Literatur Verfechterin Europas: Heine-Preis für Simone Veil

Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die deutsch-französische Freundschaft hat die Politikerin und Holocaust-Überlebende Simone Veil den Heinrich-Heine-Preis entgegengenommen.

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Verfechterin Europas: Heine-Preis für Simone Veil Bild: dpa

Düsseldorf (dpa) - Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die deutsch-französische Freundschaft hat die Politikerin und Holocaust-Überlebende Simone Veil den Heinrich-Heine-Preis entgegengenommen.

Seit ihrer Rückkehr aus dem NS-Vernichtungslager Auschwitz habe sie für die Versöhnung beider Länder gekämpft, sagte die 83-jährige Französin am Montag bei der Verleihung der Auszeichnung in Düsseldorf. Ein erneutes «Auseinanderdriften» beider Länder müsse verhindert werden. Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stadt Düsseldorf zählt zu den bedeutendsten deutschen Literaturpreisen.

«Ich war immer davon überzeugt, dass die europäische Einheit vor allem von der deutsch-französischen Aussöhnung abhängt», sagte Veil, die von 1979 bis 1982 erste Präsidentin des Europäischen Parlaments war. Sorge bereite ihr aber eine «gewisse Tendenz zur Banalisierung der deutsch-französischen Achse». Seit der EU-Osterweiterung habe Deutschland seine «natürliche Einflusszone» in Zentral- und Osteuropa wiedergefunden, während sich Frankreich verstärkt den mediterranen Länder zuwende. Mit der globalen Krise müssten die deutsch-französischen Beziehungen «einen neuen Anlauf in der multipolaren Welt» nehmen.

Die 1927 in Nizza geborene Jüdin Veil hatte als Jugendliche die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt. Nach dem Krieg studierte sie Jura und liberalisierte als französische Gesundheitsministerin in den 70er Jahren das Abtreibungsrecht. 2008 wurde sie in die berühmte Académie française aufgenommen. Veil wird an diesem Donnerstag in Berlin auch mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma ausgezeichnet.

Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Gerd Pöttering, nannte Veil «eine moralische Orientierung für uns alle». Die Jury begründete die Entscheidung für Veil mit dem Satz: «Ganz im Sinne Heinrich Heines hat sie dazu beigetragen, Europa eine Seele zu geben.»

Mit dem Heine-Preis wurden seit 1972 unter anderem Walter Jens, Max Frisch und Richard von Weizsäcker ausgezeichnet. 

news.de/dpa

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