«Günther Jauch» Die Dauerwerbesendung des Peer Steinbrück

Von Gabriel bis Wowereit
Das «Who is Who» der SPD
Seit Dezember 2012 steht Peer Steinbrück als offizieller Kanzlerkandidat der SPD fest. (Foto) Zur Fotostrecke

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Die ARD ist für ihre «Check»-Sendungen bekannt. Diesmal will Günther Jauch den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück auf Herz und Nieren prüfen, macht es ihm jedoch nicht allzu schwer, eine gute Figur abzugeben.

Das ging aber schnell: Kaum ist Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD offiziell nominiert, sitzt er schon bei Günther Jauch, um sich einem «Kandidatencheck» zu unterziehen. So nennt die ARD das Stelldichein des Talkmasters mit dem Ex-Finanzminister. Nur ist das Label «Check» für diese Konstellation wohl etwas zu hoch gegriffen, bedürfe es dafür doch eindeutig ein paar mehr Studiogästen. Sie fehlen an diesem Abend und so gerät der Polittalk schnell zu einer Dauerwerbesendung des Gastes, die allenfalls vom Applaus des Studiopublikums oder einem polternden SPDler namens Rudolf Dreßler unterbrochen wird.

Dieser kommt in zwei Einspielern zu Wort und gehört zu jenem Lager der SPD, das dem noch zu bestätigenden Kanzlerkandidaten kritisch gegenübersteht. Gerade weil er in der Vergangenheit Positionen vertreten und Konzepte wie die Agenda 2010 mitgetragen hat, die vor allem dem linken Flügel der Partei unangenehm aufstoßen. Doch weder Dreßler noch Jauch können Steinbrück aus der Fassung bringen. Der spult seine Antworten so souverän ab - man könnte fast denken, er hätte Jauchs Interviewkarten selbst geschrieben. Das mag vor allem daran liegen, dass die Sendung in erster Linie bereits Bekanntes noch einmal aufwärmt. Allerdings ist das bei dem medialen Steinbrück-Overkill der vergangenen Woche auch nicht wirklich verwunderlich.

Steinbrück darf bei Jauch noch einmal die verkorkste Kandidatenkür seiner Partei kommentieren: «Das war keine exzellente Strategie», doch eine solche Entscheidung brauche eben seine Zeit. Natürlich kommen auch seine umstrittenen Nebenverdienste zur Sprache und die damit verbundenen Vorwürfe, er sei Teil der Bankenlobby und habe sein Bundestagsmandat vernachlässigt. «Ich habe mich nach Gesetz und Recht verhalten», kontert Steinbrück. Weder Integrität noch Mandat hätten darunter gelitten. Das nun geäußerte Misstrauen könne er nicht nachvollziehen, wolle es aber mit Offenlegung seiner Honorare aus der Welt schaffen. Diese Transparenz fordert er im Gegenzug auch von Politikerkollegen - jedoch nicht um den Preis der Privatheit, die - das betont er ausdrücklich - Teil der Würde des Menschen, auch der des Abgeordneten sei.

Rot-Grün bleibt erste und einzige Option

«Nervt Sie das Thema?», fragt Jauch herausfordernd. «Nee», antwortet Steinbrück, «glauben Sie, mir das anmerken zu müssen?» Das Publikum lacht, nächster Programmpunkt. Auch beim Thema mögliche Koalitionen lässt sich der Herausforderer von Angela Merkel nicht zu unvorhergesehenen Zugeständnissen hinreißen. Für ihn und die Partei zähle einzig und allein Rot-Grün, darauf werde hingearbeitet. Da kann Jauch ihm noch so sehr vorrechnen, dass es dafür derzeit nicht reichen würde. Eine große Koalition komme für Steinbrück, auch wenn man darin schon einmal gut zusammengearbeitet habe, unter keinen Umständen infrage. Zu groß sei der Verlust an werteorientierter Politik bei Merkel, zu sehr sei sie dem «Jein» verhaftet.

