«Polizeiruf 110» Im Ersten werden Bullen geklatscht

Es ist der vorletzte Einsatz für die Hallenser Polizeiruf 110-Ermittler Schmücke, Schneider und Lindner. Das behäbige Trio bekommt es in der Episode Bullenklatschen mit dem Tod einer Kollegin zu tun, bei dem so gar nichts zusammenzupassen scheint.

«Polizeiruf 110»: Die aktuellen Ermittler
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Nächtliche Ruhestörung. Ein Routineeinsatz für Streifenpolizistin Ilka Grein (Theresa Scholze) und ihren Kollegen. Doch als die beiden bei der Party im Hof eintreffen, eskaliert die Situation. Flaschen fliegen, Feuerwerkskörper explodieren, Anwohner gehen auf die Polizisten los. «Wir brauchen Hilfe, wir werden angegriffen!», meldet Grein noch dem Revier, dann verliert sie das Bewusstsein. Die Verstärkung findet das pure Chaos vor. Und einen erschossenen Polizisten.

Bullenklatschen ist die Bezeichnung für Gewalt gegen Polizisten und der Titel des vorletzten Falls für das Duo Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) in der ARD-Krimireihe Polizeiruf 110. Seit 1996 ermitteln die beiden 66 und 69 Jahre alten Schauspieler als Hauptkommissare in Halle. Im Frühjahr 2010 stieß die 32-jährige Isabell Gerschke als Oberkommissarin Nora Lindner zu den Herren, denen immer mal wieder vorgeworfen wird, sie hätten den «Charme von Gartenzwergen» (Spiegel) oder seien «die langweiligsten aller Polizeiruf-Ermittler» (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

40 Jahre «Polizeiruf 110»: DDR und Wende getrotzt
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Gemessen an der Quote (die Episode Die Raubvögel im März sahen 8,12 Millionen Zuschauer, Marktanteil: 21,9 Prozent) gehört das Trio zu den erfolgreichen Polizeiruf-Teams. Trotzdem ist im nächsten Frühjahr nach der 50. Folge Schluss für die Hallenser Ermittler.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat beschlossen, Schmücke und Schneider in Rente und Lindner alias Gerschke in ein anderes Revier zu schicken: Die blonde Schauspielerin ermittelt ab Herbst in der ARD-Vorabendreihe Heiter bis tödlich in die Akte Ex als Kommissarin in Weimar und Umgebung.

Die mühsame Kleinarbeit der Ermittler

Der vorletzte Krimi des Trios ist zwar kein Bravourstück, aber ein solider, durchaus logisch aufgebauter Film, der die mühsame Kleinarbeit der Ermittler schildert: Analyse von Geschossprofilen und Fingerabdrücken, Vernehmungen und Gegenüberstellungen. Die Situation ist verzwickt, das Beziehungsgeflecht der Beteiligten undurchschaubar.

Ilka Grein hatte ein Verhältnis mit dem erschossenen Kollegen Nils Rotter (Daniel Breitfelder) und könnte die Täterin sein. Die tödliche Kugel stammt aus einer Polizei-Pistole. Schon vor der Tat war sie extrem nervös. Die Erinnerung an einen früheren Einsatz quälte sie. Damals hatte Rotter auf einen Autofahrer geschossen - aus Notwehr, wie er später im Prozess behauptete. Johannes Majewski (Gerdy Zint), der Autofahrer, der seinerzeit zu sieben Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt worden war, war als Haftfreigänger Gast auf der Hofparty. Ebenso Jürgen Baumann (Sergej Moya), ein Autonomer, der bereits bei diversen Ausschreitungen auffällig geworden war und vorbestraft ist wegen illegalen Waffenbesitzes.

Schmücke und Schneider arbeiten sich gewohnt behäbig an die Lösung des Falls heran. Und Lindner, die bislang ein wenig frischen Wind in den angestaubten Hallenser Polizeiruf gebracht hat, lässt sich diesmal von der Behäbigkeit ihrer erfahrenen Kollegen anstecken. «Warum erfahren wir das erst jetzt?», ruft sie ziemlich erstaunt an einer Stelle, an der der Zuschauer längst kapiert hat, dass das etwas lief zwischen Grein und Rotter.

 «Die Weigand muss her!»

Überhaupt sind die drei Kommissare in dem Krimi häufig verdutzt und verdattert und müssen Rosamunde Weigand (Marie Gruber) von der Kriminaltechnik ein ums andere Mal zu Hilfe rufen («Die Weigand muss her!»), die Spuren in dem Chaos zu ordnen. Das alles wirkt nett und harmonisch, ist aber frei von jeglichen Überraschungsmomenten. Am Ende ist der Fall gelöst - und der Frust groß. Denn der Hauptschuldige kann nicht mehr belangt werden.

Im Sommer drehen Schwarz, Winkler und Gerschke ihren letzten gemeinsamen Polizeiruf mit dem Titel Tödliche Entscheidung. «Wir hätten gerne noch ein Jahr weitergemacht», äußerten sich Schwarz und Winkler in verschiedenen Interviews. Der MDR hat anders entschieden und verlegt den Polizeiruf demnächst nach Magdeburg. Wer Nachfolger wird, ist noch offen. Im Forum der Internetseite der ARD hält sich die Trauer über den bevorstehenden Abschied des Hallenser Trios in Grenzen. «Höchste Zeit für die Pensionierung», schreibt ein Fan.

Polizeiruf 110: Bullenklatschen, Sonntag, 20. Mai 2012, 20.15, Das Erste

rut/news.de/dapd

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