Jubiläum bei «GZSZ» 5000 Mal Intrigen, Sex und Tod

Mit dem Satz «Was ist denn?» und katastrophalen Einschaltquoten fing 1992 alles an: Jetzt feiert die erfolgreichste Daily Soap Deutschlands, Gute Zeiten Schlechte Zeiten, die 5000. Folge typischerweise mit viel Drama, Sex und Tod.

GZSZ, AWZ etc.: Sexy Soap-Sternchen
zurück Weiter Sila Sahin ist im wahren Leben wie in der Serie mit Spielpartner Jörn Schlönvoigt liiert. In ihrer Freizeit widmet sich die Berlinerin dem Ballett und Fitness. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: RTL / Bernd Jaworek

Moderator Thomas Gottschalk löste eine verlorene Wette ein, Kabarettist Herbert Feuerstein spielte einen Chemieprofessor und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder war in seiner Ministerpräsidenten-Zeit als Hochzeitsgast dabei. Bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten, der ältesten und erfolgreichsten Daily Soap im deutschen Fernsehen, gab sich die Prominenz die Ehre. Am morgigen Mittwoch läuft die 5.000 Folge auf RTL - wieder mit bekannten Gästen. Unheilig, Mia und Aura Dione sind zum fiktiven «Mauer-Flower»-Festival in der Serie angekündigt.

Vor 20 Jahren, am 11. Mai 1992, ging GZSZ auf Sendung. Den ersten Satz sprach Clemens Richter (Frank-Thomas Mende) - er fragte: «Was ist denn?». Er war mit seiner Frau Vera aus dem Urlaub zurückgekehrt und beide erklärten ihrem Sohn Heiko, dass sie sich scheiden lassen werden. Indes wollte sich Lehrerin Elisabeth Meinhart das Leben nehmen, weil sie sich unheilbar krank wähnte.

GZSZ in Zahlen: 5000 Folgen Hass und Liebe

Der Stoff für GZSZ stammte aus Australien. Die Drehbücher wurden zunächst eins zu eins von der australischen Soap The Restless Years übernommen. Die Quoten waren schwach. Helmut Thoma, der die Serie damals als RTL-Chef ins Programm holte, sagte vor einigen Jahren der Financial Times Deutschland: «Das erste Jahr war eine Katastrophe.» Kaum 800 000 schauten am Anfang zu. Mit der zunehmenden Loslösung von der australischen Vorlage stieg die Quote.

Heute schalten durchschnittlich vier Millionen Zuschauer ein, wenn um 19.40 Uhr mit der Titelmelodie «Ich seh in dein Herz, sehe gute Zeiten, schlechte Zeiten, ein Leben, das neu beginnt ...» eine neue Folge beginnt. Die Themen sind altbekannt: Liebe, Freundschaft, Alltagsprobleme, Intrigen, Drogensucht.

«'GZSZ' ist so ein bisschen der Ersatz für den Tratsch im Treppenhaus, die Kommunikation mit den Nachbarn», sagte Schauspieler Wolfgang Bahro, der seit 1993 die Rolle des fiesen Anwalts Jo Gerner übernimmt, im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Er ist inzwischen der dienstälteste Schauspieler bei GZSZ.

Millionen Fans klickten Videos zu Verenas Serientod

Die letzten Schauspieler der ersten Stunde, Lisa Riecken und Frank-Thomas Mende, stiegen 2010 aus - wenn auch ihre Charaktere Elisabeth und Clemens in der Serie nach wie vor leben, nur eben in Kanada beim Sohn von Clemens. Rückkehr also nicht ausgeschlossen.

Anders als bei anderen Aussteigern. Bisher gab es in der Seifenoper mehr als 40 Todesfälle. Einen Höhepunkt im Netz erreichte GZSZ im August 2011 mit dem Serientod von Verena Koch (Susan Sideropoulos): Im Schnitt werden auf www.gzsz.de laut RTL im Monat 1,3 Millionen Videos angeschaut, viele davon sind extra für die Internetseite produziert. Die Berichte und Interviews zum tödlichen Unfall der beliebten, toughen Verena sahen in dem Monat 3,56 Millionen Menschen.

Solchen traurigen, «schlechten Zeiten» im Serien-Kosmos stehen dann wieder «gute» gegenüber: 25 Mal wurde bei GZSZ bisher geheiratet. Und auch in der Jubiläumswoche zur 5000 Folge steht ein Heiratsantrag bevor.

Die jeweils aktuellen Schauspieler der 20-köpfigen Stammbesetzung genießen unter vielen Jugendlichen Kultstatus. Sprungbrett zu einer größeren Karriere war GZSZ dennoch nur für wenige der inzwischen mehr als 200 Hauptdarsteller: Alexandra Neldel machte mit der Telenovela Verliebt in Berlin und Filmen wie Die Wanderhure von sich reden, Yvonne Catterfeld und Jeanette Biedermann sangen sich in die Charts und sind ebenfalls als Schauspielerinnen in Deutschland etabliert.

GZSZ-Duschgels und Zahnbrillanten

Rund um die Soap hat sich ein perfektes Merchandising entwickelt: Es gibt Duschgels für «Gute Zeiten» und «Schlechte Zeiten», ein GZSZ-Telefon, einen Zahnbrillanten ... Die Serie scheint eine Goldgrube zu sein. Tatsächlich hat die Kult-Soap 2011 gegenüber den beiden Vorjahren bei den Quoten noch um ein paar Hunderttausend Zuschauer zugelegt. Alles scheint aber nicht machbar: Der Serienableger Großstadtträume von 2000, der laut RTL erwachsener wirken und der einige frühere Charaktere weiterführen sollte, wurde nach sieben Folgen eingestellt.

Grundsätzlich befinden sich Daily Soaps nicht auf dem absteigenden Ast, meint der Geschäftsführer der GZSZ-Produktionsfirma Grundy UFA, Rainer Wemcken. «Es ist sicherlich schwieriger geworden, eine tägliche Serie neu am Markt zu etablieren», sagte er im dapd-Interview. Das liege unter anderem daran, dass die Anfangsinvestitionen bei einer fiktionalen täglichen Serie viel höher seien, als etwa bei den im Nachmittagsprogramm so beliebten Scripted Reality-Formaten.

Am Erfolg der festen Größe GZSZ wollen viele teilhaben: Glückwünsche zum Jubliäum kamen unter anderen von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. «An meinen Gastauftritt erinnere ich mich immer noch gern zurück», äußerte er laut RTL. Die «enge Verbundenheit zu Berlin», wo die Serie spielt und immer wieder produziert wird, freue ihn besonders.

boi/news.de/dapd

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