«Tatort» im Ersten Die Schweiz probiert's nochmal

Tatort (Foto)
Im Zimmer der Ermordeten findet Kommissar Flückinger Hinweise. Bild: ARD

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Sollte man dem Tatort aus der Schweiz eine Chance geben? In Skalpell stirbt ein Kinderarzt, junge Frauen bringen sich um und dazwischen versuchen die Darsteller, den ersten Tatort aus dem vergangenen Sommer vergessen zu machen. Denn der war schlecht. Sehr schlecht.

Der erste Versuch war grandios gescheitert - trotz Schmollmund, zweier Sexszenen und einem Star aus CSI Miami. Der erste Tatort aus der Schweiz seit zehn Jahren, Wunschdenken, fand weder Gnade vor den Fernsehzuschauern noch vor den Kritikern. Ideenlos, hanebüchen, absurd - um nur einige der Kritikpunkte zu nennen.

Heute Abend läuft nun der zweite Tatort aus dem Nachbarland. Ohne den Schmollmund auf zwei Beinen, der bekennenden Scientologin Sofia Molis, sondern mit neuer Kollegin. Liz Ritschard (Delia Mayer) heißt die und ist um Längen besser als das, was uns im vergangenen Sommer als Schauspielerin präsentiert wurde. Sicherlich: In diesem Fall ist es einfach, besser zu sein. 

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Es dreht sich um Geschlechter, nicht um Sex

Leider leidet Skalpell darunter, dass der Zuschauer die ersten 20 Minuten massiv unter der Voreingenommenheit leidet, die Wunschdenken ausgelöst hat. Ist man allerdings bereit, sich auf den zweiten Versuch aus der Schweiz einzulassen, bietet er interessante Krimikost.

Bei einem Waldlauf wird der berühmte Kinderarzt Dr. Peter Lanther erschossen. Erste Hinweise, es könnte sich um ein Beziehungsdrama handeln, zerschlagen sich recht schnell. Stattdessen finden die Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard weitere Leichen - Selbstmorde junger Mädchen, die eines gemeinsam haben: Sie alle wurden als Zwitter geboren, waren als Säuglinge weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen - und wurden von Lanther behandelt.

Wer darüber hinwegsehen kann, dass teilweise grauselig synchronisiert wurde (ein Problem, das bei den kommenden Folgen - sollte es denn welche geben - dringend behoben werden sollte), der wird einen durchaus spannenden Film sehen. Das Thema Intersexualität hat bisher kaum Eingang in die gesellschaftliche Diskussion genommen. Dieser Tatort versucht zumindest, einen Ansatz zu bieten.

Also: Sollte man dem zweiten Versuch der Schweizer eine Chance geben? Ja. Eine Steigerung ist der zweite Tatort auf jeden Fall. Grandios hingegen ist anders. Dazu fehlt einfach der charakterliche Tiefgang der Hauptpersonen. Aber dieser Makel könnte ja - neben der Synchronisation - in einem dritten Teil behoben werden. 

Tatort: Skalpell, Montag, 28. Mai 2012, 20.15, Das Erste

jag/news.de

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