Schönheitschirurg: «Man muss auch mal Nein sagen» Gespräch: Silke Katenkamp

Schönheitschirurg: «Man muss auch mal Nein sagen» Gespräch: Silke Katenkamp (Foto)
Schönheitschirurg: «Man muss auch mal Nein sagen» Gespräch: Silke Katenkamp Bild: dpa

Welches Licht wirft der Tod von Pornosternchen Cora auf die Branche? Wer trägt die Verantwortung? Die Deutsche Presse-Agentur sprach darüber mit dem wohl bekanntesten Schönheitschirurgen Deutschlands, Werner Mang.

München (dpa) - Welches Licht wirft der Tod von Pornosternchen Cora auf die Branche? Wer trägt die Verantwortung? Die Deutsche Presse-Agentur sprach darüber mit dem wohl bekanntesten Schönheitschirurgen Deutschlands, Werner Mang.

Er ist Präsident der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin und leitet die Bodenseeklinik Lindau für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Cora starb nach einer Brust-OP. Wie kann so etwas passieren?

Mang: «Wie es zu dem Tod der Patientin gekommen ist, ist noch nicht geklärt. Es kann sein, dass sie Medikamente genommen hat und der Arzt davon nichts wusste. Vor diesem Hintergrund muss man sich eines immer wieder bewusst machen: Die Schönheitschirurgie birgt genauso viele Risiken wie jede andere OP auch. Es ist egal, ob es nun eine Operation an der Gallenblase oder eine Brust-OP ist - bei einer Operation können immer Komplikation auftreten: eine Thrombose, eine Embolie, eine Infektion, ein Herzstillstand. So etwas kann vorkommen, ohne dass der Arzt eine Schuld hat. Das ist dann schicksalhaft.»

Der Eingriff war die sechste Brust-OP von Cora. Kann das ein Schönheitschirurg verantworten?

Mang: «Die Brust der Frau war bereits groß genug. Sie aber wollte sie auf fast ein Kilogramm pro Brustseite vergrößern lassen. Das halte ich für äußerst bedenklich, auch medizinisch schädlich. Eine zu große Brust erzeugt Nackenbeschwerden, die Haut dehnt sich zu sehr, die Brust hängt mehr, die Drüse wird komprimiert. Da muss man zum Patienten sagen: Das ist medizinisch problematisch. Da muss man auch mal Nein sagen.»

Wird in ihrer Branche zu selten Nein gesagt?

Mang: «Ich glaube schon. Weil der Arzt sich manchmal vom Patienten zu sehr bedrängen lässt und weil vielleicht dann doch manchmal das Geld lockt. Wir schicken an der Bodenseeklinik cira vier Prozent der Patienten nach Hause. Weil die OP medizinisch nicht vertretbar ist, sie zu hohe Risiken birgt, oder psychologische Probleme im Vordergrund stehen.»

Wie verantwortungsbewusst ist das Verhältnis ihrer Patienten zu ihrem Körper?

Mang: «Es ist so, dass manche Patienten leichtfertig mit diesen Eingriffen umgehen und zu blauäugig in die OP gehen. Sie denken, dass man eine Beauty-Operation ohne Risiken haben kann, dass schon nichts passieren wird. Das Risiko von Schönheitsoperationen wird häufig unterschätzt.»

Wie läuft denn das Geschäft mit der Schönheit derzeit?

Mang: «Es boomt, trotzt der Finanzkrise. Von 2000 bis 2010 hatten wir eine Verdoppelung von 500 000 auf 1 Million Schönheitsoperationen in Deutschland, davon ist mittlerweile jeder fünfte Eingriff bei einem Mann. Nirgends sonst in Europa gibt es so viele Eingriffe. Heutzutage will keiner altern, jeder will fit, gesund und schön sein.»

Was wird am häufigsten gewünscht?

Mang: «Bei Frauen: Brustimplantate. Bei Männern Schlupflidkorrektur und Tränensackentfernung. Das müsste ich bei mir eigentlich auch mal machen lassen. Aber bisher habe ich da keinen Leidensdruck.»

news.de/dpa

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