Skandal bei Jauch Zuschauer-Rausschmiss sorgt für Riesen-Eklat

Günther Jauch
Der bübchenhafte Schelm

Tobias RüsterVon news.de-Redakteur
Blamage mit Ansage: Nach der Wahl in Schleswig-Holstein schlugen sich bei Günther Jauch die Politikgrößen die Köpfe ein, bis ein Protestler die Bühne stürmt und prompt aus dem Studio geschmissen wird. Doch nicht mit Günther Jauch!

Eigentlich hätte man angesichts der Umstände der gestrigen Folge Günther Jauch eine Sendungskritik schon vorab schreiben können und niemand hätte den Unterschied bemerkt. Besagte Umstände waren zum einen die gerade beendete Landtagswahl in Schleswig-Holstein, zum anderen die anstehende Wahl in Nordrhein-Westfalen und natürlich die daraus resultierenden Gäste. In diesem Fall waren das Renate Künast, Gregor Gysi, Klaus Wowereit, Christian Lindner, Johannes Ponader und Norbert Röttgen.

Man hätte sich bereits kurz nach der ersten Hochrechnung aus Schleswig-Holstein hinsetzen können und schreiben, wie es bei der späteren Sendung Günther Jauch wohl zugehen würde. Man würde schreiben, dass sich nach dieser Wahl jede Partei gefreut hätte, weil sie ja der eigentliche Gewinner der Wahl sei.

Wenn alle gewinnen, wer hat dann verloren?

SPD und Grüne seien die Gewinner, würde Frau Künast sagen, schließlich sei Schwarz-Gelb ja abgewählt. Die CDU wiederum würde in Gestalt von Norbert Röttgen entgegnen, die CDU sei der eigentliche Gewinner, schließlich sei sie trotzdem noch stärkste Partei und für Rot-Grün würde es nicht zur Regierung reichen. Kollege Lindner würde hinzufügen, der Gewinner sei die FDP, schließlich habe Parteifreund Kubicki mit einem klaren Profil den Abwärtstrend der FDP umkehren können.

Am schwersten an diesem Abend, so hätte man schreiben können, hätte sich Gregor Gysi mit dem Gewinnervokabular getan, schließlich hat seine Linke es nicht in den Landtag geschafft. Aber Gysi wäre nicht Gysi, hätte er nicht die Wahl in Frankreich für sich genutzt, bei der es Hollande angeblich nur mithilfe der dortigen Linken zur Mehrheit geschafft hätte. Am Ende, so hätte man geschrieben, wäre natürlich auch Gysi damit aus seiner Sicht ein Gewinner gewesen. Der eigentliche Gewinner seien aber die Piraten um deren politischen Geschäftsführer, Herrn Ponader, gewesen. Schließlich hätten die es auf knapp 8 Prozent gebracht.

Nach der Aufarbeitung der Wahl wäre dann auch schon wieder Wahlkampf gewesen, so hätte man geschrieben. Die Parteienvertreter wären, wie man es schon so oft gesehen hat, über einander hergefallen. Sie hätten sich angeschrien, wären dem anderen ins Wort gefallen und hätten ihn der Lüge bezichtigt. Jeder hätte beteuert, er wolle endlich über Inhalte, die ihm wichtig seien, reden und hätte danach trotzdem nur den anderen niedergemacht.

Ja, all das hätte man schon am frühen Abend schreiben können, statt bis in die Nacht aufzubleiben. Denn so ist es in der Sendung dann auch abgelaufen. Und genau hier beginnt die eigentliche Unverschämtheit, denn Moderator Günther Jauch hätte das wissen müssen. Ebenso hätte er wissen müssen, dass eine Gästeliste, die nur aus Politikern im Wahlkampf besteht, zu einem schreienden Affentheater führen würde. Und vor allem hätte er wissen müssen, dass es bei einer solchen Sendung mit lauter vermeintlichen Gewinnern nur einen Verlierer geben kann: den Zuschauer.

Johannes Ponader, die Kopfschmerztablette im Politik-Gebrüll

Dass sich aber die Faust des Gebührenzahlers angesichts der offensichtlichen Nutzlosigkeit einer solchen Sendung am Ende doch nicht ballte, lag nicht etwa an einem beherzten Moderator, sondern an einem Gast. Schließlich saß mit Johannes Ponader jemand im Kreis, der sich dem Gezeter und dem Profilierungsgebaren seiner etablierten Politkollegen so sehr zu entziehen versuchte, dass er in der kläffenden Runde auffiel wie ein Amboss in einem Wirbelsturm.

Der politische Geschäftsführer der Piraten saß in einer entwaffnenden Gelassenheit da und ließ die Fragen und Provokationen seiner politischen Gegner über sich ergehen, die ihm auch mit ihren rhetorischen Kniffen nichts anhaben konnten. Da konnten sich Lindner, Wowereit und Co. noch so bemühen, den Piraten eine Monothematik und Inhaltslosigkeit anzudichten, Ponader hielt allen Versuchen, ihn und seine Partei kleinzureden, stand. Und das ganz ohne Geschrei.

