"Promis auf Hartz 4": Fürst Heinz kämpft sich nackt durch die Armut

RTL 2 will den großen Kampf der Kontraste: Bei "Promis auf Hartz 4" sollen Fürst Heinz von Sayn-Wittgenstein und seine Frau das Leben in Armut kennenlernen.

Heinz und Andrea von Sayn-Wittgenstein Bild: RTL 2

Aus Gegensätzen kann man knackige Konflikte und damit spannende Sendungen stricken, dachte sich RTL 2. Die Idee: Der Lebemann und Millionär Fürst Heinz von Sayn-Wittgenstein und seine Frau Andrea lernen vier Wochen das Leben in Armut kennen - das heißt auf Hartz 4. Die Sendung ist jetzt in der Mediathek von RTL 2 "tvnow" zu sehen.

RTL2 inszeniert Kontrast und Konflikt, wo es nur geht

Die Kontrastschiene wird von Anfang an übermäßig betont: Fürst Heinz in seiner 100qm-Mallorquiner Villa für 25 Mio Euro, innen ist gefühlt fast alles golden: Vom Wasserhahn bis zum Bilderrahmen. Allein seine Sammlung aus Dagobert-Duck-Utensilien soll 50 Mio Euro wert sein. Aber noch viel wertvoller als all das ist natürlich seine Frau Andrea, sein "Kosmos", wie er auch sagt. Und man merkt schon bei den ersten mehr oder weniger schlecht zur Schau getragenen Schaukämpfen zwischen Heinz und seiner Geliebten: Es wird nicht nur ein Ringen um den finanziellen Abstieg inszeniert, sondern auch ein Zerren zwischen den Liebenden.

Heult Fürst Heinz wirklich wegen seiner toten Katze?

Das sieht schon am Anfang reichlich gestellt aus, wenn Heinz Andrea anzickt "Du sollst nicht im Plural über uns reden!". Da dauert es auch nicht lang bis zum ersten Höhe- (oder Tiefpunkt), als die ersten Krokodilstränen beim stets leicht näselnden Heinz fließen - allerdings spricht er dabei von seiner gestorbenen Katze Kitty. Ein echter Heulanfall oder schlecht gestellt?

Heinz sieht seine Mission nicht nur im Überleben auf Hartz 4, sondern auch im Austesten von klassischen Vorurteilen: "Sind das Leute die arbeiten wollen oder nicht?" Dazu greift er selbst auch gern immer wieder in seine küchenphilosophische Sprüchekiste "Geld ist nicht wichtig, aber Spaß." Aha.

Fürst Heinz versucht sich als Zigaretten-Schmuggler

Weiter geht es im Konflikt-übers-Knie-brechen: Heinz versucht Zigaretten zu schmuggeln, obwohl die beiden weder Luxusartikel noch Bargeld oder Handy mitnehmen dürfen. Bei der Ankunft im kalten Köln läuft der Wagen nicht, Heinz verpasst die Ausfahrt und weiß nicht, was die Warnleuchten bedeuten. Stets fragt man sich: Lebt der Mann wirklich in so einer Blase oder waren die Redakteure beim Scripten besonders dreist?

Der Millionär zeigt sich gern nackt

Auffällig auch: Der 62-jährige Heinz bzw. der ihn begleitende Kameramann hat keine Scheu vor Nacktheit! So sehen wir den älteren Herren samt Runzel-Po mal bei der Vitaminspritze vom Arzt oder nach dem Aufstehen mit Plauze vor dem Waschbecken. Diese Form der Transparenz soll dann wohl von dem wenig authentischen "Sozialexperiment" ablenken. Dabei sagt Heinz noch "Wir werden authentisch sein und ziehen's durch". Tja, wer's glaubt.

Die beiden Liebenden müssen schließlich den ersten Schock verdauen - in der neuen Bude gibt es keine Möbel. Andrea verletzt sich bei irgendwas und brüllt Heinz an "halt bitte die Luft an", dann geht es fließend vom Weinen ins Lachen über... so ähnlich fühlt man sich dann auch als Zuschauer.

Fürst Heinz: "Alle halten zusammen, finde es richtig geil"

Das Fürstenehepaar lernt Büdchenbesitzerin Margrit kennen, handelt im Sozialkaufhaus, kauft Klopapier und hat auch schon die ersten Einsichten über die Menschen, in deren Leben sie eintauchen sollen. "Man hilft sich, alle halten zusammen, finde es richtig geil."

Fazit: Schlecht gestellt und wenig spannend. Der Erkenntnisgewinn dürfte bisher weder für Heinz noch den Zuschauer besonders hoch sein. Aber vielleicht qualifiziert sich das Luxuspärchen ja für das RTL-Dschungelcamp - DAS wäre vielleicht das bessere Experiment in Sachen Verzicht und Askese.

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gma/news.de

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