Devid Striesow: "Mord Ex Machina": So wird der Neujahrs-"Tatort"

Der Tod aus der Maschine - in diesem Fall ein selbstfahrendes Auto - klingt nach einem spannenden Thema. Das hätte es sicher auch werden können.

Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) ist bei seinen Ermittlung ebenfalls auf digitale Technik angewiesen - was ihm zunehmend widerstrebt Bild: SR/Manuela Meyer/spot on news

"Mord Ex Machina" ist Devid Striesows (44, "Traumland") vorletzter "Tatort", und ganz so, als wolle man noch so viel wie möglich aus seiner Rolle als Jens Stellbrink rausholen, gehört diese Folge ganz ihm. Seine Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) kommt kaum vor, und dank einer Hackerin kommen einige Geheimnisse über den Ermittler ans Licht - manches amüsant, anderes tragisch. Doch das Hauptthema ist die Digitalisierung, die nicht zum ersten Mal im Zentrum eines "Tatort" steht. Also macht der Film ein selbstfahrendes Auto zur Tatwaffe - nur um diesen Aspekt komplett aus den Augen zu verlieren.

Darum geht es

Ein autopilotiertes Fahrzeug ist vom Parkdeck einer Firma gerast, mit dem Anwalt des Unternehmens (Nikolai Kinski) an Bord, der den Sturz nicht überlebt - trotz ausgeklügelter Technik hat sich der Airbag nicht ausgelöst. Zunächst sieht alles nach Selbstmord aus. Doch wie sich herausstellt, wurden die Computer der Firma, die auf das Sammeln von digitalen Daten spezialisiert ist, in der gleichen Nacht gehackt - die fehlenden Daten betreffen das selbstfahrende Auto. Stellbrink nimmt den Chef des Start-ups mit dem ironischen Philosophen-Namen Rousseau (Steve Windolf) und die Hackerin Natascha Tretschok (Julia Koschitz) ins Visier.

Stellbrink, der gläserne Mensch

So sehr wie im wahren Leben polarisiert das Thema der selbstfahrenden Autos im Speziellen und der digitalisierten Gesellschaft im Allgemeinen auch im Film: Wo der Kriminaltechniker sich angesichts des "fahrenden Computers" mit leuchtenden Augen in "Zurück in der Zukunft 4" wähnt, ist Stellbrink die Digitalisierung alles andere als geheuer. Am Ende wirft er gar sein Smartphone aus dem Fenster und steigt auf Tastenhandy und vertraut analogen Faltstadtplan um.

Diese kleine Revolution gegen die Technik hat ihren Grund, denn eine der Verdächtigen im Fall hat sich mit den Waffen einer Hackerin gewehrt und privateste Details über Stellbrink ausgegraben. Sein Profil auf einem Datingportal an sämtliche Kollegen zu schicken, war nur ein Warnschuss: Andere Erkenntnisse wie die Tatsache, dass er Epileptiker ist, könnten den Kommissar seinen Job kosten.

Doch schon bevor die freche Hackerin Stellbrink in die digitale Mangel genommen hat, stand der Ermittler der Technik, die sich ihm bot, äußerst skeptisch gegenüber. "Scheiß-Computer!" entfährt es ihm während der Ermittlungen. "Wie soll man was rausfinden, wenn keiner mehr irgendwas macht, wenn alle nur noch irgendwelche Buttons klicken?" Er spricht einigen Zuschauern sicher aus der Seele. Doch über eine Grundsatzdiskussion über die Tücken der Technik, wie sie schon seit Jahren Stammtisch-Standard ist, geht der Film leider nicht hinaus.

Lohnt das Einschalten?

Um Devid Striesow noch einmal als "Tatort"-Ermittler zu sehen schon - diese Gelegenheit gibt es danach nur noch einmal im Jahr 2019 in "Der Pakt". Ansonsten ist diese Folge kein Pflichtprogramm. Das Schreckgespenst der Digitalisierung wurde bereits in dem Stuttgarter Fall "Hal" verarbeitet, und in "Mord Ex Machina" hat man die Gelegenheit, dieses breite Thema auf autopilotierte Fahrzeuge zu kondensieren, verschenkt. In einer Zeit, in der das Auto für Terroristen längst zur Waffe geworden ist, wäre da mehr drin gewesen.

Schade auch, dass sich die Interaktion zwischen den Ermittlern Stellbrink und Marx auf ein Minimum beschränkt. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Stellbrink und der Hackerin Natascha tröstet darüber noch hinweg - über die leistungsschwache Story leider nicht.

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