"Mörderische Stille"-Wiederholung in der ZDF-Mediathek: TV-Kritik zu "Mörderische Stille" am 9. Januar im ZDF: Lohnt sich das Einschalten?

Hauptkommissar Holzer (Jan Josef Liefers, l.) nimmt im Hafen von Wilhelmshaven die Ermittlungen auf. Bild: ZDF/Gordon Timpen

Autor und Regisseur Friedemann Fromm hat einen psychologisch spannenden Politkrimi geschrieben und gedreht, bei dem einem der Kosovo-Krieg beängstigend nahe gebracht wird. Es entspinnt sich ein Drama um Schuld und Sühne, und ganz allmählich wird außerdem ein schreckliches Familiengeheimnis enthüllt. Jan Josef Liefers kann hier als traumatisierter Kommissar, der ein gehöriges Päckchen mit sich herumträgt, eine ungewohnt sanfte Seite zeigen, samt gehöriger Ernsthaftigkeit und einiger Melancholie. "So sauber und ordentlich geknotet", murmelt er angesichts des Tuches, in das die Leiche gewickelt ist.

Friedemann Fromm (53, "Weissensee") hat bei einem Segeltörn einen Skipper und ehemaligen Elite-Soldaten kennengelernt, der ihm viel über moralische Dilemmata aus dem Kosovo erzählt hat, die er während seiner Stationierung dort zur Aufklärung von Kriegsverbrechen erlebt hat. Er habe dabei auch über die Frage von Schuld und ungesühnten Verbrechen philosophiert, sagte Fromm im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Diesen Mann fand ich sehr spannend, weil er große Zweifel an der Sinnhaftigkeit seines damaligen Tuns bekommen hat. Das Thema liegt zwar etwa 16 Jahre zurück, aber es ist ja nicht vom Tisch, es ist sogar hochaktuell."

Regisseur Friedemann Fromm über "Mörderische Stille": Schuld hat sich globalisiert

Auch Schuld habe sich mittlerweile globalisiert, sagt Fromm: "Das zeigt sich am Missbrauch von Frauen durch Soldaten in Afrika und anderswo, und an vielem mehr." In seinem Film gehe es um das Motiv der Schuld. "Denn sie holt die Menschen ein, wenn sie nicht irgendwann beleuchtet und aufgeklärt wird. Und dann kann sie eine ganze Familie zerstören. Auch das steckt ja in dieser kleinen und sehr persönlichen Geschichte." Sein ernster und sorgfältig recherchierter Film ist starker Tobak. Immerhin bietet er zumindest einige wenige witzige Dialoge: "Ihr Chef ist ein Arschloch." - "Aber er ist gut im Bett" oder "Muss es denn unbedingt Mozart sein? Gibt's nicht was weniger Schwules?"

Letzteres sagt alles die kratzbürstige Amal Catack, die ohnehin ein loses Mundwerk hat. Sie wird von Ivan Anderson sehr authentisch gespielt, was man unbedingt auch von der großartigen Sylvie Testud ("Jenseits der Stille") in ihrer ersten Hauptrolle in einem deutschen Fernsehfilm sagen muss. In ihrem Gesicht spiegelt sich viel verzweifelte Sehnsucht, und ihr geheimnisvoller Blick jagt einem so manchen Schauer über den Rücken. Zwischen ihrer Elena und Jan Holzer sind von Anfang an besondere Schwingungen spürbar.

"Ich wollte menschlicher sein als der Krieg", sagt Kühnert am Ende des Filmes. Das ist natürlich genauso wenig möglich wie ein gerechter Krieg - und eine Versöhnung nach so vielen Jahren. "Das ganze Leben ist wie Krieg, das bedeutet, dass man grausam sein muss. Einer muss immer bezahlen, sonst kommt nichts ins Gleichgewicht", fügt er noch hinzu. Das wiederum könnte gut möglich sein.

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lid/sam/news.de/dpa

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