Kachelmann und die Medien Der große Auftritt beim geliebten Feind

Prozess
Freispruch für Kachelmann
Kachelmann freigesprochen (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteurin
Jörg Kachelmann kritisiert vollkommen zu Recht das skandalöse Fehlverhalten der Medien während seines Prozesses wegen mutmaßlicher Vergewaltigung. Doch nun macht sich der einstige Wettermoderator nur allzu gern mit ihnen gemein - da es seiner Sache dient.

Jörg Kachelmann ist zweifelsohne ein Opfer. Ein Opfer distanzloser Medien, die sein Privatleben ohne Rücksicht auf Verluste ausgeschlachtet haben, während er wegen des Verdachts der Vergewaltigung in Untersuchungshaft saß - und später freigesprochen wurde.

Die Unschuldsvermutung - jemand gilt solange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist - wurde im Fall Kachelmann in einem Ausmaß plattgewalzt, das es so in Deutschland bis dato nicht gegeben hatte. Egal, wie vermeintlich unmoralisch sein Lebensstil war. Kachelmann aufgrund von Antipathie schuldig zu sprechen und damit auch die Arbeit des Gerichtes massiv zu stören, ist ein unverzeihliches Vergehen der deutschen Medien.

Sicher fehlen in Deutschland geeignete Mechanismen, derartig ausufernde Medienkampagnen zu unterbinden. Die massive Kritik, die der einstige Wettermoderator daher an den Medien übte, war absolut gerechtfertigt. Bis jetzt.

Denn nun hat Jörg Kachelmann gemeinsam mit seiner Ehefrau Miriam, die ihn noch während des Prozesses heiratete, ein Buch geschrieben. Ein Buch, das vermarktet werden will. In Recht und Gerechtigkeit schildern die Kachelmanns ihre persönliche Wahrheit. Und damit diese verbreitet wird, nutzen sie nun sehr gerne die Medien, die sie so verachten. Da es Kachelmanns Sache dient, macht er sich gemein mit dem Feind. 

In Deutschlands wichtigster Talkshow, am Sonntagabend bei Günther Jauch, hatten Jörg und Miriam Kachelmann alle Möglichkeiten, ihre Opferrolle darzustellen - vor mehr als 5 Millionen Zuschauern an den TV-Geräten. Eine Top-Quote für Jauch wie für Kachelmann.

Oft genug war von Kachelmann zu hören: «Lesen Sie mein Buch! Dann lesen Sie die Wahrheit.» Genügend Menschen werden diesem Aufruf folgen und dem Werk einen Platz in den Hitlisten-Regalen der Buchläden sichern.

Als Opfer einer angeblichen Falschbeschuldigung - Kachelmanns Unschuld konnte das Gericht nicht vollends beweisen - folgt er seinem eigenen Recht und verleumdet die Frau, die ihn 2010 ins Gefängnis brachte. Der Prozess im Gericht  ist zwar abgeschlossen, doch würde es nach Jörg Kachelmann gehen, hätte sein Kampf gegen Claudia D. mit Hilfe der Medien gerade erst begonnen.

So falsch sich die Öffentlichkeit während des Kachelmann-Prozesses 2010 und 2011 auch verhalten hat: Wiedergutmachung ist unmöglich. Es ist neues Unrecht, wenn Kachelmann in einem Anfall von Selbstjustiz durch die Medien zieht und ungehindert behaupten darf, Claudia D. sei eine Lügnerin.

Das Urteil des Mannheimer Gerichtes gilt: Freispruch für Kachelmann. Mehr geht nicht.

Freispruch
In dubio pro Kachelmann
Video: news.de

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Auf Twitter
Kachelmann wettert gegen die Medien
 Kachelmann (Foto) Zur Fotostrecke

/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heinz Husch
  • Kommentar 6
  • 04.10.2013 21:48

Antwort auf Kommentar 3 Es läuft ein Wiederaufnahmeverfahren in meiner Sache. Neues Brandgutachten ist erstellt worden von dem besten Branchverständigen in der BRD und durch einen absolut glaubhaften neuem Zeugen der den richtigen Täter kennt! Der mir zugefügte Schaden liegt im mehrfachen Millionenbereich da durch dieses "Urteil" meine Firma von der Stadt geschlossen wurde!! Die Richterschaft war u.a. wütend auf mich da nach einem Antrag von mir dem federführenden Richter wegen "Befangenheit" das Verfahren entzogen wurde! 5 verschiedene Richter und 58 Verhandlungstage! Ehe und Nerven kaputt!

Kommentar melden
  • Kaber
  • Kommentar 5
  • 26.10.2012 14:03

Ja jetzt kommen Sie aus allen Löchern die vor Gericht keine Gerechtigkeit gespürt haben, mit Kachelmann als Speerspitze. Alle Achtung! Richtig ist, daß unsere Justiz seit Gründung der Republik nie wirklich einer Sache "gerecht" werden konnte. Wie auch? Bei der Durchsetzung mit Nazirichtern? Andererseits heißt "Recht sprechen" auch nicht für "Gerechtigkeit sorgen". Eher oft das Gegenteil. Herr Kachelmann und sein Frauen verachtendes Vorleben wird zu recht vom Volk geächtet. Das hat mit den Medien wenig zu tun. SEINE Justizkritik ist auf jeden Fall lächerlich.

Kommentar melden
  • ralfi1
  • Kommentar 4
  • 17.10.2012 07:11

Absolut erschreckend, vergleichbar mit der Zusammenarbeit der entsorgten ehemaligen Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen mit der WAZ Gruppe und dem Spiegel. In einigen Microsoft-Fällen schrieb die WAZ Berichte schon vorher über Ereignisse in Prozesstagen, die 1:1 von Lichtinghagen vorgegeben wurden und nichts mit der Realität zu tun hatten. Ist erst einmal ein Beschuldigter ausgemacht, wird nur noch drauf gehauen, die Wahrheit wird von einem deutschen Gericht eh nur in seltenen Fällen gefunden. Nicht jeder hat so viel Geld und so gute Anwälte wie Kachelmann und daher keine Chance vor Gericht

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig