"Team Wallraff - Reporter Undercover": Pauschalurlaub-Lüge! Günter Wallraff deckt die All-inclusive-Abzocke auf!

Schlechtes Essen, Schimmel im Bad oder abgelebte Hoteleinrichtung: Oft entpuppt sich das Sorglos-Paket All-inclusive als Katastrophenurlaub. Was für Veranstalter das schnelle Geld bedeutet, ist für Urlauber der blanke Albtraum.

Günter Wallraff begibt sich mit seinen Reportern hinter die Kulissen der Urlaubsindustrie. Bild: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Wer träumt nicht gern von einer Reise raus aus dem Alltag und hinein ins Abenteuer - wenn das nur nicht immer so teuer und umständlich wäre. Da kommen Pauschalreisen wie gerufen. Zu günstigen Preisen gibt es Hotel und Flug von diversen Anbietern gleich inklusive. Allerdings hat der Urlauber hier die Qual der Wahl aus einem wahren Angebots-Dschungel das Passende für ihn zu finden. Und nicht selten klingt der Urlaub in den Reiseportalen traumhafter, als er letzthin tatsächlich ist.

"Team Wallraff - Reporter Undercover" macht den Urlaubscheck: "Pauschalurlaub - Ärger inklusive"

Das musste auch Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in der neuesten Ausgabe "Team Wallraff - Reporter Undercover" am Dienstag (RTL, 20.15 Uhr) erfahren, als er unter anderem Betroffene befragte. An seiner Seite: Mikka Bender, Experte für Pauschalreisen, und RTL-Reisereporter Ralf Benkö, der in der TV-Sendung "Urlaubsretter - Wir retten Ihren Urlaub" schon so manchem Reisenden aus der Patsche geholfen hat.

Das "Team Wallraff" hat den Check gemacht und Redakteure getarnt als Animateurin und Servicekraft in zwei Hotels in Griechenland eingeschleust. Statt azurblauem Pool und luxuriöser Hotelzimmerausstattung gibt es in den Vier-Sterne-Anlagen dreckige Toiletten, Schimmel im Badezimmer, schäbige und abgewohnte Zimmer, ein ungesichertes Loch neben dem Pool oder verschimmelte und verschleimte Orangensaftspender. Besonders dreist: Für 2000 Euro die Woche entpuppt sich der Gartenblick eines Zimmers im Labranda Kiotari Bay Hotel auf Rhodos als Blick auf eine Steinmauer - weder Garten noch Meer in Sichtweite.

Abzocke im Pauschalurlaub: Team Wallraff deckt Hygienemängel auf

Die Hotels sparen aber auch beim Essen, so das Fazit der Reporter. Statt Cola gibt es Postmix, eine Billig-Mischung aus Sirup und Wasser. Beim Alkohol sieht es nicht anders aus: Marken-Getränke, etwa Baccardi, werden durch billige Alternativen ersetzt, die nur 5 Cent pro Glas kosten statt 60 Cent. Damit jedoch nicht genug: Hygienemängel kommen noch dazu. So konnte das Team von Günter Wallraff in Zusammenarbeit mit einem Labor unter anderem Darmbakterien an der Theke nachweisen.

Doch trotz der Klagen nehmen Reiseveranstalter wie FTI derartige Hotels nicht aus ihrem Programm. Die Erkenntnis von Mikka Bender: Derartige Hotels spülen noch immer Geld in die Kassen - Beschwerden hin oder her. Darauf scheint den Wallraff-Recherchen zufolge auch das Hauptaugenmerk der Veranstalter zu liegen: In den Workshops für Reiseleiter bei TUI etwa besteht der Lehrplan zu zwei Dritteln aus Verkaufstraining. Nur sekundär geht es um das Wohl und die Betreuung der Gäste. Fazit der Redakteure: Der Urlauber wird nicht als Gast, sondern als Goldesel gesehen.

