«Die letzte Spur» Verbrecherjagd im Internet

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Ein Herz für Verbrecher

Das ZDF testet mit Die letzte Spur eine neue Krimiserie am Freitagabend und setzt dabei auf interaktive Hilfe der Zuschauer. Die können sich während der Ausstrahlung im Internet an der Verbrecherjagd beteiligen.

Das ZDF testet nach Die Chefin eine weitere neue Krimiserie. Die letzte Spur erinnert dabei unumwunden an den US-Erfolg Without A Trace. Denn auch hier geht es nicht vornehmlich um Mord und Totschlag, sondern um verschwundene Personen. Heute Abend startet um 21.15 Uhr die erste von vorerst sechs geplanten Folgen im Zweiten.

Und zumindest die Stammbelegschaft des öffentlich-rechtlichen Suchtrupps klingt vielversprechend. So treten Jasmin Tabatabai, Susanne Bormann, Hans-Werner Meyer und Florian Panzer den Polizeidienst an. Die Pilotfolge Verantwortung offenbart dennoch einige Schwächen.

Bert de Vries führt augenscheinlich ein glückliches Familienleben. Er hat ein glänzendes Verhältnis zu seiner Stieftochter, seine Freundin ist hochschwanger und die gemeinsame Wohnung wird gerade frisch renoviert. Alles scheint perfekt. Bis Bert im Baumarkt spurlos verschwindet. Ein Sonderkommando der Polizei wird daraufhin umgehend mit der Suche betraut.

Und die Polizisten finden einige überraschende Risse in der Idylle. Da gibt es einen jähzornigen Exmann der Freundin, eine krebskranke Noch-Ehefrau sowie eine ominöse Journalistin, mit der sich Bert regelmäßig traf. Ist dem jungen Mann plötzlich alles zu viel geworden oder wurde er tatsächlich Opfer eines Verbrechens? Mit Akribie und Logik versucht das Team um Kriminalhauptkommissar Oliver Radek, Licht in die letzten Stunden des Verschwundenen zu bringen.

Zuschauer können im Internet über möglichen Täter diskutieren

Die Ähnlichkeiten zwischen Die letzte Spur und dem amerikanischen Pendant Without A Trace sind kaum zu übersehen. Auch in der deutschen Variante stehen die Polizisten irgendwann vor einer Tafel, auf der die letzten Schritte der gesuchten Person penibel rekonstruiert werden.

Vor einer interaktiven Tafel können sich auch die Zuschauer wiederfinden. Erstmals beim ZDF wird es Krimifans ermöglicht, parallel zur Sendung via Internet über den potenziellen Täter, das Opfer und die Beteiligten des Geschehens zu diskutieren. Die Zuschauer können nach Angaben des Senders in einem speziell eingerichteten Chat sowie auf einer interaktiven Tafel ihre Tipps abgeben.

Immer wenn ein Protagonist während der Folge neu in das Geschehen eingeführt wird, erscheint die Person auf der Internetplattform, sodass sich die Nutzer über die Verstrickungen der beteiligten Charaktere austauschen können. Mit der «Second Screen»-Methode will das ZDF das Internet stärker mit dem Fernsehen verknüpfen.

Viele offene Baustellen

Die Pilotfolge bemüht sich emsig darum, die vier hauptverantwortlichen Ermittler in die Geschichte einzuführen. Das ist bei einer neuen Serie natürlich angebracht. Die letzte Spur meint es dabei allerdings ein bisschen zu gut. Da tauchen plötzlich ungeliebte Exfreunde auf, da deuten sich Eheprobleme an und da zeigt sich, dass ein Kommissar in Wahrheit den eigenen Vater sucht.

Das sind ganz schön viele offene Baustellen und persönliche Probleme für eine Einführungsepisode. Hinzu kommt, dass auch der zu lösende Kriminalfall alles andere als einfach ist. Häusliche Gewalt, Bigamie, Erpressung, Selbstmord, Krebs und Betrug sind nur einige der Punkte, mit denen sich die Kommissare im Verlauf ihrer Ermittlungen konfrontiert sehen.

Bei alldem den Überblick zu bewahren, ist nicht gerade leicht. Ein bisschen weniger wäre sicherlich mehr gewesen. Vor allem am Anfang einer neuen Reihe. Krimifans erleben somit eine Serie, die durchaus Potenzial besitzt, thematisch aber viel zu überfrachtet wirkt. Zumindest im Piloten.

Die Chefin hat es besser gemacht

Die Chefin hat es als Neuling im ZDF-Freitagskrimi-Potpourri unlängst wesentlich besser gemacht. Hier wurde die umspannende Rahmenhandlung im ersten Teil bloß ganz dezent angedeutet.

Die letzte Spur muss nun hingegen den umgekehrten Weg wählen und die übermotivierten Ambitionen in den nächsten Wochen deutlich zügeln, um beim Publikum zu punkten. Fünf weitere Episoden werden jeweils an den kommenden Freitagen ausgestrahlt.

Die letzte Spur, Freitag, 20. April 2012, 21.15 Uhr bei ZDF

rut/news.de/dapd

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