22.02.2017, 16.30 Uhr

"Katharina Luther" als ARD-Wiederholung: War die Frau von Luther eine Heldin ohne Makel?

Im Film "Katharina Luther" ist das Kloster kein Ort der Bildung und Frömmigkeit, sondern der Finsternis. Inspiriert von Martin Luther ergreift eine Nonne die Flucht. So sehen Sie den Streifen als Wiederholung.

Das Kloster ist für Katharina Luther ein Gefängnis. Die Reformation bedeutet für sie Freiheit. Katharina (Karoline Schuch) kämpft gegen die alltäglichen und geistlichen Zwänge, denen sie als Klosterfrau unterworfen ist. Der historische Film "Katharina Luther", an diesem Mittwoch im Ersten zu sehen, erzählt die Geschichte einer Befreiung.

Die spätere Frau des Reformators Martin Luther ist in der Vergangenheit schon oft idealisiert und manchmal auch verteufelt worden. Katharina von Bora (1499-1552), wie sie bis zur Heirat hieß, war die erste Pfarrfrau der Geschichte und diente über Jahrhunderte als Rollenmodell. Allerdings sind nicht allzu viele Fakten aus ihrem Leben verbrieft. Das gibt den Filmemachern Freiraum für eigene Akzente.

"Katharina Luther" verpasst? Wiederholung im TV und in ARD-Mediathek online

Falls Sie "Katharina Luther" am Mittwochabend verpasst haben oder Sie den Film mit Karoline Schuch nochmals sehen wollen, schauen Sie ihn einfach als Wiederholung. Im TV zeigt die ARD"Katharina Luther" in der Nacht zum Donnerstag, 23.02.2017, nochmals. Bei ARD One läuft der Film am Samstag, 25.02.2017, um 20.15 Uhr als Wiederholung. Sie können "Katharina Luther" nach der TV-Ausstrahlung jederzeit auch als Online-Wiederholung in der ARD-Mediathek sehen.

"Katharina Luther": Lohnt sich das Einschalten?

Die Kontraste sind stark. In der Eingangsszene hüpft Katharina als kleines Mädchen vergnügt auf dem Pflaster herum. Dann wird sie von ihrem Vater ins Kloster gebracht. Die Türen schließen sich hinter ihr, alles Weinen und Wehren nützt ihr nichts. Nonnengesang setzt ein, die Klosterfrauen bewegen sich wie Marionetten im Gleichtakt.

Jahre später bekommt sie als junge Nonne ein eingeschmuggeltes Exemplar von Luthers Schrift "Von der Freyheith eines Christenmenschen" in die Hände. Sie flieht aus dem Kloster, Helligkeit und Harmonie kehren zurück. Katharina geht in der Morgensonne barfuß über eine Wiese, während ihr die ebenfalls geflüchteten Nonnen zulächeln.

"Katharina Luther" im Ersten: Eine Heldin ohne Makel?

Luthers Judenhass, das wohl schwierigste Vermächtnis des Reformators, kommt im Film nur am Rande zur Sprache. Einmal klagt er, die Juden ließen sich nicht bekehren. Und später, nach dem Tod seiner geliebten Tochter Magdalena, ist er sich sicher: "Es waren die Juden, die jüdischen Ärzte! Die Juden hassen Christus!" In einem Tobsuchtsanfall bricht er zusammen. Katharina richtet ihn ein weiteres Mal auf, sie legen gemeinsam Blumen ans Grab der Tochter. Aber anders als beim Thema Bauernkrieg wird bei ihr keine abweichende Haltung zu den Juden erkennbar. Wobei auch das unhistorisch wäre.

Der im Film nicht thematisierte letzte Brief Luthers an seine Frau legt nämlich nahe, dass sie seinen Judenhass durchaus teilte. Kirchenhistoriker Kaufmann ist der Ansicht, "dass beide sich in obsessiver Judenfeindschaft einig waren". In "Katharina Luther" bleibt die Heldin ganz ohne Makel - fast wie eine Heilige.

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rut/sam/news.de/dpa

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