Teuer, dreckig und renovierungsbedürftig: Center Parcs im Check bei Günter Wallraff

Wer aber denkt, Pauschalurlauber werden nur im Ausland abgezockt, der irrt. Center Parcs gehört in Deutschland zu den beliebtesten Reisezielen - vor allem für Familien. Ganz billig ist der Urlaub dort aber nicht, die Einrichtung dagegen schon. Defektes Inventar, veraltete Möbel, ausgefallene Heizung, muffige verstopfte Abflüsse oder schlecht gereinigte Zimmer sind nicht selten.

Dabei ist letzteres kaum verwunderlich: Center Parcs beauftragt nicht selten externe Reinigungsdienste, wie etwa in Medebach. Die Reinigungskräfte arbeiten unter enormem Zeitdruck, wie eine verdeckte Redakteurin vom "Team Wallraff" am eigenen Leib erfährt. Die Bezahlung erfolgt pro Bungalow: Drei Leute müssen einen Bungalow binnen 15 Minuten reinigen - kaum schaffbar.

Dass die Ausstattung veraltet und renovierungsbedürftig ist, hat das französische Mutterunternehmen Pierre et Vacances zu verantworten, das auch die Preise bestimmt. Und die haben es ganz schön in sich: Eine vierköpfige Familie bezahlt für 14 Tage rund 8000 Euro. Aber die stehen in keinerlei Verhältnis zum Gebotenen.

Mikka Bender entlarvt den All-inclusive-Urlaub als "Mogelpackung"

"All-inclusive bedeutet eben gerade nicht alles inklusive, also rundum sorglos, sondern in erster Linie Massenabfertigung, fades, geschmackloses Essen und schlechten Service", so das knallharte Urteil von Mikka Bender im Interview mit "welt.de". Der Reisejournalist hat bereits 2013 ein Buch zum Thema Pauschalurlaub geschrieben mit dem desillusionierenden Titel "Die All-inclusive-Lüge. Wie Pauschalurlauber getäuscht werden".

Das All-Inclusive-Konzept beschreibt er darin schlicht als "Mogelpackung". Nicht nur, dass es den Reiseländern schadet, es täuscht auch den Urlauber, der einen gelungenen Urlaub erwartet. Werden die Erwartungen enttäuscht und statt einem Rundum-sorglos-Paket gibt es nur Ärger, reden sich die Veranstalter mit fadenscheinigen Begründungen heraus, etwa "dass die Reise so günstig war, dass man nichts anderes erwarten dürfe" oder "das Niveau des Drei- oder Vier-Sterne-Hotels sei landestypisch", so Bender.

Preise vergleichen und hinterfragen beim Pauschalurlaub

Aufpassen sollte man bereits beim Buchen des Urlaubs. Die Preise unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter häufig sehr drastisch, wie auch die Stiftung Warentest im Januar 2018 festgestellt hat. Für den identischen Urlaub nach Punta Cana in der Dominikanischen Republik für zwei Erwachsene entstanden bei zwei unterschiedlichen Anbietern Kosten von 2888 Euro und 2346 Euro - das ist eine Differenz von 542 Euro.

Aber nicht nur vergleichen lohnt, sondern auch das Hinterfragen des Preises. "All-inclusive Angebote mit Qualität sind nie ein Schnäppchen. Und die billigen Angebote, 400 Euro für eine Woche All-inclusive in der Türkei zum Beispiel, sorgen für Ausbeutung im Zielland und jede Menge Frust beim Reisekunden", erklärt Mikka Bender.

Häufiger Streitpunkt beim Thema Pauschalurlaub sind zudem die Stornokosten. Denn die Stornopauschalen, die Veranstalter verlangen, sind nicht gesetzlich geregelt und können bei kurzfristigem Reiseabbruch schon mal 90 Prozent betragen. Für die Stiftung Warentest ist das ein eindeutiger Punkt für Verbraucherunfreundlichkeit.

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kad/news.de

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