Silvia Seidels einsamer Tod Wenn früher Ruhm zum Verhängnis wird

Kinderstars
Was ist aus Macaulay Culkin und Co. geworden?

Trauriges Ende: Als Tänzerin «Anna» kam Silvia Seidel zu großer Ehre. Wie viele Kinderstars zerbrach auch sie später an ihrem frühen Erfolg. Die Polizei schließt Fremdverschulden und eine natürliche Todesursache aus. Über ihr plötzliches Ableben sind Schauspielkollegen bestürzt.

Ganz jung und schon ein Star - für ehrgeizige Eltern ein Traum, für die jugendlichen Stars aber oft der Start in eine schwierige Zukunft. Viele Kinderstars von einst können den frühen Erfolg später nicht wiederholen.

Auch für Silvia Seidel war der Anfang ihrer Karriere zugleich der Höhepunkt. Mit 17 begeisterte sie als blonde Primaballerina Anna in der gleichnamigen ZDF-Serie ein Millionen-Publikum, sie bekam einen Bambi und die Goldene Kamera. Anna wurde sogar fürs Kino verfilmt. Mit 23 trug Seidel den Ehering ihrer gestorbenen Mutter, die sich das Leben nahm. Nun ist die Münchner Schauspielerin Silvia Seidel tot - auch in diesem Fall geht die Polizei von Suizid aus.

Nach Anna spielte Seidel in TV-Produktionen und stand auf der Bühne. Einen vergleichbaren Erfolg landet sie aber nie mehr. «Ich habe mein Leben damit verbracht, unberühmt zu werden», sagte sie einmal. Anna-Autor Justus Pfaue erinnert sich an seine Hauptdarstellerin Silvia Seidel als Menschen, der weder am Filmset noch im Leben je Ellenbogen eingesetzt hat. «Silvia gab mehr Liebe, als sie annehmen konnte», schreibt Pfaue in einem in der  B.Z. (Mittwochsausgabe) veröffentlichten Nachruf auf die mit nur 42 Jahren gestorbene Schauspielerin.

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Diagnose: Tod durch Medikamente

Auf ewig zum stupsnasigen Liebling verbannt

Damit steht sie in einer Reihe mit vielen anderen Kinder- und Teenie-Stars. Manch einer kommt von dem Image als stupsnasiger Liebling nicht mehr weg, schafft den Sprung nicht zu anderen Rollen, oder ist dem immensen Druck in der Branche nicht gewachsen.

Zum Erhalt der kindlichen Figur verordnete laut Spiegel Online ein Arzt der 16-jährigen Judy Garland Appetitzügler, als sich bei den Dreharbeiten zu Der Zauberer von Oz herausstellte, dass sie zu reif für die Rolle der kleinen Dorothy wurde.

Macaulay Culkin (Kevin - Allein zu Haus) wurde bereits mehrfach mit Drogen erwischt. Derzeit soll er mit einem Heroin-Problem kämpfen. River Phoenix (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug) brach 1993 in der Halloween-Nacht nach einer Überdosis vor einem Club in Los Angeles tot zusammen.

Mick Werup, der in den 1980er Jahren in der ZDF-Fernsehserie Diese Drombuschs einem Millionenpublikum bekannt wurde, spielte nach dem Ausstieg nur noch kleinere Rollen. Im Januar 2011 nahm er sich das Leben.

Wegen ihres kometenhaften Aufstiegs nannten manche Romy Schneider «Shirley Tempelhof» - in Anlehnung an den früheren US-Kinderstar Shirley Temple. Diese hatte ihre ersten Rollen mit vier Jahren und wurde mit sechs jüngste Oscar-Gewinnerin. Als sie erwachsen wurde, ließ das Interesse an ihr als Schauspielerin nach. Sie zog die Konsequenzen und ging in die Politik.

Andere konnten sich bestens im Geschäft halten. Leonardo DiCaprio (Eine Wahnsinnsfamilie) zählt zu den am besten verdienenden Schauspielern in Hollywood. Jodie Foster, die mit 13 Jahren in Taxi Driver berühmt und dafür sogar für den Oscar nominiert wurde, gehört bis heute zu den renommierten Hollywood-Stars.

Die Kollegen trauern

Gerade im Schauspielerberuf sei es sehr wichtig, bei seiner Familie oder bei Freunden ein stabiles Fundament zu haben, sagt Schauspielerin Isabell Gerschke (33) zum Tod Seidels. «Jeder braucht irgendwas, wo er mal loslassen kann, wo er auch aufgefangen wird», sagte sie. «Das ist besonders wichtig in einem Beruf, in dem man mal Erfolg hat und mal nicht, in dem man nicht weiß, ob man im nächsten Jahr Arbeit bekommt und genug Geld zum Leben hat. All das kann einen natürlich unsicher machen und vielleicht auch instabil.»

Gerschke und viele andere Kollegen sind geschockt von Seidels Tod. «Ich habe sie als sehr sensibel und auch etwas nachdenklicher als andere Menschen in Erinnerung», sagte Schauspieler Christian Kahrmann, der Seidel vor allem von Fernsehveranstaltungen und Talkshows kannte. «Es tut mir leid, dass sie solche Schwierigkeiten in ihrem Leben hatte, insbesondere sich mit unserem Beruf über Wasser halten zu können. Sie war sehr mutig, das offen zuzugeben. Dafür verneige ich mich vor ihr.»

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boi/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Stefan Jörn
  • Kommentar 2
  • 20.08.2012 12:06

Die finanziellen Nachteile und ständige Ungewißheit über die unplanbare Zukunft ließen sich nicht vermeiden und können sicherlich von kurzfristig austauschbaren Zeitarbeitern/ Praktikanten nachvollzogen werden. Ihre Krankheit konnte sie dabei zwar auf der Bühne professionell überspielen aber nicht auskurieren. Ich werde mich an Silvia als eine leidenschaftliche Frau mit einem tollen Lächeln erinnern, die ihre Berufung lebte.

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  • Stefan Jörn
  • Kommentar 1
  • 20.08.2012 12:05

Silvia Seidel war nach dem großen Erfolg auch mit ihrem Privatleben sehr präsent. Personen des öffentlichen Lebens sind für den Erfolg ihrer Arbeit darauf angewiesen. Die negative Darstellung ihres Charakters -nach dem Tod ihrer Mutter- in den Boulevardmedien und die pietätlose Bedrängung durch Journalisten zuhause hat vermutlich dazu geführt, daß sie bevorzugt kleinere Rollen annahm in denen sie als Schauspielerin reifen und eine ständige Präsenz im Boulevard vermeiden konnte.

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