Ponader redete nur, wenn er gefragt wurde und ließ die anderen ausreden. Das ist zwar das, wozu Eltern ihre Kinder erziehen, in der Politik scheint sich aber nur der durchzusetzen, der am lautesten schreit – zumindest war das bisher so. Für Ponader ist aber genau diese neue Diskussionskultur ein Erfolgsfaktor der Piraten. Als er zwischen all dem Geschrei der anderen Gäste von Günther Jauch angesprochen wird, meinte er nur: «Wenn ich mir das hier anschaue, weiß ich, warum die Leute zu uns laufen.»

Etwas anders interpretiert könnte das auch das Fazit dieses lauten Abends sein. Wo früher die Eltern dem plärrenden Kind in einer Diskussion sagten «Wer schreit, hat Unrecht», müsste man den plärrenden Vertretern der etablierten Parteien nach diesem Abend sagen: «Wer schreit, hat Angst.»

Erst Rausschmiss, dann zurückgeholt

Und noch einer machte mit ordentlich Geschrei auf sich aufmerksam: Mitten in der laufenden Sendung stürmt ein junger Mann schreiend in Richtung Bühne. Im nächsten Moment stürzen sich gleich mehrere Sicherheitsleute, wohl Personenschützer Wowereits und Show-Security-Personal, auf ihn und überwältigen der Eindringling, bevor dieser ziemlich unsanft aus dem Studio geworfen wird.

Doch nicht mit Moderator Günther Jauch: Der springt sofort aus seinem Sessel und raunzt die Sicherheitsbeamten an: «Entschuldigung! Hier wird keiner einfach aus der Sendung wie in der Ukraine rausgehauen.» Doch der Protestler ist bereits aus dem Sendestudio abgeführt worden.

Daraufhin lässt Jauch den unliebsamen Störer zurückbringen und maßregelt ihn gehörig: «Es kann nicht der Sinn der Sache sein, dass irgendjemand sich hier reinsetzt und dann das, was er gerne in der Sendung verhandelt haben möchte, was aber nicht Gegenstand der Sendung ist, dass das im Grunde dann so mit Gewalt reingedrückt wird. Ihnen soll keine Gewalt angetan werden, aber wir können auch nicht auf diese Weise dann das Thema hier besprechen.»

Der unliebsame Protestler, wohl Student der Berliner Schauspielschule Ernst Busch, richtete sich mit seiner Aktion augenscheinlich gegen Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dessen Senat, der einem Neubau der Schule aus Kostengründen kurzfristig einen Riegel vorgeschoben hatte.

Dazu hatte sich bereits am vergangenen Samstag Wolfgang Engler, der Rektor der Hochschule, geäußert. Nicht unbedingt weniger drastisch rief er dazu auf, den «Amoklauf einiger Abgeordneter» bei den Haushaltsberatungen über die Zukunft der Hochschule «zu stoppen». Dennoch versprach Günther Jauch dem Eindringling, er werde versuchen, einen Dialog mit Klaus Wowereit anzustreben.

boi/news.de

Leserkommentare (44) Jetzt Artikel kommentieren
  • Fantasia
  • Kommentar 44
  • 10.05.2012 17:08

Die Piraten sind völlig überbewertet!

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  • hpklimbim
  • Kommentar 43
  • 10.05.2012 07:01
Antwort auf Kommentar 38

Wenn das Angebot und die politische Grundrichtung stimmen würden, hätten wir nicht den Zustand, dass regelmäßig bald 50 % der Wähler (Anteile der Piraten hier ausgenommen) bei den Wahlen zuhause bleiben. Den von Ihnen angeregten Gesundschrumpfungsprozeß dürfen Sie gerne auch den Konservativen andichten. Denn wirklich Brauchbares hat man seit der letzten Bundestagswahl nicht gesehen. Und die wirtschaftliche Germanisierung Europas nähert sich ihrem Ende. Die Bürger der betroffenen und wirtschaftlich ausgebluteten Länder werden uns dafür eines Tages mehr hassen als seinerzeit Hitler`s SS!

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  • janatolla
  • Kommentar 42
  • 09.05.2012 14:30

Christian Lindner übernahm die Gesprächsführung - ohne Jauch zu bemerken, weil Jauch es selbst nicht bemerkt hat. Jauch interessierte sich nur wenig für die Inhalte des wichtigsten Teilnehmers an diesem Abend - also Ponader - damit keine professionelle Moderation (er wird trotzdem g u t bezahlt, der Jauch) - vorbildlich jedoch seine Reaktion auf den "Rausschmiß" des "Unerhörten" - darum sollte der "Sender" dem J a u c h das doppelte seines sonst so schmalen Honorars gönnen und auch überweisen ! Und zu 38 ist zu sagen: Kampf den "Eliten" - die richten die Welt zu Grunde. Oder n i c h

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Günther Jauch in der ARD: Affentheater und Skandal-Rausschmiss » TV » Unterhaltung

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