Eine Braut kommt selten allein: "Eine Braut kommt selten allein": Sido als romantischer Held

Wer hätte zu Beginn von Sidos Karriere gedacht, ihn einmal in einer ARD-Komödie zu sehen? Doch tatsächlich ist der Rapper eine naheliegende Wahl für die Hauptrolle in "Eine Braut kommt selten allein". Wir verraten, ob sich das Einschalten lohnt.

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Vom Rüpel-Rapper zum Hip-Pop-Star zum - Rom-Com-Helden? Sido (37, "Blutzbrüdaz") einmal in einer ARD-Komödie zu sehen, wäre zu Beginn seiner Karriere fast undenkbar gewesen. Doch genau das ist in "Eine Braut kommt selten allein" (am 6.12. um 20:15 Uhr im Ersten) nun der Fall. Paul Würdig, so der bürgerliche Name, den Sido als Schauspieler verwendet, verliebt sich als Hartz-VI-Empfänger Johnny in die Romni Sophia, die prompt ihre Großfamilie ins Haus holt. Und fertig ist der Culture-Clash.

Multi-Kulti ist Trend, und mittlerweile funktioniert ein sensibler Umgang mit anderen Kulturen und Religionen auch in Mainstream-Komödien. Dass Sinti und Roma in dieser Hinsicht immer noch stiefmütterlich behandelt werden, zeigten zuletzt der französische Klamauk "Hereinspaziert", in dem eine Roma-Familie zur Karikatur verkam, und der SWR-Kinderfilm "Nellys Abenteuer", der sich ebenfalls dem Rassismus-Vorwurf stellen musste. Der vom RBB produzierte "Eine Braut kommt selten allein" will zeigen, wie es besser geht.

"Ich will diese Trennung gar nicht haben"

Zum einen hat der Film in Würdig einen guten Botschafter für das Thema gefunden, denn der Berliner hat mütterlicherseits selbst Sinti-Wurzeln. Der Film handelt zwar von Roma, und Würdig selbst spielt den Deutschen, doch von solchen Kategorisierungen will Würdig ohnehin nichts wissen. "Ich komme aus einer Roma- und Sinti-Familie. Egal wen ich frage aus der Familie, höre ich immer was anderes, was wir sind. Ich bin jedenfalls Zigeuner. Auch wenn Leute mir diesen Ausdruck übel nehmen, ich brauche ein Wort, das Sinti und Roma verallgemeinert. Ich will diese Trennung gar nicht haben", sagte er dem RBB.

Obwohl der Film sich sichtlich um ein differenziertes Bild einer Kultur bemüht, die in Deutschland nach wie vor an den Rand geschoben wird, wird auch Vorurteilen Futter gegeben. Wenn es nötig ist, bettelt, stiehlt oder lügt die Familie (die ebenfalls von Roma gespielt werden) auch mal. Würdig war es wichtig zu zeigen, "dass diese Leute familiär und loyal sind", wie er der "Märkischen Allgemeinen" sagte, doch auch die negativen Aspekte sollten nicht ausgeklammert werden. "Wir halten da nicht hinter dem Berg. Aber es wird auch erklärt, warum das so ist, und das finde ich spannend." Ob das zum aktuellen Zeitpunkt zur besseren Verständigung beiträgt, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Lohnt das Einschalten?

Pflichtprogramm sieht anders aus. Zu oft tritt auch "Eine Braut kommt selten allein" noch in die Klischee-Falle, denn die riesige Sippe (samt zwei Hühnern) kommt natürlich in einen einzigen Bus gezwängt angereist und ist von da an vor allem laut. Der Film mag einen großen Schritt nach vorne machen, doch beim Thema Sinti und Roma bleibt weiterhin viel Luft nach oben. Punkten kann der Film mit überraschend warmen Momenten, wenn zum Beispiel ein ganzes U-Bahn-Abteil Sophia für ihren Asylantrag coacht. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen ebenfalls: Michelle Barthels quirlige Art ist ein perfekter Gegenpart zu Sido, der den überforderten Johnny mit überraschendem Understatement spielt. Eine anständig gespielte Komödie mit einigen Lachern - keine schlechte Unterhaltung für den Nikolausabend.

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