«Absolute Mehrheit» Stefan Raab ist der dumme Talk-August

«Absolute Mehrheit»
Twitter schießt auf den Politwelpen Raab

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
«Sie können auch Politik.» Das war Peter Limbourgs verbales Schulterklopfen für Stefan Raab und dessen ersten Auftritt als Polittalker in Absolute Mehrheit. Mag der Nachrichtenchef von ProSiebenSat.1 auch dafür bezahlt werden, er hätte mit seinem Urteil kaum weiter daneben liegen können.

Politiker als Selbstdarsteller zu entzaubern - das hatte sich Stefan Raab mit Absolute Mehrheit auf die Fahnen geschrieben. Was er wollte, ist ihm gelungen. Denn am Ende hat mit Wolfgang Kubicki (FDP) der größte Selbstdarsteller des Abends gewonnen.

Darüber hinaus ist Absolute Mehrheit - bislang - nicht mehr als eine Show der Eitelkeiten. Nicht nur für die anwesenden Politiker. Oder für Stefan Raab, der genug Platz bekommt, ungeliebte Staatsvertreter verbal zu verunglimpfen. Auch das Ego des Otto-Normal-Bürgers, das seine Wut bestens repräsentiert sah, wurde brav gestreichelt - angefangen bei der Tatsache, dass die oberen Zehntausend nicht genügend Steuern zahlen bis hin zum Ärger, dass Industrieunternehmen, die besonders viel Energie verbrauchen, von der Ökosteuerumlage befreit sind. Und wann immer gefordert wurde, doch mehr Gerechtigkeit für den einfachen Verbraucher zu schaffen, johlte das Publikum und lieferte beinahe hysterische Applausattacken.

Anstacheln kann Raab - und das verdammt gut. Egal, ob es um polemisch inszenierte Einspieler geht, mit denen die drei Themen des Abends eingeführt werden. Oder, ob Raab zwanghaftes Steinbrück- und Altmaier-Bashing betreibt und den beiden abwesenden Politdinosauriern damit unnötig viel Aufmerksamkeit zukommen lässt. Aber es ist nun einmal das Ziel von Absolute Mehrheit, politische Meinungsbildung nicht über die Auseinandersetzung mit Fakten zu erreichen, sondern darüber, dass sich die Zuschauer über die Politiker ärgern. Vorhandene, gute Argumente werden zur Nebensache.

Das hat in Raabs Show einen ungewollten Nebeneffekt: Was nebensächlich sein sollte, rückt ins Rampenlicht. Wie ein Peter Limbourg, der Voting-Statistiken zeigt und seinem Moderationschef Honig um den Bart schmiert, in der Sendung ansonsten aber absolut deplatziert wirkt. Und auch eine Verena Delius, die als Vertreterin des politisch interessierten Bürgers auf dem Sofa Platz nimmt, verschafft sich so unrühmliche Aufmerksamkeit. Still dasitzen, nur antworten, wenn man gefragt wird und brav der Politprominenz beim Reden den Vortritt lassen - das sind deutsche Tugenden. Für den wütenden Bürger aber, der endlich einen politischen Wandel will, ist diese sittsame Dame kein Beispiel. Nur eines gelingt ihr so: Die Wut zu schüren, aus Protest gegen Volkes Schweigen beim nächsten Mal doch selbst wählen zu gehen. Nur ist fraglich, ob der Ärger über Frau Delius bis dahin anhält.

Stefan Raab
Die Allzweckwaffe von Pro7

Was Stefan Raab am Ende von seiner überwiegend öffentlich-rechtlichen Konkurrenz unterscheidet, ist das Tempo, mit dem Absolute Mehrheit durch die gesetzten Themen rast. Und immer dann, wenn die Debatte um eine Thema tatsächlich hochkocht, verpasst Raab dem ein jähes Ende - mit seinem überhand nehmenden Gang zum Voting-Statisten Limbourg. Profilierung ist nicht gefragt, nur, wer mit seinem Verhalten auf dem Sofa am ehesten Sympathien erzielt.

Doch ob Raab mit seinem Konzept, Politiker als Selbstdarsteller zu entlarven, dauerhaft Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Stefan Raab, der sich mit Absolute Mehrheit bewusst zum dummen August macht, geht das hohe Risiko ein, sich im neuen Format schnell selbst zu verbrauchen. Noch größer ist aber die Gefahr, dass es immer schwerer werden wird, politische Kaliber in die Sendung zu holen, und eben nicht nur jene Staatsvertreter, die das Gefühl haben, noch nicht genügend öffentliche Aufmerksamkeit zu haben.

Noch aber verdient Absolute Mehrheit den sogenannten Welpenschutz. Und Stefan Raab und seinem Team bleibt Zeit, am Konzept zu schrauben. Denn Fakt ist: Langweiliger als es bei Jauch, Maischberger und Plasberg inzwischen zugeht, kann Absolute Mehrheit nicht werden. Allein deshalb, weil Raab mit seiner spitzen Zunge zumindest Seitenhiebe auf das selbstgemachte Elend mancher Politiker nicht abstellen wird.

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mar/sca/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pumpernickl
  • Kommentar 5
  • 20.11.2012 00:28

Was wollt Ihr, die Bürger der BRD wollen und sollen noch dummer werden und da ist dieser "RABE" doch der RICHTIGE KANDIDAD !!! ODER ??? Und übrigens; ein Idiot mehr spielt doch garkeine Rolle - nur die FS - Gebühren ist doch ein HOHN!!!!!

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  • putinfanatiker
  • Kommentar 4
  • 17.11.2012 14:13
Antwort auf Kommentar 1

DIESER SAU BEKLOPPTE RAAB SOLLTE SICH ALS KANDIDAT AUFSTELLEN LASSEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! SO DUMM WIE DER IST , SO DUMM IST KEIN EINZIGER BUERGER IN DER GESAMTEN BUNDESREPUBLICK !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! AB MIT DEN INS DSCHUNGELCAMP UND HOCH AN DEN NAECHSTEN BAUM MIT DEN DER IST ....................... !!!!!!

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  • heinrichIV
  • Kommentar 3
  • 14.11.2012 11:43

An die Redaktion! Interessant hier zu sehn, dass mein Kommentar durch Heinrich (normalo) stillschweigend ersetzt wurde. Eure Foren-Manipulationen die Leser für dumm zu vekaufen werden immer raffinierter. Fragen, die Euch nicht genehm..aber wahr sind, werden einfach unter den Teppich gekehrt und verduscht. Mit der Meinungsmache werdet Ihr wenig errreichen.

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