Veronica Ferres im ZDF Die Liebe einer Junkie-Mutter

Veronica Ferres
Schauspielerin, Autorin, Superweib

Hochdramatisch, emotional und düster: Der neue Film mit Veronica Ferres ist keine Wohlfühl-Abendunterhaltung. In dem ZDF-Drama Mein eigen Fleisch und Blut sucht Ferres ihren Sohn, den sie als Teenager zur Adoption freigegeben hat - und findet einen Junkie.

Was die Rollenauswahl angeht, können sich die Fernsehzuschauer bei Veronica Ferres mittlerweile sicher sein: ihre Figuren haben stets ein schweres Päckchen zu tragen. Auch in dem Melodram Mein eigen Fleisch und Blut, heute 20.15 Uhr im ZDF, verkörpert sie wieder eine vom Schicksal gebeutelte Frau.

Franziska (Veronica Ferres) hat ihr Leben ganz der beruflichen Karriere gewidmet und es bis in die Führungsetage eines Frankfurter Pharmakonzerns geschafft. Dass sie als 15-Jährige von ihren Eltern gezwungen wurde, ihr Neugeborenes zur Adoption wegzugeben, hat sie erfolgreich verdrängt - bis dieser Schatten der Vergangenheit sie just an ihrem 40. Geburtstag wieder einholt.

Als direkte Folge geht ihre langjährige Beziehung (August Zirner) in die Brüche, dann macht sich Franziska auf die Suche nach ihrem inzwischen erwachsen gewordenen Jungen. Als sie endlich die Adoptiveltern ausfindig gemacht hat, erfährt sie, dass ihr verlorener Sohn Oliver (Kostja Ullmann) zwar in einer liebevollen Umgebung aufwuchs, sich aber zu einem hoffnungslosem Junkie entwickelt hat. »Man muss loslassen, sonst geht man selber vor die Hunde«, sagt Olivers Adoptivmutter Sylvia (Annette Paulmann) resigniert.

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Schuldkomplexe und Muttergefühle

Doch in Franziska wurden nicht nur Schuldgefühle, sondern auch der so lange vergrabene Mutterinstinkt geweckt. Es gelingt ihr, Oliver in München aufzuspüren, der dort, rückfällig geworden, mit seiner Freundin und deren Kleinkind zusammenlebt. Doch dies allein ist für 90 melodramatische Fernsehminuten noch nicht genug.

Franziska muss noch den Kontakt zu ihrem seinerzeit in schlimmen Verdacht geratenen Kindsvater (Thomas Sarbacher) und das zerrüttete Verhältnis zu ihren im beschaulichen Rosenheim lebenden Eltern wieder herstellen. Und Sohn Oliver soll bei einem kalten Entzug von seiner Drogensucht befreit werden.

Glaubwürdiges Rührstück?

Wenigstens bleibt dem Zuschauer ein allzu gefälliges und zwangsläufig unrealistisches Happy End erspart. Denn auch so ist die Story (Drehbuch Britta Stöckle) bereits mit viel zu vielen Konflikten überladen, als dass die rasanten Entwicklungen der Figuren innerhalb der Spielfilmlänge noch glaubwürdig dargestellt werden könnten.

Regisseurin Vivian Naefe (Die wilden Hühner) behilft sich in vielen Situationen deshalb mit überdeutlichem Hang zum Rührstück und zu Lasten der Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit des Ganzen. Kostja Ullmann immerhin gelingt es - unterstützt durch das Werk eines guten Maskenbildners - die psychischen Qualen der Abhängigkeit und des Entzugs eindrücklich nachfühlen zu lassen.

Gundi Ellert als Franziskas Mutter wiederum lässt in wenigen, dafür schauspielerisch umso prägnanteren Szenen die Generations- und Familienkonflikte innerhalb der Familie aufflackern. Veronica Ferres allerdings bedient sich weniger subtilen Mitteln und drückt recht undifferenziert auf die Tränendrüse, ohne aber durch ihr überraschend kühles Spiel tatsächlich berühren zu können.

Schwierige Rollenvorbereitung

«Der Film beschönigt nichts», sagt Ferres in einem ZDF-Interview. Intensiv habe sie sich zur Vorbereitung auf den Film mit der Thematik beschäftigt, beispielsweise in Gesprächen mit Experten, erzählt die Schauspielerin. Auch eine Fachärztin für Drogenentzug sei am Set gewesen. «Diese Eindrücke haben mir bei der Vorbereitung sehr geholfen, waren zugleich aber auch unglaublich belastend.», gab Ferres zu verstehen.

Kostja Ullmann, der den drogensüchtigen Sohn Oliver spielt, hat sich auf seine ganz eigene Weise vorbereitet. «Heutzutage geht man einfach ins Internet und kann sich Videos von Leuten anschauen, die gerade einen Entzug machen. Oder andere, die zeigen, was die Droge aus einem macht. Die sind erschreckend detailliert, man kann Sachen davon übernehmen und in die Rolle einbauen.» Er selbst habe aber so gut wie nie Drogen genommen. «Mit 17 oder 18 habe ich mal Marihuana probiert, als ich mit ein paar Freunden in Amsterdam war. Aber ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht Meins ist.»

Veronica Ferres hat sich nach eigener Aussage nie für Drogen interessiert. «Es mag langweilig und spießig klingen, aber ich war immer zu feige, etwas anderem so viel Macht über mich zu geben», sagte die Schauspielerin der Illustrierten Grazia. Ferres sieht beim Thema Rauschgift klar die Eltern in der Verantwortung: «Die Eltern sind in der Pflicht, die Kinder zur Selbstbestimmung zu erziehen, ihnen klarzumachen, dass Drogen alles andere als cool sind», sagte sie der Zeitschrift.

Mein eigen Fleisch und Blut, Montag, 23. April 2012, 20.15 Uhr im ZDF

rut/news.de/dpa/dapd

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