«Tatort» aus Frankfurt Zwischen Huren und Mördern

Nina Kunzendorf
Die sexy Waffe des «Tatorts»
Nina Kunzendorf (Foto) Zur Fotostrecke

Nina Kunzendorf und Joachim Król, das Tatort-Duo des Hessischen Rundfunks, klärt in seinem dritten Fall Es ist böse eine Mordserie an Prostituierten in Frankfurt und Offenbach auf. Grundlage ist wieder eine authentische Geschichte.

Tatort-Kommissarin Conny Mey (Nina Kunzendorf) hat ein Geheimnis. Auf brutale Gewalt gegen Frauen reagiert sie extrem und überschreitet dabei als Polizistin Grenzen. Ihre Beweggründe offenbart sie im dritten Fall des Ermittler-Duos des Hessischen Rundfunks aber noch nicht.

Ihr Kollege Frank Steier (Joachim Król) bekommt auf die Frage, warum sie von den Morden an Prostituierten derart besessen sei, keine Antwort. Dafür verrät er ihr, weshalb er so oft auf dem Büro-Sofa übernachtet. In dem Tatort mit dem Titel Es ist böse geht es um eine grausame Mordserie, die Belastungen der Polizeiarbeit und psychische Abgründe.

Flott zum «Tatort»
Auf diese Automarken setzen die Kommissare
Tatort (Foto) Zur Fotostrecke

Im Zwielicht der Bordelle

«Es ist böse» sind die ersten Worte, die Kommissar Steier seiner Kollegin am Tatort im Frankfurter Rotlichtmilieu zuruft. Gemeint sind die Brutalität und die Kaltblütigkeit, mit der ein Unbekannter die Prostituierte Ramona Förster ermordet hat. Zunächst gerät der Exmann (Uwe Bohm) des Opfers in Verdacht.

Doch dieser scheint ein Alibi zu haben, als eine zweite Frau getötet wird. Polizeikollege Seidel (Peter Kurth) und der zwielichtige Reporter Kurt Eggers (Martin Kiefer) verfolgen zugleich eine eigene Spur, die den Verdacht nährt, dass ein Serientäter bald wieder zusticht. Während sich der erfahrene Steier in den Hintergrund und auf die Fallanalyse zurückzieht, reibt sich seine Kollegin im Wettlauf mit der Zeit völlig auf.

Die machohafte Kommissarin

Im Gegensatz zu dem eher leisen Kommissar, der der entscheidenden Bedeutung von Frischhaltefolie auf die Spur kommt, tritt seine gegensätzliche Kollegin Mey mitunter geradezu machohaft auf. Ihre stets hautengen Jeansklamotten, die tiefen Ausschnitte und Stiefel wirken jedoch überzogen, insbesondere die dunkle Waffe zur weißen Röhrenjeans. Nicht überzeugend ist auch die Verteilung der Rollen zwischen den Ermittlern.

Originell ist dagegen stellenweise die Kameraführung von Armin Alker. Seine schnellen Bildwechsel bei der Rekonstruktion einer Tat und die Inszenierung der überzeichneten Beschimpfungen von Försters Nachbarin Rita Herfurth fallen auf.

Nie war der Tatort realer

Die Story basiert - wie der vorangegangene Fall (Der Tote im Nachtzug) - auf einer authentischen Geschichte aus dem Buch des Profilers Axel Petermann Auf der Spur des Bösen. In der Regie von Stefan Kornatz wird der Fall nach dem Drehbuch von Lars Kraume zwar recht unterhaltsam erzählt. Am Ende bleiben aber zu viele durch und durch düstere Klischees - gerade beim Geständnis des Serienmörders.

Der gerade gedrehte vierte Fall des Teams Mey/Steier (Im Namen des Vaters, Ausstrahlung am zweiten Weihnachtsfeiertag) und der Fünfte, für den die Dreharbeiten voraussichtlich Ende September beginnen, knüpfen ebenfalls an reale Fälle aus Petermanns Buch an, heißt es beim Hessischen Rundfunk.

Ein Schweiger und ein Vorspann

Noch nicht einen Tatort gedreht und schon in aller Munde ist hingegen Til Schweiger, der mit seiner Kritik am Tatort-Vorspann offensichtlich einen Nerv getroffen hat. Nach heftigen Protesten von ARD-Tatort-Kollegen hat sich auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) für den Erhalt des über 40 Jahre alten Vorspanns mit den Augen im Fadenkreuz und den Beinen eines Flüchtenden hinter psychedelischen Streifen ausgesprochen. «Die Tatort-Reihe (...) ist einfach Kult. Es zeugt schon ein wenig von Arroganz, wenn der Möchtegern-Ermittler Til Schweiger bereits vor der allerersten Klappe das unverwechselbare Markenzeichen des Tatorts, den Vorspann, nun abschaffen will, weil er ihn outdated findet», sagte der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz.

Schweiger wird im Herbst seinen ersten Tatort als Hamburger Ermittler drehen. Kürzlich hatte er den Vorspann der ARD-Krimireihe «outdated» und «scheiße» genannt und vorgeschlagen, ihn abzuschaffen. BDK-Chef Schulz, der selbst Kriminalhauptkommissar in Hamburg ist, meinte weiter: «Für Schweiger sollte es eine Ehre sein, einen Kriminalbeamten im Tatort spielen zu dürfen. Ein bisschen Demut für die angebotene Rolle und weniger Überheblichkeit würde ihm gut tun.»

Zuvor hatten sich bereits etliche Tatort-Schauspieler von Ulrike Folkerts über Adele Neuhauser bis zu Dominic Raacke für den Erhalt des Vorspanns ausgesprochen.

Tatort: Es ist böse, Sonntag, 22. April 2012, 20.15 Uhr, Das Erste

rut/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Tatort-Kommissare
WELCHE ERMITTLER MöGEN SIE AM LIEBSTEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige