Wissenschaft Psychologen: Akzent verrät mehr als Aussehen

«Isch abe fertig» und «Flasche leer»: Wer so redet, gilt seit der Wutrede des Ex-Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni als typisch italienisch.

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Psychologen: Akzent verrät mehr als Aussehen Bild: dpa

Jena (dpa) - «Isch abe fertig» und «Flasche leer»: Wer so redet, gilt seit der Wutrede des Ex-Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni als typisch italienisch.

Denn nicht das Aussehen, sondern der Akzent eines Menschen bestimmt, wie er von anderen gesehen wird. Das haben Psychologen der Universität Jena herausgefunden.

In Versuchen sei herausgekommen, dass sich die meisten Menschen bei der ethnischen Einordnung von Fremden ausschließlich am Akzent orientieren, teilte die Universität am Freitag mit. Bislang sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass visuelle Eindrücke bei der Kategorisierung Priorität haben, erklärte Psychologin Tamara Rakic.

Durch Sprache würden nicht nur Informationen übermittelt, es ließen sich deutlich mehr Temperament oder Gemütszustand ableiten, erklärte Rakic vom Institut für Psychologie. Daher sage der Akzent viel mehr aus als nur das Aussehen. Die Studie der Jenaer Forscher ist in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Journal of Personality and Social Psychology» erschienen.

In den zwei Hauptexperimenten mussten 93 Versuchspersonen Fotos von deutsch und italienisch aussehenden Personen jeweils mündlichen Aussagen mit und ohne Akzent zuordnen. Zusätzlich habe es kleinere Experimente mit 173 Textpersonen gegeben. Das Ergebnis belege die große Bedeutung der Sprache bei der ethnischen Kategorisierung von Menschen und zeige deutlich, dass akzentfreie Sprache bei der Integration eine entscheidende Rolle spiele, erklärte Rakic.

news.de/dpa

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