09.10.2017, 12.14 Uhr

"Tatort: München": Hardcore-Hammer! Porno-"Tatort" zu gefährlich für Jugendliche?

Im Münchner "Tatort" gab es am Sonntagabend explizite Szenen und bisweilen extrem fordernde Dialoge zu sehen. Darf man das zur besten Sendezeit im TV ausstrahlen? Ein Psychologe warnt vor den Folgen.

Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer). Bild: BR/Hagen Keller,

Im Jahr 2011 durfte die Münchner Polizeiruf-Folge "Denn sie wissen nicht, was sie tun" nicht um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt werden.In der Folge wurde ein Bombenattentat dargestellt - zu viel für den Bayrischen Rundfunk (BR). "Die Vielzahl der schrecklichen Bilder nach dem Selbstmordattentat im Tunnel und die durchgängig gehaltene Spannung, durch die Angst vor einem weiteren Attentat, sind für Kinder als problematisch anzusehen.", erklärte die damalige Jugendschutzbeauftragte des BR, Dr. Sabine Mader.

"Tatort" aus München: Fast 10 Millionen sehen "Hardcore" im Ersten

Am Sonntag (8. Oktober 2017) landete das Erste mit dem "Tatort: Hardcore" aus München auf dem zweiten Platz: Im Schnitt 9,12 Millionen Zuschauer verfolgten, wie die Kommissare Batic und Leitmayr diesmalin der Münchner Pornofilmszene auf Mörderjagd gingen. Der Marktanteil lag bei 25,5 Prozent. Zu sehen gab es explizite (Nackt-)Szenen. Ein 20.15 Uhr-Verbot gab es dieses Mal nicht. Trotz Porno-Kontexts lief der Schmuddel-"Tatort" zur besten Sendezeit.

"Tatort: München": Weshalb wurden DIESE Ekel-Szenen gezeigt?

Warum durften die Ekel-Szenen gezeigt werden? Hatten die Verantwortlichen keine Bedenken bei Dialogen wieder Obduktion der Leiche, bei der nach Spermaspuren gefragt wurde und dem Zuschauer als Antwort entgegen donnerte: "Die meisten im Magen. Da haben wir wohl über zwei Dutzend verschiedene Sorten." Oder als den KommissarenBatic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ein Planschbecken vorgeführt wurde, das ein Gemisch aus Sperma und Urin enthalten sollte.

Kann man Dialoge wie: "Du stehst hier und kriegst einen geblasen. Du leckst ihr die Muschi", oder "Ich hab da 'nen Typen mit 'nem schönen Schwanz, der den jetzt schon 'ne halbe Stunde steif gehalten hat.", wirklich vor einem Millionenpublikum zeigen? Laut BR sind Fetisch-Pornos und Gruppensexpartys offensichtlich kein Problem: "Die Altersfreigabe ab 12 Jahre begründet sich darin, dass der Film das Pornogeschäft und den Pornokonsum in seiner Gesamtaussage als nicht erstrebenswert darstellt.", zitiert die "Bild" den Sender. In der ARD-Mediathek wird "Hardcore" erst ab 20 Uhr als Wiederholung zu sehen sein. 

Hardcore-"Tatort" am Sonntagabend: Experte sieht Gefahren für Jugendliche

Keine Frage, der Sonntags-"Tatort" ist mehr als ein beliebiger 0815-Krimi, versucht seit jeher auch ein Spiegel der Gesellschaft zu sein, an die Grenze zu gehen. Doch wurde sie dieses Mal überschritten? Psychologe Albert Wunsch erklärte gegenüber der "Bild": "Wenn junge Menschen von verantwortlichen Eltern erzogen wurden, können die Praktiken und Dialoge aus diesem "Tatort" sie verstören". Hatten Jugendliche derweil bereits "Zugang zu pornografischen Inhalten", könne der "Tatort" laut Wunsch als offizielle Bestätigung herhalten.

Schaltet sich da der Rundfunkrat noch einmal ein?

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rut/kad/news.de/dpa

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