TV-Jubiläum Das Geheimnis von Star Trek

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Beinahe hätten es Kirk und Co. nicht geschafft, in der deutschen TV-Landschaft Fuß zu fassen. Schuld war das ZDF - vor 40 Jahren. Doch Star Trek hat sich seinen Posten erkämpft, eben auch dank des ZDF. Und so viel Star Trek wie heute gab es noch nie im deutschen Fernsehen.

Für eine Sache kann sich das ZDF auf jeden Fall auf die Schultern klopfen: Kein anderer Sender hat es geschafft, dem deutschen Fernsehpublikum eine Serie zu kredenzen, die auch 40 Jahre nach ihrer ersten Ausstrahlungen nicht aus den Programmplänen der Sender wegzudenken ist. Am 27. Mai 1972 ging Raumschiff Enterprise (Star Trek - The Original Series) zum ersten Mal auf Sendung. Eine Zukunftsvision für das 22. Jahrhundert - gedreht in den 1960er Jahren.

Gesellschaftskritik, Technikvisionen und der Machismo Captain James «Jim» Tiberius Kirks (William Shatner) allerdings gingen damals so gut wie vollkommen flöten. Das ZDF hatte die Science-Fiction-Serie als Kindersendung eingestuft, entsprechend flapsig synchronisiert und - ganz prüde - jedes auch nur angedeutete sexuelle Element kindgerecht bereinigt. Obendrein wurde strickt auf 45 Minuten Sendezeit gekürzt, was das Zeug hielt.

Star-Trek-Kult im deutschen Fernsehen

Mit dem arrogant überzeichneten Selbstbewusstsein Kirks, der analytisch-kalte Logik des Wissenschaftsoffiziers Spock und der feinen Ironie des Schiffsmedziners Pille McCoy kam das deutsche Publikum erst in Berührung, als mit den Star Trek-Filmen in den 1990er Jahren die Trekkie-Manie so richtig an Fahrt gewann - und das ZDF den Nachfolger des ersten Enterprise-Abenteuers Raumschiff Enterprise - Die nächste Generation (Star Trek - The Next Generation) ausstrahlte. Diesmal allerdings, ohne den Plot zu infantilisieren.

Kirks Seriennachfolger, Captain Jean-Luc Picard (Patrick Steward), war vorerst allerdings der letzte Sternenflottenoffizier, der im ZDF den Befehl zum Weiterflug zu neuen Abenteuern gab. Star Trek wechselte in Deutschland ins Privatfernsehen. Deep Space Nine, Voyager und Star Trek: Enterprise unternahmen die Reise zu den Fans der Sternenabenteuer bei Sat.1.

Dass Star Trek eine internationale Fan-Gemeinde um sich scharrte, wie es heute fast nur noch musikalischen Überfliegern gelingt, ist allerdings nicht nur auf die Utopie, von einer schöneren, besseren Welt ohne soziale Konflikte, Kriege und Neider zurückzuführen. Auch wenn diese Vision des Serien-Schöpfers Gene Roddenberry alle mehr als 700 Folgen der TV-Serie und die - bislang - elf Kinofilme dauerhafte prägte.

Star Trek beflügelt Ingenieure

Vieles hat zum Erfolg der Serie beigetragen: So waren und sind die meisten Episoden stark gesellschaftskritisch orientiert - von der Aufhebung der Rassentrennung über die Loslösung von überkommenden Männer- und Frauenbildern bis zur Tatsache, dass materielle Werte keine Rolle mehr spielten. In keiner anderen Science-Ficition-Serie boten zudem die Charaktere so hervorragende Kontrapunkte zueinander und der Einfallsreichtum bei den Requisiten und Kulissen war immer für eine Überraschung gut.

Vor allem aber hat Star Trek dem Publikum Entgrenzung geboten - zumindest in der Vorstellungskraft. Die TV-Serie ließ nach den Sternen greifen: Die Zuschauer waren nicht mehr auf das Leben des Planeten Erde begrenzt. Sie konnten sich in Lichtjahre entfernte Galaxien träumen und bekamen die Idee an die Hand, dass die Menschheit nicht die einzige intelligente Rasse im Universum sei - auch wenn vergleichsweise nur wenige Kreaturen in den Episoden zu sehen waren, die nicht auf zwei Beinen ihren großen Auftritt hatten.

