«Tatort» aus Stuttgart Öko-Krieg mit Natalia Wörner

Flott zum «Tatort»
Auf diese Automarken setzen die Kommissare

Die Staatsanwältin schläft mit einem Verdächtigen. Kommissar Bootz bewirbt sich auf einen neuen Job. Und ein Öko-Aktivist wird beim Plakatieren von einem Brückepfeiler geschossen. Der Stuttgarter «Tatort» will viel. Obendrein mischt Natalia Wörner als Staatsanwältin kräftig mit.

 In ein so politisches Umfeld hatte er vermutlich nicht geraten sollen: Die ARD zeigt den Stuttgarter Tatort-Krimi Tote Erde über radikale Umweltaktivisten an diesem Sonntag (21. oktober 2012, 20.15 Uhr), dem Tag der Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs. Dann hat der frühere Bundestagsfraktionschef der Grünen, Fritz Kuhn, gute Chancen, der CDU den Schlüssel fürs Rathaus abzunehmen. Im Ländle der sogenannten Wutbürger, in dem Winfried Kretschmann als erster grüner Ministerpräsident die jahrzehntelange Ära der Christdemokraten im Chefsessel beendete.

Der Kampf der Öko-Guerilla gegen Umweltverschmutzung und Klimaschädigung vonseiten der Wirtschaft beschäftigt dann die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare). Einer der Aktivisten, Lukas Baumann, stürzt von einem Brückenpfeiler. Spuren von Schüssen aus einem Luftgewehr sprechen gegen einen Unfall - und für Mord.

Nur nach und nach kommen die Ermittler den selbst ernannten «Ecopirates» auf die Spur. Dabei zündet Baumanns Kompagnon Timo Heller kurzerhand eine Rauchbombe im Studentenwohnheim. Als Financier der Gruppe entpuppt sich die Buddhistin Saraswati Meinhold, die einen Esoterik-Laden betreibt und aus Lannerts Hand so tiefgreifende Erkenntnisse liest, wie sie auch Fünf-Zeilen-Horoskope enthalten. Die Autoren Wolf Jakoby, der mit Tote Erde sein Tatort-Debüt gibt, und Thomas Freundner haben die Folge mit etwas viel Dramatik gewürzt.

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Auf der anderen Seite fallen die manchmal flachen Dialoge zwischen den Kommissaren auf. Seien es platte Kommentare über Politik-Studenten («Ich sag doch: PoWi - das sind die ganz Harten»), Sprüche wie «Wenn's der Wahrheitsfindung dient, trinken wir auch Tee» oder Lannerts Reaktion, als Bootz ihm erklärt, die Staatsanwältin über jeden Ermittlungsschritt zu informieren: Er bleibt plötzlich stehen und fragt, ob «wirklich über jeden Schritt». Eine fragwürdige Art Humor, die der Figur bislang nicht unbedingt zugeschrieben war.

Neu ist auch die Staatsanwältin: Natalia Wörner sprang für die kurz vor den Dreharbeiten erkrankte Carolina Vera ein - und bringt dem Tatort als gebürtige Stuttgarterin schwäbischen Zungenschlag, den lokalpatriotische Fans bei den Kommissaren vermissen. Verzwickt werden die Ermittlungen, als der Liebhaber und spätere Verlobte der Staatsanwältin unter Verdacht gerät. Der Unternehmer Johannes Riether (Mark Waschke) soll die Verantwortung tragen für mit Quecksilber und Blei verseuchte Erde, mit der sich der Tote vergiftet hatte.

So gerät der Tatort zu einer Folge des Abschieds: Staatsanwältin Habermas legt sowohl ihre frische Beziehung auf Eis, als auch den Job und will beurlaubt werden. Lannert bringt seine junge Nachbarin, zu der er eine nicht ganz durchsichtige Beziehung pflegt, auf eine Reise um den halben Globus. Seine Kinder fragen Bootz, ob ihre Mutter an einer schweren Krankheit leidet. Und der sucht eine neue Stelle.

In diesem Netz aus einzelnen Strängen inszeniert Regisseur und Mitautor Freundner den Kampf für das ökologisch Gerechte - mit Plakaten und Internetpranger, mit Hetzkampagnen gegen den «Klimakiller des Monats» und illegalen Aktionen, bei denen die Verfechter im wahrsten Sinne des Wortes auch mal über Leichen gehen. Doch selbst wenn die Stuttgarter Bürger seit ein paar Jahren für ihren Protest weltweit berühmt sind und immer häufiger grün wählen, scheint diese Geschichte etwas zu extrem geraten. Und wirklich viel Platz bleibt dem Thema ökologisches Bewusstsein in diesem Wust nicht.

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«Tatort»
Die Kommissare im Überblick

boi/news.de/dpa

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