Kriegstalk bei Jauch «Töten und Sterben kann dazugehören»

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Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Günther Jauch zeigte in seiner Talkshow, welch grauenhafte Spuren der Afghanistankrieg bei den Soldaten hinterlässt. Auch der Verteidigungsminister fand deutliche Worte. Bei der Gleichsetzung von ostdeutsch und Unterschicht verlor er dann die Fassung.

Für seine letzte Sendung vor der Sommerpause hatte sich Günther Jauch ein schwerwiegendes und emotionales Thema auf die Talk-Tagesordnung gehoben: Trauma Afghanistan - Welche Spuren hinterlässt der Krieg?

Das fragte er Bundesverteidigungsminister Thomas de Mazière, den ehemaligen und schwer traumatisierten Soldaten Robert Sedlatzek-Müller, dessen Mutter, Weltkriegsveteran Heinz Otto Fausten (92), die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen (Die Linke) und TV-Journalist und Reserveoffizier Ulrich Meyer.

Es war natürlich keine Überraschung, dass die Antwort lauten musste: Die deutschen Soldaten kehren zum Teil mit schlimmsten Traumatisierungen aus dem Kriegsgebiet zurück. Alpträume, Ängste, Selbsmordgedanken - Die Schilderungen der Veteranen, die Jauch geladen hatte, ließen keine Zweifel. Nach ihrer Rückkehr einfach wieder Sohn, Familienvater, Bruder oder Ehemann zu sein, ist vielen jungen Soldaten dann nicht mehr möglich. Zu sehr haben sich die blutigen Bilder des Krieges von Tod und Terror, Angst und Verzweiflung in ihre Seelen gebrannt. 

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Krieg als Teil unserer Verantwortung

Bundesverteidigungsminister Thomas de Mazière will, dass die Leistung der Soldaten in der Öffentlichkeit mehr anerkannt wird - und zwar unabhängig von der politischen Entscheidung, die sie in einen Krieg geschickt hat. Man könne durchaus den Kriegseinsatz in Afghanistan ablehnen. Aber die Soldaten, die für ihr Land in den Einsatz ziehen, müssten mehr unterstützt werden. Schließlich wurde De Maizière noch deutlicher: «Es gibt Einsätze, da kann Töten und Sterben dazugehören. Soldaten sind Helfer, Schützer und Kämpfer. Auch ich bin grundsätzlich gegen Krieg. Aber solange es Krieg in der Welt gibt, kann es Teil unserer internationalen Verantwortung sein, Frieden zu erzwingen. Auch mit Gewalt.»

Der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan sei zu Beginn falsch eingeschätzt worden: «Wir dachten, wir sind ein halbes Jahr da», so De Maizière. Dass es mittlerweile zehn Jahre sind, liege daran, dass nun das Ziel - nämlich Afghanistan politisch zu stabilisieren - realistischer eingeschätzt werde. Eine Prognose, wie lange deutsche Soldaten noch in Afghanistan Dienst tun werden, blieb er schuldig. 

TV-Journalist Ulrich Meyer unterstützte De Maizière und kritisierte, dass die Bundeswehr aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht mehr und mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werde. Durch die Wehrpflicht sei die Bundeswehr quasi Teil fast jeder Familie gewesen. Seit der Bundeswehrreform werde sie in der Gesellschaft kaum noch wahrgenommen.  

Heißt Ostdeutsch gleich Unterschicht?

War es ein Fehler, die Wehrpflicht auszusetzen? Der eingespielte Kommentar des Historikers Michael Wolfsohn lieferte eine höchst diskriminierende Antwort: Nun melde sich nur noch zum Dienst, wer Geld brauche. Ergo jene, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hätten, ergo «Menschen aus der Unterschicht, also Ostdeutsche.»

Viele Zuschauer konnte kaum glauben, was sie da gerade gehört hatten. Hat dieser Historiker tatsächlich Ostdeutsche mit der Unterschicht gleichgesetzt? Empörend, dass dieser Herr Dozent an der Bundeswehruniversität in München lehrt. 

Auch Thomas De Maizère reagierte entsetzt und schimpfte: «Unerhört. Der lebt ja auf einem anderen Stern.» Junge Soldaten, die nach 1990 geboren sind, haben die deutsche Teilung nie erlebt und würden durch derartige Kommentare diffamiert. 

Nachdem sich De Maizère wieder beruhigt hatte, brachte er sein Anliegen nochmal auf den Punkt: «Ja, es gibt immer Pro und Contra bei den Einsätzen. Aber zu unseren Soldaten stehen wir.» Darum sollte es einen nationalen Ehrentag für deutsche Soldaten geben. Wahrlich nicht der schlechtestes Kommentar des Abends.

kls/news.de

Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • BernhardR
  • Kommentar 9
  • 13.06.2012 12:21

Der Cousin des heutigen Kriegsministers, Lothar de Maiziere hat, zusammen mit dem Pfarrer Eppelmann die Soldaten der DDR nach Hause geschickt. Thomas, machs genauso! Such Dir einen Pfarrer, vielleicht Frau Käßmann, und schick die Bundeswehr nach Hause.

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  • ART
  • Kommentar 8
  • 13.06.2012 09:16
Antwort auf Kommentar 3

Da hat der "bayern-ben"(ben lelev,K3) ja alles "rechtsranzige"untergebracht! Von ROT/GRÜN,dem arabischen Terrorismus, Zionisten, bigotten USA und den Evangelikaten.Keine reife Leistung,eher matschige vermoderte Denkweise. Das ist der "Gruften-Dunst"unter den schwarzen und purpurnen Rockträgern.

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  • Konrad Beck
  • Kommentar 7
  • 12.06.2012 20:26

Ja unbedingt weil sie irgentwohingeschickt wurden wo sie nichts zu suchen hatten.Deshalb stehe ich zu unseren Soldaten. Auserdem. Die Soldaten wussten im voraus auf was sie sich einliesen wenn sie sich freiwillig melden,dann müsste ihnen dies im klaren gewesen sein,dass sie nicht nur die gute Bezahlung in Kauf genommen haben,sondern auch die Qonzekuenten.

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