«Star Trek Online»
Quer durch die Galaxie

Darüber hinaus haben Kirk, Picard und Co. aber auch das Alltagsleben beflügelt: Die Computertechnologie hat sich in der Realität schneller entwickelt als in dem Star Trek-Jahrhundert. Und auch wenn Technologien wie Traktorstrahl, Materietransporter und Warp-Antrieb von den meisten Wissenschaftlern als spinnerte Idee abgetan wurde. Es gibt manchen Tüftler, der hier noch längst nicht alle Messen gesungen sieht.

So berichtete etwa das Internetportal winfuture.de im Jahr 2008 von zwei Forschern, die in einem Positionspapier durchrechneten, dass ein Überlichttriebwerk tatsächlich möglich wäre. Vorausgesetzt, die Menschheit ist in der Lage, ein Triebwerk zu bauen, dass die planetare Energie des Jupiter aufbringen könnte. Und schon 2004 meldete das Handelsblatt mit Bezug auf das Fachmagazin Nature, dass einzelne Atome von einem Punkt zu einem anderen teleportiert werden konnten. Für einen ganzen Menschen oder Gegenstände ist das zwar reichlich wenig, aber immerhin ein Anfang.

24 Stunden Star Trek im Fernsehen

Star Trek hat also in vielerlei Hinsicht dazu beigetragen, dass wir nicht nur nach den Sternen greifen, sondern tatsächlich darüber nachgedacht wird, ob die Menschheit - wenn unsere Sonne einmal zur Supernova wird - sich im Weltall neu ansiedelt. Eine Vorstellung, die wohl auch so mancher Star-Trek-Schauspieler mit auf seinen Lebensweg genommen hat. Nur einer allerdings hat es tatsächlich gewagt, die Erde dauerhaft hinter sich zu lassen: James Doohan - alias Chefingenieur Montgomery «Scotty» Scott fand im Mai 2012 seine letzte Ruhestätte im All. Eine Falcon-9-Rakete brachte die Asche des Schauspielers zu den Sternen.

«Star Trek»
Das Prinzip Hoffnung
Video: news.de

Doch auch wenn für manchen der Schauspieler aus Star Trek - The Original Series die letzte Reise schon naht, von der Serie und ihren Ablegern müssen sich die Fans nicht verabschieden. Zum 40. Jahrestag der Erstausstrahlung widmet ZDFneo der Serie einen ganzen Sendetag.

Ab Samstagabend heißt es im Spartenkanal: «Happy Birthday, Enterprise!» Ganze 24 Stunden lang können die Zuschauer diverse Folgen der Serie anschauen, die sie zu den beliebtesten gewählt haben. Ab 15.30 Uhr werden am Sonntag die Top-10 des Zuschauervotings ausgestrahlt.

Wer das verpasst, muss allerdings auf Star Trek nicht verzichten. Hier sind weitere Sendeplätze:

Raumschiff Enterprise (The Original Series), montags bis freitags, ab 17.25 bzw. 17.45 Uhr auf ZDFneo.

Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert, montags bis freitags, ab 17.15 Uhr auf Tele 5.

Star Trek - Deep Space Nine, montags bis freitags, ab 18.10 Uhr auf Tele 5.

Star Trek - Raumschiff Voyager, zwei Folgen jeweils donnerstags, ab 20.15 Uhr auf Tele 5.

sca/jag/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sven Forbis
  • Kommentar 1
  • 28.05.2012 13:00

Star Trek ist in der Tat etwas mehr als nur Utopie. Es geht hier um eine bessere Welt, in der nicht mehr die Zerstörung der Erde und Vernichtung der Menschheit im Vordergrund steht. Sie zeigt uns, dass eine Welt auch ohne Aktien, Börsen, Geld und Gewinnmaximierung funktionieren kann. In dieser Welt dient jeder Mensch der gesamten Menschheit und nicht um irgendwelche Fantasien von Großkonzernen zu befriedigen. Der Mensch wird keinen Repressionen und Zwängen mehr ausgesetzt sein. Er wird leben können, ohne sich zu Lasten anderer zu entwickeln. Der Mensch macht Dinge, die dem Wohl aller dienen.

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