Steinbrücks Ziel: keine marktkonforme Demokratie, sondern eine demokratiekonforme Marktwirtschaft. Aber was heißt das? Lange versäumt Jauch, nach konkreten politischen Inhalten zu fragen. Erst spät tritt das noch immer vakante Rentenkonzept der SPD auf die Agenda, an dem sich jüngst parteiinterne Forderungen nach Steinbrücks Kompromissbereitschaft entzündeten. Während dieser sich erneut zur Rente mit 67 bekennt, bleibt das avisierte Rentenniveau weiter unklar. Halten der 50-Prozent-Marke oder Absenken auf 43 Prozent - Steinbrück macht das insbesondere von der Bekämpfung der Erwerbsarmut abhängig, auf die die Altersarmut folge. Allein faire Löhne könnten diese Abwärtsspirale stoppen und eine Absenkung des Rentenniveaus verhindern.

Kanzlerkandidat
SPD schickt Steinbrück gegen Merkel ins Rennen
Video: afp

Diese Idee sei noch im Fluss, wie vieles im SPD-Wahlprogramm. Das müsse zum Kandidaten genauso passen wie der Kandidat zum Programm, betont Steinbrück, angesprochen auf seine viel zitierte «Beinfreiheit». Versprechungen, die an der Realität zwangsläufig scheitern, werde er nicht mittragen, auch wenn er sich damit in seiner Partei nicht bei allen beliebt mache. So sehr ihm viele seine Unterstützung der Agenda 2010, zu der Steinbrück noch immer steht, nachtragen, so sehr geht er heute an anderer Stelle auf seine Parteikollegen zu. Etwa in Sachen Steuerpläne: 49 Prozent Einkommenssteuer, bis zu 32 Prozent Kapitalertragssteuer hält der Kanzlerkandidat für möglich. Vor allem gegen letztere hatte er sich als Finanzminister gesträubt - «einer meiner Fehler», wie er unumwunden zugibt.

Moderator Jauch behält bei all dem seinen kritisch-irritierten Blick, lässt Steinbrück aber genug Raum, um eine gute Figur zu machen. In wirkliche Erklärungsnot bringt er den redegewandten Politiker an diesem Abend nicht. Und auch der Neuigkeitswert seiner Sendung hält sich in Grenzen. Einzig ein Ja-Nein-Antwort-Spiel befördert so manch aufschlussreiche Erkenntnis. So antwortet Steinbrück auf die Frage, ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei Länderspielen die Hymne mitsingen sollte, mit einem klaren Ja. Zuletzt hatten CDU und CSU nach dem Ausscheiden Deutschlands gegen Italien bei der EM eine solche Singpflicht gefordert. Vielleicht sind die Schnittmengen der Parteien ja doch größer als gedacht, wenn auch nicht politisch.

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kls/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pumpernickl
  • Kommentar 4
  • 22.02.2013 22:19

Es ist doch schier unübersehbar, dass die EU nur ein Ziel hat, nämlich die Verschmelzung dieser 27 Staaten vollends in den Machtbereich der USA einzugliedern und im weiteren Verlauf sich auch die absolute Befehlsgewalt über Europa vorbehalten. Die fernöstliche Entwicklung mit der Supermacht China, zwingt die USA regelrecht nach Alternativen zu suchen und die Konsolidierung Europas ist eine davon!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 08.10.2012 18:30

Den Menschen fehlt der Ehrgeiz zur Ehrlichkeit. Sie sind für Europa u machen die Nationen / Völker kaputt. Sie schaffen Institutionen, die alle Aufgaben erledigen, auch der Demokratie / Volkssouveränität. Sie himmeln die Größe von Führer an, um noch winziger zu erscheinen (Barroso wäre sonst unerträglich). Sie dürsten nach Regierung, die sie verachtet. So einige der Widersprüche. Wahl ohne Auftrag ist Unsinn. Parlamente in Ländern und im Bund haben keine Aufgaben. Sie setzen um. Damit wird die Nichtwählbarkeit zum Kriterium der Beförderung nach oben (Oettinger). Wie ist das mit Steinbrück?

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  • Sven Forbis
  • Kommentar 2
  • 08.10.2012 17:46

Es ist völlig egal, wer in diesem Land regiert. Die große Politik findet in Brüssel statt, nicht in Berlin. Da alle "demokratischen" Parteien dieses asoziale Weltwirtschaftssystem repräsentieren und kein Interesse daran haben, dieses System zum Wohle der Menschheit zu ändern, darf von mir aus regieren wer will. Wir, dass Volk haben sowieso nichts zu bestimmen, geschweige zu entscheiden.

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