Tatort: So wird der "Tatort: Waldlust" aus Ludwigshafen

Nach dem umstrittenen "Tatort: Babbeldasch" versucht sich Regisseur Axel Ranisch erneut an einem Lena-Odenthal-Krimi. In "Waldlust" korrigiert er zwar die gröbsten Schnitzer aus seiner ersten Inszenierung, bleibt aber dennoch seiner Linie treu.

Ulrike Folkerts (M.) in ihrem neuesten "Tatort" Bild: SWR/Martin Furch/spot on news

Nach 22 Jahren an der Seite von Mario Kopper alias Andreas Hoppe (57) geht Lena Odenthal alias Ulrike Folkerts (56) nun im neuesten "Tatort: Waldlust" aus Ludwigshafen wieder ihren eigenen Weg. Und in Fall eins nach Kopper schnappt sich die Kommissarin ihr übrig gebliebenes Team und fährt erstmal in den Schwarzwald. Von der Außenwelt abgeschnitten, muss sie sich in einem mysteriösen Hotel mit noch mysteriöseren Geschehnissen auseinandersetzen. "Lustvoll-schauerlich für die Ermittler und das Publikum" soll es laut dem verantwortlichen SWR werden. Ob das Kammerspiel-ähnliche Stück dieses Versprechen halten kann?

Darum geht's

Zum Coachingwochenende fahren Lena Odenthal und ihre Kollegen in ein abgelegenes Hotel mitten im Schwarzwald. Schon bei der Ankunft wird klar, warum man das Hotel so günstig bekommen hat: Dessen guten Tage sind definitiv vorbei. Ein Betreiber wirkt ausgesprochen abweisend, die andere dafür überaus beflissen. Eine hauseigene Diva gibt es auch: die als Dauergast durchs Hotel geisternde alte Schauspielerin Lilo Viardot. Zwar lassen sich die Kommissare von den Seltsamkeiten zunächst nicht schrecken. Als sie aber im Abendessen einen menschlichen Knochen finden, ist ihre Neugier geweckt.

Von dem ortsansässigen Polizistenpärchen erfahren sie, dass Hotelbetreiber Humpe wegen Mordes an seiner Schwägerin zwölf Jahre im Gefängnis war. Die Kommissare lassen das Coaching Coaching sein und konzentrieren sich auf die Suche nach Indizien. Hat jemand sie mit Absicht in den Lorenzhof gelockt? Und gibt es tatsächlich einen unaufgeklärten Mordfall? Während draußen ein Schneesturm das Hotel von der Welt abschneidet, ermitteln Odenthal und ihr Team in einem Fall, der immer mysteriöser und gruseliger wird.

Lohnt sich das Einschalten

Eigentlich nicht. Die Lena-Odenthal-Krimis versuchen sich in der letzten Zeit immer mehr mit experimentellen "Tatort"-Inszenierungen ein Alleinstellungsmerkmal zu erschaffen. Dieser Richtungswechsel soll auch ein Mitgrund dafür gewesen sein, dass sich die Wege des SWR und Andreas Hoppe getrennt haben. Mit dem komplett improvisierten und mit Laiendarstellern besetzten "Tatort: Babbeldasch", der in Mundart vor rund einem Jahr viel Kritik einheimste, soll der Schauspieler bereits im Vorfeld seine Probleme gehabt haben. Jetzt inszenierte erneut Regisseur Axel Ranisch seinen zweiten Krimi mit Odenthal und bleibt dabei logischerweise seiner Linie treu.

Erneut handelt das komplette Geschehen im Prinzip an nur einem einzigen Ort, erneut wird mit Improvisations-Elementen (es gab keine vorgegebenen Dialoge) gearbeitet. Gott sei Dank in diesem Fall wenigstens ohne Laien-Darsteller und Dialekt. Auch wussten die Schauspieler wieder selbst nicht, wer am Ende der Mörder war. Heraus kam ein Krimi, der dank des eindrucksvollen Settings zwar an der ein oder anderen Stelle tatsächlich ein leichtes Schaudern hervorruft, unter dem Strich aber keine Horror- oder Psychothriller-Fans hinter dem Ofen hervor locken wird. Und auch der typische "Tatort"-Zuschauer wird mit der zwar mutigen, aber eben sehr eigenwilligen Inszenierung so seine liebe Not haben.

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