"Tatort" aus Weimar: Vor DIESEN "Tatort"-Kommissaren müssen sich Börne und Thiel fürchten

Im "Tatort: Der wüste Gobi" sind die Kommissare Lessing und Dorn auf der Suche nach dem entflohenen "Würger von Weimar". Darum lohnt sich das Einschalten.

Der "Tatort: Der wüste Gobi" mit (v.l.): Kira Dorn (Nora Tschirner), Gobi (Jürgen Vogel) und Lessing (Christian Ulmen) Bild: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau/spot on news

Der "Tatort: Der wüste Gobi" ist der diesjährige Weihnachtskrimi der Reihe und läuft am zweiten Weihnachtsfeiertag (26.12.) um 20:15 Uhr im Ersten - am Sonntag (24.12.) läuft kein "Tatort", stattdessen zeigt das Erste um 20:15 Uhr "Die Feuerzangenbowle" (1944). Worum es im Weimar-Krimi am Dienstag geht und warum er so sehenswert ist, erfahren Sie hier.

Das ist die Story

Für die Weimarer Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner, 36) und Lessing (Christian Ulmen, 42) beginnen turbulente 24 Stunden, als der dreifache Frauenmörder Gobi (Jürgen Vogel, 49) fünf Jahre nach seiner Verurteilung aus der forensischen Psychiatrie ausbricht. Er hinterlässt eine erwürgte Krankenschwester. Noch in derselben Nacht wird auch die Ehefrau von Professor Eisler (Ernst Stötzner, *1952), Chefarzt der Psychiatrie, tot im eigenen Bett aufgefunden. Gobi scheint auf einem Rachefeldzug zu sein. Auf der Jagd nach dem "Würger von Weimar" stoßen die Kommissare nicht nur auf seine Vorlieben für Frauen und selbstgestrickte Unterwäsche.

Die Ermittlungen führen Dorn und Lessing auch zu seiner eifersüchtigen Verlobten Mimi Kalkbrenner (Jeanette Hain), die Gobi möglicherweise zur Flucht verholfen hat. Als nach und nach Indizien auftauchen, die Gobis Täterschaft infrage stellen, gerät Professor Eisler ins Visier der Ermittlungen. Handelt es sich bei den jüngsten Morden etwa um einen "klassischen Trittbrettwürger"?

Lohnt sich das Einschalten?

Auf jeden Fall! Es ist der perfekte "Weihnachts-Tatort", obwohl der Krimi nichts mit den Feiertagen zu tun hat. Doch allzu viel künstlich erzeugter Weihnachtsbezug kam bei den Zuschauern ohnehin nie so richtig gut an. Dafür ist es dieses Mal kurzweilige Unterhaltungskunst. Den Filmemachern ist eine geniale Mischung aus Witz und Grusel gelungen. Sowas beherrschen sonst vor allem die Münsteraner Kollegen um Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl). Doch die bekommen dieses Mal knallharte Konkurrenz aus Weimar.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was einen in den kommenden eineinhalb Stunden erwartet, gibt tatsächlich schon das Intro mit Nudelsuppe. Dass der Krimi so gelungen ist, liegt sicherlich auch daran, dass der MDR für diesen fünften Lessing-Dorn-Fall erstmals den Krimikomödienspezialist Ed Herzog (52) verpflichtete. Er führt auch bei den Rita-Falk-Romanverfilmungen Regie: "Dampfnudelblues" (2013), "Winterkartoffelknödel" (2014), "Schweinskopf al dente" (2016), "Grießnockerlaffäre" (2017) und "Sauerkrautkoma" (Kinostart: 26. Juli 2018).

Der Wortwitz und die genialen Dialoge, die Tschirner, Ulmen, allen anderen Schauspielkollegen und vor allem auch Episodenhauptdarsteller Jürgen Vogel wie auf den Leib geschneidert sind, stammen wie bei jedem vorigen Weimar-"Tatort" von den Drehbuchautoren Murmel Clausen (44, " jerks.", "Ladykracher", "Bullyparade") und "Tatort"-Spezialist Andreas Pflüger (60, Er verfasste bereits 24 Sonntagskrimi-Drehbücher)... Kleine Kostprobe gefällig? "Fahr mal links." - "Das andere Links." - "Ja, aber wart's mal ab: Dreimal rechts ist auch links."

Und auch die thüringische Stadt gibt erneut eine interessante Kulisse ab. Die ungewöhnlichen Schauplätze sind aber nicht der einzige Blickfang. Einige Aufnahmen in guter alter Edgar-Wallace-Filme-Manier sind herrlich unheimlich. Geradezu poetisch sind dagegen die rauchenden Schlote im Zeitraffer. Und besonders hübsch anzusehen, ist Nora Tschirners nacktes Bäuchlein - auch wenn man das nach dem großen Erfolg ihrer Anti-Schönheitswahn-Doku "Embrace - Du bist schön" (2016) vermutlich nicht mehr schreiben darf.

Die gesellschaftliche Relevanz kommt in diesem "Tatort" übrigens ebenfalls nicht zu kurz. Denn bei all den unterhaltsamen Szenen schwingt doch auch eine gute Portion Kritik am Umgang mit psychisch kranken und psychisch labilen Menschen mit, dem Einsatz von Psychopharmaka sowie an den Halbgöttern in Weiß. Apropos: Das Gespräch zwischen Kommissarin Dorn und dem Arzt in der Psychiatrie gehört zu den Highlights im Film. Alles in allem kann man den "Tatort: Der wüste Gobi" durchaus als den besten der bisherigen Weimar-Reihe bezeichnen. Und wer "Münster" mag, wird diesen Krimi lieben!

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