07.06.2018, 08.30 Uhr

"Unterwerfung" in der Mediathek: Wie islamfeindlich ist die Verfilmung des Skandalromans?

Vom Roman zum Theater und nun der Film: Mit "Unterwerfung" wurde Edgar Selge auf der Bühne stürmisch gefeiert. Aber taugt der Stoff von Michel Houellebecqs Bestseller auch fürs Fernsehen? Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Film in der ARD-Mediathek finden, um mitreden zu können.

François (Edgar Selge, Mitte) überlegt bei einem Spaziergang durch die Straßen von Paris, welche Auswirkungen eine Islamisierung Frankreichs auf das gesellschaftliche Leben haben könnte. Bild: rbb/NFP/Manon Renier

Paris 2022. François (Edgar Selge) ist Literaturwissenschaftler und Trinker. Seine Beziehungen zu Frauen sind auf ein Jahr befristet, sein Leben ist ausreichend glücklich. Bis zu dem Tag, als der charismatische muslimische Politiker Mohamed Ben Abbes in Frankreich Staatspräsident wird, das Patriarchat und die Polygamie einführt und François seine Anstellung verliert. In seiner zunehmenden Vereinsamung erreicht ihn das Angebot des Rektors Rediger (Matthias Brandt), seine Lehrtätigkeit an der Sorbonne wieder aufzunehmen, unter einer Bedingung: Er muss zum Islam konvertieren.

"Unterwerfung" verpasst? Roman-Verfilmung von Michel Houellebecq bis 13. Juni in der ARD-Mediathek

Sie haben die Verfilmung des Skandalromans von Michel Houellebecq verpasst? Kein Problem. Sie können auch einen Blick in die ARD-Mediathek werfen. Dort steht der Film bis zum 13. Juni 2018 als kostenloses Video on Demand zur Verfügung.

TV-Vorschau zu "Unterwerfung" mit Edgar Selge

Zuerst tauchen immer mehr Frauen mit Kopftuch auf, später tritt der Rektor der Sorbonne in den Stand der Vielweiberei, ein Muslim wird zum Staatspräsidenten gewählt und wünscht sich weniger Wissenschaft und mehr Religion im Schulunterricht - in Michel Houellebecqs "Unterwerfung" kommt die Islamisierung auf leisen Sohlen daher. Der französische Autor beschreibt in seinem Roman den schleichenden Wandel einer Gesellschaft, die sich Schritt für Schritt dem Koran verschreibt und dann ihre Freiheit aufgibt.

Der Bestseller wurde seinerzeit als hellsichtige Zeitdiagnose gepriesen. Als Theaterstück feierte "Unterwerfung" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg als Einmann-Stück mit Edgar Selge Riesenerfolge. Nun folgt ein Film.

"Unterwerfung" inspirierte die ARD zu einem Themenabend - inklusive Diskussion bei Maischberger

Die ARD zeigte an diesem Mittwoch Houellebecqs Roman als TV-Verfilmung. Anschließend diskutierte eine Runde bei "Maischberger" ab 21.45 Uhr über das Thema. Die Neuproduktion im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) verbindet Szenen aus der Hamburger Inszenierung von Regisseurin Karin Beier mit neuen Filmsequenzen. Mal spielt Selge seinen Monolog auf der nur mit einem hohlen Kreuz ausgestatteten Bühne, mal spaziert er als Beobachter durch Paris.

Titus Selge inszeniert seinen Onkel Edgar Selge für den ARD-Film

Gedreht hat Regisseur und Drehbuchautor Titus Selge unter anderem in Hamburg, Paris und Berlin. Sein Onkel Edgar wandelt dabei durch Zeiten und Orte. Als dauermüder Literaturwissenschaftler François spielt er einen Schlaffi, dem die Frauen nicht mehr zufliegen. Und überhaupt Frauen: Dass sie wählen dürfen und sonst Karriere machen, hat François nicht wirklich verwunden.

Zumindest verspricht die Politik Aufregung. In Paris herrscht Bürgerkriegsstimmung, seltsame Explosionen erschüttern die Stadt. Marie Le Pens Front National ist auf dem Vormarsch. Nur eine Koalition von Sozialisten, Katholiken und der muslimischen Brüderschaft kann die Rechtspopulisten stoppen. Die Rechnung geht auf: Die Koalition gewinnt die Wahlen - der Muslim Ben Abbes übernimmt die Regierung.

Starker Tobak verpackt in eine finstere Dystopie

Es ist schon starker Tobak, den die ARD und die beim RBB für den Film zuständige Redakteurin von Grimme-Preisträgerin Martina Zöllner ("Mitten in Deutschland - NSU: Die Täter") zur Hauptsendezeit ins Programm nehmen. Houellebecqs Dystopie ist unumwunden einseitig, auf den ersten Blick Argumentationshilfe für "Merkel muss weg"-Rufer. Doch nur auf den ersten Blick.

Mit einer starken Dosis Ironie liefert Houellebecq die pessimistische Bestandsaufnahme einer ermüdeten Gesellschaft. Etwas mehr vom subtilen Humor des Franzosen und etwas weniger Theater-Deklamation hätte man sich für die TV-Verfilmung gewünscht. Dennoch spielt Selge diesen Enttäuschten mit überzeugender Empathie.

Lesen Sie auch: Auch so mancher Deutscher befürchtet eine Islamisierung der Gesellschaft.

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pap/kad/news.de/dpa

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