Harald Krassnitzer: Ann-Kathrin Kramer über ein "zutiefst grausames Gefühl"

Ann-Kathrin Kramer ist Schauspielerin, aber auch Mutter. Was es für sie bedeutet hat, die Rolle jener Frau im Drama "Die kalte Wahrheit" zu übernehmen, die ihren Sohn verliert, erklärt sie im Interview.

"Die kalte Wahrheit" (23.3., 20.15 Uhr, ZDF): Ann-Kathrin Kramer als Frau Dombrowski

Bild: ZDF/Martin Valentin Menke/spot on news

Im Drama "Die kalte Wahrheit" (23. März um 20:15 Uhr im ZDF) spielt Ann-Kathrin Kramer (48) "Frau Dombrowski", deren jugendlicher Sohn auf einer Landstraße überfahren wird und stirbt. Weil die Autofahrerin, Dr. Helen Liebermann (Petra Schmidt-Schaller), nicht locker lässt, kommen die wahren Hintergründe ans Licht. "Spannender als so mancher Krimi", sagt Kramer über den Film. Und damit dürfte sie sich auskennen, denn im wahren Leben ist die Schauspielerin seit 2009 mit dem Austro-"Tatort"-Kommissar Harald Krassnitzer (54) verheiratet, mit dem sie zuvor bereits viele Jahre lang liiert war. Wie Frau Dombrowski ist auch Kramer Mutter: Sie und Krassnitzer leben mit ihrem 1997 geborenen Sohn aus einer früheren Beziehung teilweise in ihrer Heimatstadt Wuppertal, teils in seiner Wahlheimat Tirol. Warum die Schauspielerin die Rolle trotz der Parallelen übernehmen konnte, erklärt sie im Interview mit spot on news.

"Die kalte Wahrheit" erzählt eine wahre Begebenheit. Was bedeutet das für Sie als Schauspielerin?

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Ann-Kathrin Kramer: Dass die Geschichte wahr ist, interessiert mich in erster Linie nicht als Schauspielerin, sondern als Mensch. Ein Film bekommt dadurch aber natürlich eine ganz andere Authentizität. Ich versuche allerdings, jede Rolle wahr werden zu lassen, aus jeder Geschichte eine wahre zu machen.

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Video: spot on news

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Kramer: Ich habe mich nicht mit der Mutter getroffen, deren Sohn gestorben ist. Bei manchen Rollen macht das natürlich Sinn, in diesem Fall aber hätte ich das Gefühl gehabt, ich würde mich am Schmerz eines Menschen bedienen.

Sie sind selbst Mutter. Wie erträgt man den Gedanken an ein totes Kind?

Kramer: Das war natürlich ein Kraftakt, weil ich ein Gefühl herstellen musste, das zutiefst grausam ist. Im Prinzip muss ich mich zu einer leeren Hülle machen, in die "Frau Dombrowski" dann einzieht. Alles andere hat mit Schauspiel nichts zu tun - und ist auch ganz schlecht für die Seelenhygiene. Dennoch kommt man da durchaus an seine Grenzen.

Haben Sie gleich zugesagt?

Kramer: In der Geschichte kommt ein Junge ums Leben, der ein ähnliches Alter hat wie mein Junge. Als ich das Angebot bekam, habe ich mir tatsächlich als erstes überlegt, ob ich mir zutraue, das trennen zu können. Zugesagt habe ich erst, als ich mir dessen sicher war.

Was halten Sie von Selbsthilfegruppen für die Trauerbewältigung?

Kramer: Ich bin froh, dass ich noch nicht in die Situation gekommen bin, eine Selbsthilfegruppen zu brauchen. Ich glaube aber, dass es ganz viel Sinn macht. Denn es ist wichtig, den Kampf mit der Trauer aufzunehmen. Außerdem ist es hilfreich, zu wissen, dass man nicht allein ist.

Wie reagieren Sie persönlich bei Kontrollverlusten?

Kramer: Ich bin ein unheimlich impulsiver Mensch, und unter Dampf ist es mir ab und zu mal passiert, dass ich unkontrolliert reagiert habe. Das etwas anders auszuleben, habe ich mir in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht. Ich möchte nicht mehr in solche Situationen geraten - ich habe dazugelernt.

Längerer Trennungen, wie sie eines der Paare im Film erlebt, kennen Sie sicher auch. Wie lösen Sie das privat?

Kramer: Ich glaube, dass man das mögen muss. Wenn man sein Leben so gestaltet, dass man nicht immer im klassischen Sinne zusammen ist, dann sollte das eine bewusste und aktive Entscheidung sein. Wichtig ist, dass man gerne auch mal alleine ist und nicht immer wissen muss, wo der andere gerade ist. Wenn man das mag, kann das sehr gut funktionieren.

Was halten Sie von Regelungen wie alle zwei Wochen sehen oder dreimal am Tag telefonieren etc.?

Kramer: An diese Art von Verabredungen glaube ich nicht so richtig. Man muss den anderen laufen lassen können und trotzdem eine tiefe Gewissheit haben, dass man zueinander gehört. Das funktioniert bei uns ganz gut. Es gibt aber auch Menschen, die das nicht können, weil sie immer in der Nähe sein wollen.

Auffallend im Film sind auch Ihre langen Haare: Sind die echt?

Kramer: Ja! Ich hab sie einfach mal wachsen lassen und inzwischen frage ich mich, warum ich dafür so alt werden musste. Recht viel länger sollen sie aber nicht werden. Wahrscheinlich werde ich sie irgendwann ganz ratzeputz zu einer Meckifrisur abschneiden lassen.

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