Musik Viel Applaus für «Die Trojaner» an Deutscher Oper

Nur selten wird «Die Trojaner» aufgeführt. Wenn um vier Uhr die Oper beginnt und um neun noch immer nicht zu Ende ist, erschreckt das viele Liebhaber - und wohl auch die Macher. Die Musik zieht sich zuweilen etwas zäh dahin, auf der Bühne passiert wenig.

Viel Applaus für «Die Trojaner» an Deutscher Oper (Foto)
Viel Applaus für «Die Trojaner» an Deutscher Oper Bild: dpa

Berlin (dpa) - Nur selten wird «Die Trojaner» aufgeführt. Wenn um vier Uhr die Oper beginnt und um neun noch immer nicht zu Ende ist, erschreckt das viele Liebhaber - und wohl auch die Macher. Die Musik zieht sich zuweilen etwas zäh dahin, auf der Bühne passiert wenig.

Kein Wunder, dass Hector Berlioz (1803-1869) seine Monumentalkonstruktion zu Lebzeiten nie komplett zu hören bekam. Die Gigantomanie des Franzosen, der sich damit ein Denkmal setzen wollte, war für Donald Runnicles aber kein Grund, es nicht doch zu versuchen.

Der Schotte, seit etwas mehr als einem Jahr Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper Berlin, bekam dafür viel Applaus. Das Orchester, das noch vor wenigen Wochen zur «Don Giovanni»-Premiere unter dem Italiener Roberto Abbado ausgebuht wurde, sowie der Chor waren die Stars am Sonntagabend. Runnicles baut auf seine Musiker. Nur einige hundert Meter entfernt spielt im Provisorium Schiller Theater die Staatsoper Unter den Linden unter Daniel Barenboim ebenfalls große Oper. Da muss Runnicles mithalten, im März dirigiert er die Premiere von «Tristan und Isolde».

Berlioz, immer wieder auch Frankreichs Richard Wagner genannt, hatte von 1856 bis 1858 an der Doppeloper über den trojanischen Krieg und die Stadt Karthago nach Texten von Vergil gearbeitet. Regisseur David Pountney hat mit der Geschichte über Verrat und Reue seine Probleme. Der Brite, ein Fachmann für seltene Stücke, bekam das maßlose Werk nur schwer in den Griff. Aber wie auch? Mit rund 20 Solistenpartien verliert man schnell den Überblick. Berlioz hatte an sich zwei Opern geschrieben und sie dann zu einem abendfüllenden Stück zusammengefügt. Erst 1890 wurden beide Teile in Karlsruhe gezeigt und 1969 gab es erstmals eine Gesamtaufführung aus einem Guss in Glasgow.

Pountney gliedert die Inszenierung in zwei optisch getrennte Teile auf (Bühnenbild: Johan Engels). Das düstere, von Gewalt beherrschte Troja wird vom lichten Karthago abgelöst. Von Troja nach Karthago zieht Göttersohn Aeneas (Ian Tomlinson). Er und die anderen Trojaner haben die Warnung Kassandras (viel Beifall in dieser Rolle für die beeindruckende Petra Lang) ignoriert und die Stadttore für ein vermeintliches Göttergeschenk geöffnet. Aus dem riesigen Holzpferd steigen die griechischen Soldaten, die Troja in Schutt und Asche legen.

Auf der Flucht aus der Heimat strandet Aeneas nun in Nordafrika, wo er sich in Königin Dido (bewegend: Béatrice Uria-Monzon) verliebt. Doch lange hält es Aeneas nicht dort. Er muss dem Befehl der Götter gehorchen, nach Italien weiter ziehen und dort ein neues Reich gründen.

Pountney hat mit den Längen in der Musik zu kämpfen, die er - nicht immer erfolgreich - mit Balletteinlagen und Regieeinfällen zu überbrücken versucht. Die Stadt Troja ist nur angedeutet, vom hölzernen Pferd senkt sich ein beeindruckendes Hufenpaar und der Kopf über die Bühne. Didos Schloss in Karthago ist ein Gazeschleier, das Hofpersonal gibt sich ganz in Gelb-Grün orientalischen Tänzen hin. In der Liebesszene schweben Dido und Aeneas in zwei Seifenblasen über dem Boden und durch das Firmament. Doch die eigentlichen Protagonisten des Abends sind die Frauen. Ob Kassandra oder Dido - sie versuchen vergeblich aus dem männlichen Kriegs- und Balzritual zu entkommen, richten aber am Ende die Gewalt gegen sich.

www.deutscheoperberlin.de

news.de/dpa

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