Buntes Stress und Schweiß für «Made in Germany»

Stress und Schweiß für «Made in Germany» (Foto)
Stress und Schweiß für «Made in Germany» Bild: dpa

Alexander Mücke war bei der 2. Berufs-Europameisterschaft der Größte. Der 22-jährige CNC-Fräser gewann in Lissabon eine von insgesamt zwei Goldmedaillen des deutschen Teams. Außerdem bekam er den Sonderpreis «Best of Nations».

Lissabon (dpa) - Alexander Mücke war bei der 2. Berufs-Europameisterschaft der Größte. Der 22-jährige CNC-Fräser gewann in Lissabon eine von insgesamt zwei Goldmedaillen des deutschen Teams. Außerdem bekam er den Sonderpreis «Best of Nations».

«Das ist der Preis für drei Tage Arbeit, Stress und Schweiß», sagte der junge Mann aus Königsbach-Stein (Baden-Württemberg) überglücklich nach der Siegerehrung am späten Sonntagabend. Das Erfurter Duo Christian Romstedt/Robert Reichert gewann die zweite deutsche Goldmedaille in der Mobilen Robotik.

Mücke & Co. durften sich wie Stars fühlen. Sie wurden auf dem Lissabonner Messegelände von Zehntausenden frenetisch angefeuert. «Wahnsinn», sagte Mückes Trainer Herbert Mattes (48). Und der Maschinentechniker Nils Michalik aus dem kleinen Ort Saaleck in Sachsen-Anhalt, Silber um den Hals, sagte mit leuchtenden Augen: «Die Atmosphäre war einfach toll.»

Bei der Berufs-EM wurde vom 9. bis zum 12. Dezember unter Zeitdruck und kritischen Augen der Experten und Schiedsrichter jeden Tag fünf Stunden lang gekocht, gebohrt, programmiert und gemalt.

Die 16 Mitglieder des deutschen Teams im Alter zwischen 18 und 25 Jahren haben aber nicht nur für sich geschwitzt. Für Politiker wie Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig ging es in der portugiesischen Hauptstadt auch darum, das Ansehen von Technologie und Ausbildung «Made in Germany» hochzuhalten. Das gelang auch halbwegs. Die Deutschen holten neben den zwei Goldmedaillen sechsmal Silber und einmal Bronze.

Im Vergleich mit anderen Ländern hielten sich die Erfolge des deutschen Teams jedoch in Grenzen. Die Niederlande gewannen zum Beispiel nicht weniger als 18 Mal Gold. Während aber die deutsche Nationalmannschaft 16 Angehörige hatte, gingen die «Oranjes» mit einem 40-köpfigen Team ins Rennen. In der Nationenwertung, die die Größe der Teams berücksichtigt, belegten die Deutschen hinter Sieger Italien, Schweiz, Österreich und Finnland immerhin Platz fünf.

«Um zukünftig noch besser zu werden, brauchen die deutsche Mannschaft und auch die nationalen Berufswettbewerbe noch mehr Unterstützung durch die Politik und die Verbände. Andere Nationen geben den Wettbewerben einen weitaus größeren Stellenwert, als das aktuell in Deutschland ist», klagten Waldemar Buchmüller und Andreas Knurr, die im Straßenbau Silber holten.

Experten, Trainer und Vertreter verschiedener Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung versicherten unisono: «Solche Leistungsvergleiche sind sehr wichtig, um den Nachwuchs zu locken.» Medaillengewinner sollen wie Sportstars positive Nachahmungseffekte auslösen. «Sie sind Vorbilder für ihre Altersgenossen - und davon brauchen wir in Industrie und Handwerk noch eine ganze Menge», sagte Elfi Klumpp, Vorstand und Geschäftsführerin von «Worldskills Germany». Bei den Friseuren, Schneidern oder Floristen beispielsweise gab es gar keine deutschen Teilnehmer in Lissabon.

Knapp 500 Auszubildende und junge Berufstätige aus 27 Nationen in traten in 52 Berufswettbewerben gegeneinander an. Euroskills ist ein Ableger der Berufs-WM «WorldSkills», die bereits seit 1950 ausgetragen wird. «Der Austausch mit Berufskollegen anderer Länder war eine unglaubliche persönliche Bereicherung», sagte Nils Michalik. Die 42. WM findet 2013 in Leipzig statt, nur knapp 50 Kilometer von Michaliks Heimatort entfernt.

www.euroskills2010.pt

www.skillsgermany.de

news.de/dpa

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