Wissenschaft Forscher entdecken neue Lebensform

In einem unwirtlichen Salzsee haben US- Wissenschaftler eine neue Lebensform entdeckt: ein Arsen fressendes Bakterium. Es baut das giftige Element anstelle von Phosphor in Fette, Proteine und sogar in sein Erbgut ein.

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Washington/Berlin (dpa) - In einem unwirtlichen Salzsee haben US- Wissenschaftler eine neue Lebensform entdeckt: ein Arsen fressendes Bakterium. Es baut das giftige Element anstelle von Phosphor in Fette, Proteine und sogar in sein Erbgut ein.

«Es handelt sich um irdisches Leben, aber nicht um Leben, wir wir es bisher kennen», sagte Astrobiologin Mary Yoytek von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.

Nach Angaben der Wissenschaftler ist damit erstmals bewiesen, dass einer der zentralen Bausteine allen irdischen Lebens durch ein anderes Element ersetzt werden kann. «Die Definition von Leben hat sich erweitert», sagte Nasa-Forscher Ed Weiler. Bei der Suche nach Anzeichen von Leben innerhalb unseres Sonnensystems müsse man nunmehr «von einem breiteren Denkansatz ausgehen».

Die Nasa hatte zuvor mit einer kryptischen Einladung zur Pressekonferenz für erheblichen Wirbel gesorgt. In einer Mitteilung kündigte sie eine Entdeckung an, die «Auswirkungen auf die Suche nach Beweisen für außerirdisches Leben haben wird». Daraufhin schossen unter anderem im Internet Spekulationen ins Kraut, ob es sich um «Aliens» handeln könnte. Am Abend berichteten die Experten dann aber «nur» über das irdische Bakterium mit den extrem ungewöhnlichen Eigenschaften. Bei deutschen Experten stieß die Studie auf Skepsis.

Doch worum geht es nun genau? Phosphor, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff sind die sechs Elemente, die essenziell für das Leben sind. Die Wissenschaftler wollten aber herausfinden, ob das Leben auch mit anderen Stoffen funktionieren kann. Sie konzentrierten sich in ihrer Studie auf Arsen, weil es dem Element Phosphor chemisch sehr ähnlich ist.

Genau diese Ähnlichkeit ist auch der Grund dafür, dass Arsen für die meisten Lebewesen hochgiftig ist: Der Stoffwechsel kann die beiden Elemente in ihrer biologisch aktiven Form nicht auseinanderhalten. Wird Arsen anstelle von Phosphor aufgenommen, funktionieren zentrale biochemische Vorgänge nicht mehr.

Die Forscher züchteten Bakterien aus dem Schlamm des Mono Lake, der auch als das «Tote Meer» Kaliforniens bezeichnet wird: Er ist sehr salzhaltig, stark alkalisch und sein Schlamm enthält viel Arsen. In ihren Laborversuchen erhöhten die Experten allmählich die Arsen- Konzentration des Wachstumsmediums, wie sie im renommierten US- Fachjournal «Science» berichten. Phosphor gaben sie dem Nährboden hingegen nicht zu. Am Ende blieben Winzlinge übrig, die unter diesen Bedingungen sogar wachsen konnten: Bakterien des Stamms GFAJ-1 aus der Familie der Halomonadaceae. Sie verwendeten tatsächlich Arsen in ihrem Stoffwechsel und ersetzten damit den fehlenden Phosphor.    

Jeden Tag habe sie beim Betreten des Labors den Atem angehalten, sagte Felisa Wolfe-Simon vom Astrobiologie-Institut der Nasa. Doch entgegen allen Erwartungen waren die Mikroben in ihrer feindlichen Arsen-Umgebung noch am Leben. «Wir haben die Tür einen Spalt weit geöffnet und sehen, was auch andernorts im Universum möglich ist.»

Der Mikrobiologe Johann Haider von der Universität Marburg hält den «großen Hype», der schon jetzt entstanden sei, durch die Daten im Detail nicht gedeckt, wie er «MDR Info» sagte. Auch nach Ansicht des Biochemikers Karl-Heinz van Pee (Universität Dresden) lässt die Studie keine eindeutigen Schlüsse zu. «Man hat es nicht geschafft, das Ganze Phosphor-frei zu machen», sagte er dem Sender. Man müsse die Biochemie nicht neu schreiben, höchstens eine Fußnote machen. Für die US-Forscher ist ihre Entdeckung dagegen ein Meilenstein.

Die Aufregung im Internet hat sich inzwischen gelegt. Keine grünen Männchen in Sicht, aber immerhin verkündeten die Forscher eine bedeutende Entdeckung. «Und dabei hab' ich anfangs ja echt gehofft, jetzt sitzt mal so'n grünes Alien am Pressepult ... Aber auf eines kann man sich ja absolut sicher verlassen: Je größer der Hype, desto weniger steckt dahinter», schreibt ein Blogger.

news.de/dpa

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