31.10.2017, 15.45 Uhr

"Zwischen Himmel und Hölle" als Wiederholung:     "Die Welt ist aus den Fugen" - Nonne Ottilie will nicht "den Schwanz einziehen"

Martin Luther (Maximilian Brückner) kniet auf einer geschäftigen Straße - und betet. Bild: ZDF/Hardy Brackmann

So darf eine gestrenge Äbtissin (Johanna Gastdorf) angeblich besessene Schwestern martern, und die soeben aus deren Kloster entfleuchte Ottilie sagt erstaunlich selbstbewusst: "Ich soll schon wieder den Schwanz einziehen?". Ansonsten wird viel gesungen und gegessen, gebetet und geflucht - hier und da ertönt auch ein "Halte ein" oder "Wer da?". Zitate wie "Ihr könnt uns beugen, aber nicht brechen" und "Die Welt ist aus den Fugen" werden Luther oder Müntzer in den Mund gelegt - ob sie's wirklich jemals gesagt haben?

Christoph Maria Herbst überzeugt als Lukas Cranach

Regisseur Uwe Janson hat überwiegend in stimmiger Kulisse in Prag gedreht. Bei der Besetzung ist ihm nicht durchweg alles gelungen - zum Beispiel Christoph Maria Herbst als Lucas Cranach und Frida-Lovisa Hamann als Katharina von Bora. Aber er hat insgesamt gute Schauspieler aufzubieten, die versuchen, ihren Figuren Tiefe zu verleihen - was insbesondere Jan Krauter gut gelingt.

"Zwischen Himmel und Hölle" - Martin Luther als volksnaher Popstar

Luther wirkt stellenweise fast wie ein volksnaher Popstar. Maximilian Brückner sagte in einem ZDF-Interview, ihm sei wichtig gewesen, "ihn am Anfang zu zeigen, wie er ganz bei sich ist und sich auch immer mehr in diesem Wahnsinn von Politik, Kriegen, Glaube und Kirche verliert."

Brückner spielt die nahezu ständig präsente Hauptfigur mit viel Temperament und Leidenschaft - und macht Luthers Verachtung für die Dekadenz, Raffgier und Verschwendungssucht der Kirchenoberen klar deutlich.

Für Luther ist ein Kardinal genauso wie ein Schweinehirt

Auch, dass Luther sich als irrenden Sünder sah, mit Ängsten, Fehlern und Heimsuchungen, bleibt nicht verborgen. Auch nicht, dass er nie die Kirche als Ganzes, in Frage stellte, sondern manche ihrer Positionen wie den Ablasshandel - die Vergebung der Sünden gegen Geld - und das Zölibat. Luther bezeichnet sich im Film als Mann, der seinem Gewissen verpflichtet und nicht ungehorsam, sondern vielmehr genau gewesen sei. Und er sagt: "Für mich ist ein Kardinal genauso ein einfacher Mensch wie ein jeder Schweinehirt".

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gea/kad/news.de/dpa

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