«Günther Jauch» Bauer Jauch macht Bio-Quark

Günther Jauch
Der bübchenhafte Schelm
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Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln, und Bio-Lebensmittel sind viel schlechter als ihr Ruf. In seiner Talkshow mutierte Günther Jauch zum Bauer und bewies mit einem dusseligen Apfel-Experiment rein gar nichts.

Welch ein aufgeregtes Geschnatter am Sonntagabend bei Günther Jauch im Ersten. Da glich die Talkrunde ganz passend zum Thema «Der große Bioschwindel - Wie gut ist Öko wirklich?» einem lebhaften Bauernhof, auf dem Landwirt Günther Jauch sich nicht so recht entscheiden konnte zwischen Ökoanbau oder Massentierhaltung.

Anlass für das Bio-Thema bei Jauch ist eine Studie der Stanford Universität, wonach Biolebensmittel nicht gesünder sein sollen als konventionell - also industriell hergestelltes - Fleisch, Obst und Gemüse. Ist bio also böse? Wenn nicht böse, dann zumindest Betrug sagt jedenfalls der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer - der Wachhund auf dem Bauernhof von Günther Jauch. Mit viel Gekläff erklärt er: «Ganz oft kaufen wir uns mit Bio nur ein gutes Gefühl.»

Fernsehköchin und Biobotschafterin Sarah Wiener wirbt für biologische Tierhaltung und Landwirtschaft. Sie fragt: «In was für einer Welt wollen wir leben? Ich will nicht die Umwelt zerstören, ich will nicht mit Medikamenten verseuchtes Fleisch essen. Es ist ja nicht meine Erfindung, dass es nicht so weiter gehen kann, wie bisher.» Doch leider ist Sarah Wiener in dieser Runde das Opferlamm. Auf dem Hof von Bauer Jauch gibt es keine Freilandhaltung. Grüne Weiden mit glücklichen Kühen? Kinderbuchkram.

Der Wolf im Schafspelz gegen das Opferlamm

So mutig das Lamm auch ist, gegen den Wolf im Schafspelz, den Großunternehmer und Müller-Milch-Chef Heiner Kamps, hat es keine große Chance. Zu deutlich die Argumente des einstigen Großbäckerei-Betreibers: «Noch nie waren industrielle Lebensmittel besser als heute. Außerdem haben wir doch überhaupt gar keine Flächen, um alles bio zu produzieren. Etwas mehr Sinn für die Realität würde dieser Diskussion guttun.» Es sei falsch, dass die konventionelle Lebensmittelindustrie an die kriminelle Ecke gedrängt wird. Dass maßloser Konsum ganz in seinem (Geschäfts)Sinn ist, verschweigt Heiner Kamps selbstredend.

Der Talkabend  richtet sich gegen die Bio-Kultur und gipfelt in der dummen, weil offenkundig nicht zu Ende gedachten, Frage von Bauer Jauch: Warum überhaupt noch Bio, wenn es A) nicht gesünder ist als die industriell hergestellte Nahrung und B) oftmals nicht mal merklich besser schmeckt als die mit Pestiziden zugedröhnte Kost? Welch Offenbarung egoistischer Weltsicht, nach dem Motto: Was hat der Mensch davon, wenn er nicht sofort einen Gewinn durch Bio bekommt? Plus minus Null reicht nicht.

Günther Jauch will mit einem Apfel-Experiment zeigen, dass Bio-Produkte genauso schmecken wie Nicht-Bio-Produkte. Publikum und Gäste dürfen in zwei Stücke Apfel beißen und sollen sagen, welches bio ist. Eine knappe Mehrheit hat den Öko-Apfel erkannt. Für Jauch ein Beweis, das öko nicht besser ist als industriell.

Wer ist das dumme Schaf?

Hätte Jauch den Vergleich zwischen einer zusammengeklebten 99 Cent Wurst und einer saftigen Scheibe Hinterschinken vom Bio-Bauern gemacht, wäre das Ergebnis mit Sicherheit um einiges deutlicher fürs Bio-Produkt ausgegangen.

Glücklicherweise sitzt mit Biolandwirt Heinrich Graf von Bassewitz ein Fuchs (im positivsten Sinne!) mit in der Bauernhofrunde. Die Bio-Produktion kommt natürlich Mutter Natur zu Gute. Dem Boden, den Tieren. Ja, es ist nachhaltig, biologisch zu wirtschaften, damit die nächsten Generationen vielleicht doch nicht an unserem Müll ersticken müssen. Damit sie möglicherweise doch nicht Hunger leiden müssen, weil wir die Böden bis zur Ertragslosigkeit ausgelaugt haben.

Zugegeben, das Bild vom Jauch'schen Bauernhof wackelt erheblich. Schließlich ist ein für den landwirtschaftlichen Konsumbetrieb wichtiges Tier in diesem Text bisher noch nicht erwähnt worden: das dumme Schaf. In diesem Fall trägt es den Namen deutscher Verbraucher. Denn der wird - passt er nicht auf wie ein Fuchs - von allen Seiten betrogen.

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kls/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Südkurve
  • Kommentar 2
  • 17.09.2012 16:25

Danke an Frau Bongartz für diese differenzierte TV-Kritik. Wie schade, dass Jauch und seine Redaktion mehr am quotengeilen Streit seiner Gäste als an konstruktiven Lösungen interessiert ist. Einer Sarah Wiener mit ihren überzeugenden Argumenten pro Bio "Sozialromantik" vorzuwerfen, belegt deutlich die Hybris der Großverdiener am Massenkonsum. Auf welcher Gehaltsliste steht eigentlich Udo Pollmer?

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  • Nordlicht
  • Kommentar 1
  • 17.09.2012 11:22

Na kls, ist Ihnen auch ihre schöne Bio-Welt zusammengebrochen ? Klingt fast so. Leider haben Sie von Landwirtschaft wenig Ahnung. Meinen Sie, konventionelle Bauern schützt NICHT Boden und Umwelt ? Dann wären die Bauern schön blöd, die schon Jahrhunderte wirtschaften. Bio hat durchaus seine Berechtigung, wer mag, kann diese Produkte gerne kaufen. Aber die sind einfach nichts Besseres. Und gespritzt wird bei Bio auch, dort heißt es eben nicht Pestizid, sondern Zitronenextrakt. Wirkt aber genauso. Grüße

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