Sat.1-Thriller Multikulti-Hetzjagd in Wien

Sat.1-Thriller Verfolgt - Der kleine Zeuge verspricht Spannung (Foto)
Der kleine Tao (Kevin Fang) soll getötet werden, weil er zwei Polizisten beim Morden überrascht hat. Doch der Taiwanese weiß sich durchaus zu wehren.   Bild: Sat.1/Silvia Zeitlinger

Von Oliver Zimmermann
Ein kleiner taiwanesischer Junge findet bei einer blinden Deutschen Unterschlupf. Gemeinsam sind sie in Verfolgt - Der kleine Zeuge auf der Flucht vor der Russenmafia. Ein Thriller, der trotz multikulturellen Durcheinanders viel Spannung verspricht - heute Abend bei Sat.1.

Im Sat.1-Thriller Verfolgt - Der kleine Zeuge geht es heute Abend zur Sache. Mitten in Wien kommt es zu einer blutigen Fehde zwischen der asiatischen und der russischen Mafia. Auch auf einen taiwanesischen Jungen haben es die organisierten Verbrecher abgesehen. Doch das Kind findet ausgerechnet bei einer von Marie Zielcke gespielten Blinden Unterschlupf. Das klingt nach einem gehörigen Durcheinander, weiß aber durch ein angemessenes Ambiente, starke Darsteller und überraschende Wendungen zu gefallen.

Erst seit wenigen Tagen ist der achtjährige Tao in Wien. In dem chinesischen Restaurant seiner Verwandten wartet der kleine Taiwanese auf die Ankunft seiner Mutter, als ein zweiköpfiges Killerkommando der Russenmafia die gesamte Belegschaft erschießt. Nur Tao gelingt die Flucht. Ziellos irrt der schüchterne Junge daraufhin ohne Deutschkenntnisse durch die Stadt. Bis er zufällig auf die blinde Ester trifft.

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Gemeinsam flüchten sie fortan vor den Häschern. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Denn wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Killern um korrupte Polizisten, die mit der Aufklärung ihres eigenen Verbrechens befasst sind. Dadurch genießen sie bei der Hetzjagd nahezu Narrenfreiheit.

Ungewöhnliche Hetzjagd verspricht viel Spannung

Die Ausgangslage in diesem Sat.1-Thriller ist somit mehr als bizarr. Eine Frau, die nichts sieht, flieht mit einem Kind, das sich nicht verständigen kann, vor Killern im Staatsdienst. Die beiden Flüchtlinge können somit niemandem trauen. Sie sind den Handlangern der Russenmafia hilflos ausgeliefert.

Doch gerade aus diesem Umstand erzeugt der Streifen eine gehörige Portion Spannung. Es ist fesselnd mit anzusehen, wie das skurrile Paar den Polizisten ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Im Film kommt es zum Tausch der Wohnung mit einem Nachbarn oder zu einer wilden Verfolgungsjagd mit dem Auto. Wobei die blinde Ester Gaspedal und Kupplung bedient, während der kleine Tao den Wagen lenkt.

Fritz Karl überzeugt als Handlanger der Russenmafia

Dass sich die Handlung bei alldem ein wenig in Klischees verfängt, ist bedauerlich. Plump ist der Thriller allerdings nicht. So werden die beiden Polizisten nicht bloß als seelenlose Killer präsentiert. Vor allem der österreichische Darsteller Fritz Karl weiß als treibende Kraft der Gegenseite zu überzeugen.

Der von ihm gespielte LKA-Beamte Decker war früher einmal ein Held, bis ihm das Schicksal übel mitspielte. Seine Frau starb an Leukämie und mit seinem Sohn hat er seit Monaten nicht mehr gesprochen. Decker ist ein gebrochener Mann, dem alles genommen wurde und der daher vollkommen abgestumpft erscheint: «Vor was soll ich noch Angst haben?», stellt er irgendwann offen in den Raum.

Karl spielt in dem Fernsehfilm den interessantesten, weil facettenreichsten Part. Daneben wissen aber auch Kevin Fang als kleiner Zeuge sowie Marie Zielcke als blinde Helferin zu überzeugen. Zielcke verkörpert dabei eine Frau, die erst kürzlich das Augenlicht verlor und die nun vehement darauf pocht, eigenständig zu bleiben. Von nichts und niemandem nimmt sie Hilfe an.

Von ihrem Freund hat sie sich daher getrennt und von ihrem Vater, gespielt von Mathieu Carrière, distanziert. Ausgerechnet sie, die jede Unterstützung verweigert, hilft nun plötzlich vollkommen selbstlos dem jungen Taiwanesen. Manchmal ist Hilfe von außen eben durchaus sinnvoll.

Mit dieser Erkenntnis entlässt Sat.1 den Zuschauer aus einem Thriller, der 90 Minuten lang ordentlich unterhält und trotz des multikulturellen Durcheinanders keineswegs überladen wirkt.

Verfolgt - Der kleine Zeuge, Dienstag, 24. April 2012, 20.15 Uhr, Sat.1

zij/rut/news.de/dapd

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