"Team Wallraff - Reporter Undercover": Stinker, Bitch, Gesindel! DAS alles erlauben sich Vermieter

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist so angespannt wie nie. Da meint so mancher Vertreter aus der Immobilienbranche, sich alles erlauben zu können. Einer treibt es besonders wild!

Günter Wallraff deckt auf! Bild: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Günter Wallraff und sein junges Reporter-Team wollen im Zuge ihrer aufwändigen Undercover-Recherchen Missstände sichtbar machen, Menschen aufrütteln und im Idealfall für Konsequenzen sorgen. In der aktuellen Ausgabe von "Team Wallraff" am 1. Oktober 2018 widmeten sie sich der Immobilienbranche.

Diese findet sich aktuell dank stetig steigender Mieten und dem Mangel an bezahlbaren Wohnraum immer wieder in den Schlagzeilen wieder. Günter Wallraff konzentrierte sich bei seinen Recherchen unter anderem auf einen ganz besonderen Vertreter der Vermieter-Zunft...

"Team Wallraff - Reporter Undercover" und der Vermieter aus der Hölle

"Mieter in Angst" und "Wohnen im Horror-Haus", so hießen Schlagzeilen Münchner Tageszeitungen, dank denen Günter Wallraff und sein Team auf die Missstände bei einer bayerischen Immobilienfirma aufmerksam wurden. Reporter Manuel aus dem Team Wallraff wollte sich darum in die Münchner Firmenzentrale einschleusen.

Dazu belegte er einen offiziellen Ausbildungskurs zum Makler in Hamburg. Für 1300 Euro sollte er hier in einer Woche fit gemacht werden für den Immobilienmarkt. Auf 4,5 Tage Theorie folgte eine Prüfung, bei der zumindest die Hälfte der Fragen richtig beantwortet werden musste. Am Ende war Manuel geprüfter Immobilienmakler und hatte vor allem gelernt, dass es besser sei, nicht zu viel über eine Immobilie zu wissen, weil man dann den Mietern auch nichts weitergeben müsse. Beispielsweise Mängel und dergleichen.

Dann bewarb sich Manuel bei der Immobilienfirma in München. Unter deren Chef besitzt und verwaltet die Firma 500 Wohneinheiten in Münchner Bestlage. Dazu kommen noch Häuser in den Randgebieten. Und sogar ein Wohnheim für Asylbewerber vermietet die Firma in München.

Stinker, Bitch und Gesindel – Wer Wohnraum anbietet, darf sich in Deutschland offenbar alles erlauben

"Kommen Sie wegen den Drogen?", wird Manuel bei dem Bewerbungsgespräch gefragt. Nicht der einzige Moment, bei dem ihm das Lachen vergeht. Das Bewerbungsgespräch fokussiert komplett auf sein Durchsetzungsvermögen. Sein zukünftiger Chef spricht über den Job wie über einen Kampfeinsatz.

Schon an seinem ersten Arbeitstag für die Firma fällt Manuel vom Glauben ab. Mieter werden als Stinke-Mieter, Bitch, doof und gar als Wilde oder Gesindel bezeichnet. Abfällig wird jedwede Kommunikation mit den Mietern kommentiert. Im direkten Umgang mit den Mietern wird man schnell laut und gibt sich resolut. Die Mieter, so Manuels Vorgesetzter, hätten zu gehorchen. Sie müssten Respekt haben und man müsse ihnen zeigen, wer der Chef im Ring sei. Kurzum: Mieter hätten zu kuschen - immer.

Mitarbeiter der Firma drangsalieren die Mieter – Im Auftrag ihres Chefs

Die Mitarbeiter der Immobilienfirma fassen die Mieter gerne besonders hart an. Es wird jede Möglichkeit genutzt, um ihnen auf die Finger zu klopfen. Schuhe oder Mülltüten vor der Tür können zur Abmahnung führen. Auch eine Whatsapp-Gruppe gibt es, in die sich alle Mieter eintragen sollen. Hier wird angezeigt, wenn Mieter abgemahnt werden: "Wie kommen Sie dazu, Ihren Papier- und Plastikmüll ohne Mülltrennung in die Papiertonnen zu stopfen? Sehen sie sich als abgemahnt an." Eine moderne Form des Prangers...

Wer aus der Firma diesen harten Kurs nicht fährt, bekommt Probleme: So sind mehrere Mails, die einen Mitarbeiter des Unternehmens lobend erwähnen, für den Chef ein Alarmsignal und kein Lob!

Zudem haben die Mitarbeiter klare Vorgaben, wer nicht als Mieter gewünscht ist: "Keine alleinerziehenden Mütter! Die kriegt man nicht aus der Bude raus." Dementsprechend erhält ein Pärchen auch erst eine Zusage für Wohnraum, als es erklärt, dass die Frau biologisch nicht in der Lage sei, Kinder zu bekommen! Auch Kranke, Behinderte und Alte seien schwierig. Ein beliebtes Hobby, so scheint es, ist das Loswerden von Altmietern. Der Grund dafür ist einfach: Neue Mieter kann man sofort stärker zur Kasse bitten - ohne den ganzen Papierkrieg.

Günter Wallraff und ein altbekanntes Problem

Neben diesem Vermieter aus der Hölle widmete sich das Team Wallraff weiteren drängenden Fragen des heutigen Wohnungsmarktes. Es ging um überforderte technische Dienstleister und Hausmeister, gierige Großkonzerne, Diskriminierung bei Wohnungsabsagen, Wohnungsbesichtigungen als Massenveranstaltungen und die Ohnmacht der Menschen gegenüber der Situation. Darunter auch die Politikerin Katarina Barley, die sich in einem Kurzinterview reichlich resigniert zeigte.

Viel Neues, so ehrlich kann man trotzdem sein, förderte Günter Wallraff nicht zutage. Doch zumindest die Gewissheit, dass die katastrophale Lage auf dem Immobilienmarkt sogar Vermieter aus der Hölle mit ihrem absolut beschämenden Verhalten und ihren bedenklichen Praktiken durchkommen lässt, erschreckt weit über die Sendung hinaus.

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pap/news.de

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