mitarbeiter oft gestresst und krank Bild: dpa

Berlin (dpa) - Häufige Berufswechsel und unsichere Perspektiven bestimmen das Leben vieler Berufseinsteiger in Deutschland. Entsprechend häufig leiden viele unter Stress, psychischen Leiden und Schmerzen. Viel Alkohol und wenig Sport erhöhen oft das Gesundheitsrisiko.

Berlin (dpa) - Häufige Berufswechsel und unsichere Perspektiven bestimmen das Leben vieler Berufseinsteiger in Deutschland. Entsprechend häufig leiden viele unter Stress, psychischen Leiden und Schmerzen. Viel Alkohol und wenig Sport erhöhen oft das Gesundheitsrisiko.

Millionen Berufseinsteiger in Deutschland sehen einer unsicheren Laufbahn entgegen, fühlen sich durch den Job belastet oder leiden unter Stress und Krankheiten. Junge Arbeitnehmer sind auch deutlich häufiger krankgeschrieben - wenn auch kürzer - als ihre älteren Kollegen, wie am Dienstag (15. Februar) veröffentlichte Studien der Krankenkassen DAK und TK zeigen. Insgesamt ist die Zahl psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern in Deutschland im vorigen Jahr so stark angestiegen wie noch nie. Bei der Mehrheit der jungen Frauen und Männer dominieren allerdings Optimismus und Freude am Job.

Bei vielen jungen Arbeitnehmern lauern laut DAK-Gesundheitsreport 2011 gesundheitliche Risiken in ihrer Berufssituation: 71 Prozent von ihnen finden den Arbeitsalltag belastend. Jeder vierte ist nicht im Wunschberuf untergekommen - oft trotz Jobwechseln. Davon sind 36 Prozent froh, überhaupt einen Job bekommen zu haben. Jeder Vierte leistet Schichtarbeit. Zwei von drei der Unter-30-Jährigen fühlen sich im Job unterfordert. «Auch Unterforderung kann arbeitsbedingten Stress ausmachen», warnte der Hamburger Psychiatrie-Chefarzt Hans-Peter Unger.

Unstete Lebensverhältnisse mit monatsweisen Vertretungen oder zwei, drei Arbeitsverhältnissen parallel verhinderten für viele junge Leute eine klare Lebensplanung, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Solche Belastungen fingen heute schon in der Schule an. Wenn die Leute aber einen Job haben, heißt das oft: Erreichbarkeit rund um die Uhr, abends noch E-Mails beantworten, keine Zeit zum Abschalten. 27 Prozent der Unter-30-Jährigen empfinden den Druck als zu groß. Insgesamt gibt es 12 Millionen Menschen zwischen 18 und 30 in Deutschland.

Mehr als ein Fünftel der jungen Arbeitnehmer gaben an, dass sie an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden. 46 Prozent haben oft Muskelverspannungen, 30 Prozent Kopfschmerzen. Fettsucht und Bluthochdruck gehörten mit je knapp 6 Prozent zu den häufigsten Krankheiten. Rebscher: «Hier lassen sich Warnsignale für spätere chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose erkennen.»

Nicht einmal die Hälfte gibt an, Sport zu treiben. Für jeden vierten junge Arbeitnehmer gehört Alkohol zum Spaß beim Ausgehen dazu - 27 Prozent betrinken sich bis zu dreimal im Monat.

Allerdings hat eine Mehrheit der jungen Leute die meisten der genannten Probleme nicht. 72 Prozent arbeiten im Wunschberuf und sind überwiegend zufrieden. Drei von vier sehen sich als gesund an.

Junge Arbeitnehmer sind laut einer TK-Erhebung doppelt so häufig krankgeschrieben wie ältere Kollegen: durchschnittlich zweimal pro Jahr. Während eine Krankschreibung unter den jüngsten Beschäftigten bis 19 Jahren aber nur knapp sechs Tage dauert, sind es bei den über 55-Jährigen schon fast 19 Tage.

«Allerdings stellen wir auch bei jüngeren Beschäftigten in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen fest», sagte TK-Expertin Gudrun Ahlers. Jeder zehnte Jüngere hat laut DAK körperliche Leiden ohne organische Ursache, oft mit Depressionen. Bei knapp sechs Prozent verursachen Lebensveränderungen psychische Störungen.

Bei Alt und Jung zusammen gab es 2010 insgesamt 13,5 Prozent mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden - der bisher größte Anstieg. Depressionen und andere psychische Krankheiten machen laut DAK ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus. Diese Diagnosen spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998. «Das ist aber nicht immer gleich eine schwere Depression», sagte Unger. Oft könne schon eine etwas andere Lebensgestaltung helfen. Insgesamt blieb der Krankenstand mit 3,4 Prozent im Wirtschaftsaufschwung 2010 unverändert.

DAK-Gesundheitsreport 2011 (pdf)

news.de/dpa

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