Der blinde Fleck: "Tatort"-Star Miroslav Nemec wollte die Welt verändern

Wenige Monate nachdem der Film "Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat" in den deutschen Kinos lief, wurde der Fall wieder neu aufgerollt. Wie viel Macht Film haben kann, erklärt Miroslav Nemec im Interview.

Diesmal als Generalbundesanwalt zu sehen: "Tatort"-Kommissar Miroslav Nemec

Bild: ddp images/spot on news

Über 30 Jahre lang versuchte der Journalist Ulrich Chaussy die wahren Umstände rund um das Oktoberfestattentat 1980 zu klären. Im vergangenen Jahr erzählte der Kinofilm "Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat" mit Benno Fürmann (43, "In einem wilden Land") in der Hauptrolle seine Geschichte. Wenige Monate später wurde der umstrittene Fall neu aufgerollt.

Ein Zeugnis für den Einfluss von Film und Medien auf unsere Gesellschaft, wie Miroslav Nemec (60) findet. Der "Tatort"-Kommissar spielt den Generalbundesanwalt Kurt Rebmann in "Der blinde Fleck", der am 4. Februar seine TV-Premiere mitsamt anschließender Dokumentation feiert (ab 20.15 Uhr im Ersten). Die Nachrichtenagentur spot on news sprach mit Nemec über die Macht von Film und Theater und seine persönliche Lebensaufgabe.

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Wie haben Sie das Oktoberfest-Attentat erlebt?

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Video: spot on news

Miroslav Nemec: Ich hatte an dem Tag Premiere am Essener Opernhaus mit einem Musical und war so beschäftigt, dass ich es kaum wahrgenommen habe. Nicht aus Ignoranz, manchmal okkupiert einen der Job einfach vollkommen.

Hatte das Attentat in den folgenden Jahren Einfluss auf Ihre Oktoberfest-Besuche?

Nemec: Ich war danach nie auf der Wiesn. Ich kam zwar 1981 nach München ans Residenztheater, bin aber selbst dann komischerweise nie auf die Wiesn gegangen. Das ging erst später los, als meine Familie aus Kroatien nach München kam und unbedingt hingehen wollte. Da kam ich nicht mehr drumherum.

Haben Sie, wie Ulrich Chaussy, eine Lebensaufgabe, die Sie nicht loslässt?

Nemec: Meine Kinder. Das ist eine Lebensaufgabe, die nie aufhört.

Für Chaussy ist es ein großer Erfolg, dass der Fall nun wieder aufgerollt wird.

Nemec: Natürlich, das ist sein erkämpfter Erfolg. Chaussy ist ein hartnäckiger Journalist, der sich einfach in dieses Thema verbissen und es nie losgelassen hat - wahrscheinlich hat es ihn nicht losgelassen. Man muss aber auch dem BR Anerkennung zollen, der das ermöglicht hat.

Der BR setzt sich damit auch mit der eigenen Geschichte selbstkritisch auseinander...

Nemec: Dieses Thema war politisch wirklich brisant und ist es bis heute, wenn man die NSU-Anschläge und die immer noch laufenden gerichtlichen Verfahren bedenkt. Dieser Film wäre für den BR vielleicht vor zehn oder zwanzig Jahren nicht in dieser Form möglich gewesen.

Wie viel Anteil hat der Film daran, dass der Fall wieder aufgerollt wurde?

Nemec: Das Bewusstsein der Bevölkerung und der zuständigen Stellen sind für das Thema erneut sensibilisiert worden, natürlich auch durch den NSU-Prozess.

Film hat also großen Einfluss...

Nemec: Film hat eine größere Flächenwirkung als Theater. Ich bin zum Theater gegangen, um die Welt zu verändern - was bisher ja fabelhaft gelungen ist, wie man sieht. Das Theater ist aber auf keinen Fall in der Lage, sowas zu bewirken - ein Film schon. Film ist eine flächendeckende und meinungsbildende Institution. Deshalb kann er auch gefährlich sein.

Im Film wird extrem viel geraucht. Wie finden Sie das?

Nemec: Das ist der Zeit geschuldet, in der er spielt. Damals gehörte das dazu. Wenn man sich frühere Talkshows anschaut, wurde da immer geraucht - und getrunken. Am Set war das schon schwierig, weil die meisten ja nicht mehr rauchen. Alternativ gibt es dann diese Menthol- oder Kräuterzigaretten, die ebenfalls furchtbar stinken.

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