«Polizeiruf 110» Blut kotzende Vampire mit Lederjacken

«Polizeiruf 110»
Die aktuellen Ermittler

Barbarischer Mord an einem Rocker und einer Hebamme. In Rostock geht es so blutrünstig zu, dass Polizeiruf-Kommissarin Katrin König emotional an ihre Grenzen stößt. Der dritte Polizeiruf 110 von der Ostsee heißt Stillschweigen und dringt in die Rocker-Szene ein.

Eine blutrünstige Tat überschattet die mecklenburgische Idylle. An einer Landstraße werden der Rocker Ricky und eine Hebamme tot aufgefunden, beide sehen übel zugerichtet aus. «Was ist denn hier passiert? Hat hier ein Vampir gekotzt?», fragt der schnoddrige Kommissar Alexander Bukow (Charly Hübner). Es ist der sechste Fall für die Rostocker Polizeiruf 110-Fahnder - und der führt Bukows sonst so reservierte Partnerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) emotional an ihre Grenzen.

Der Mord an Ricky und der weithin bekannten Hebamme katapultiert König und Bukow am Sonntag (30. September, 20.15 Uhr, ARD) hinein in die Unterwelt der kriminellen Rockerbanden. Mordopfer Ricky war ein sogenannter Prospect, also ein Bewerber um die Mitgliedschaft bei den finsteren Lederjacken-Jungs von den Satanic Riders. Jegliche Kooperation mit der Polizei lehnen die Rocker ab. Und so gibt Autor und Regisseur Eoin Moore seinem inzwischen dritten Polizeiruf aus der Hansestadt an der Ostsee den Titel Stillschweigen.

Ein Rocker packt aus

«Die halten dicht wie ein Schließmuskel», stellt Bukow nach den ersten Kontakten mit den schwarz gekleideten Kerlen fest. Rocker bleiben unter sich. Normalerweise. Aber normal ist an diesem Fall nichts und schon kurz darauf sitzt das Urgestein des Klubs, Rolf Wendland (Thomas Sarbacher), im Vernehmungszimmer der Polizei und will auspacken. Es folgen: Zeugenschutzprogramm, strengste Geheimhaltung und lange Gespräche zwischen Wendland und Profilerin König in einer getarnten Unterkunft.

Manche Einblicke in die Rockerwelt sind schockierend. Frauen etwa sind kaum was wert. Sie sollen gut aussehen, die Klappe halten und die Motorräder ihrer Machomänner putzen. Zumindest der Rahmen des vom NDR produzierten Krimis ist nicht aus der Luft gegriffen: Auch im bevölkerungsarmen und meist beschaulichen Mecklenburg-Vorpommern sind die international agierenden Rockerbanden aktiv, wie eine Sprecherin des echten Landeskriminalamtes bestätigt. Was im Film die Satanic Riders und die Road Bandits sind, das sind in der Realität die Hells Angels und die Bandidos.

40 Jahre «Polizeiruf 110»
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Nur der angebliche «Rockerkrieg von Rostock» ist eine Fantasie von Autor Moore. In der Stadt gibt es nach Angaben der Polizei tatsächlich nur die Hells Angels und deren Unterstützer. Scheinbar ruhig ist es, nachdem die Hells Angels ihr Clubhaus schlossen. Doch sie stehen weiter unter polizeilicher Beobachtung, sagt die LKA-Sprecherin. Doch wie im Film sind kriminelle Rocker aus der mecklenburgischen und vorpommerschen Provinz auch im wirklichen Leben aktiv im Handel mit Waffen, im Drogengeschäft und in der Prostitution. Im vergangenen Jahr durchsuchten Fahnder etwa Wohnungen von Bandidos rund um Neubrandenburg und fanden Waffen.

Die kühle Katrin taut ein wenig auf

Mit Stillschweigen ist Regisseur Eoin Moore ein Krimi gelungen, der diese kriminelle Problematik authentisch und in direkter Filmsprache erzählt. Das liegt vor allem an Kommissar Bukow, ein unrasierter Bulle alten Schlages, der Verdächtige anbrüllt und keinen Hehl daraus macht, dass ihn die Freundin des Mordopfers ganz schön in Wallung bringt. Es liegt aber auch daran, dass Polizisten wie Rocker in 90 Minuten auch mal unverblümt aufs Maul kriegen - «expect no mercy», «erwarte keine Gnade», lautet die Devise in der Sprache der Motorradgangs.

Gelungen ist der Film auch, weil Regisseur Moore die von ihm mit entwickelte Figur der kühlen Polizistin Katrin König emotional öffnet. Ausgerechnet der beinharte Rocker Wendland konfrontiert die Frau, die permanent ihr Umfeld analysiert, mit ihrer Vergangenheit als Findelkind. Die Ungewissheit über ihre persönliche Herkunft schwingt im Film fortan immer mit, bis sie in der Schlussszene an der Küste von Kühlungsborn - die bekannte «Molli»-Dampflok schnauft im Hintergrund - einen Flashback hat. Dass diesen trotz des permanenten Gerangels um Kompetenzen ausgerechnet Kommissar Bukow auslöst, ist der wohl schönste Aspekt der ganzen Geschichte.

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boi/news.de/dapd

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