«Die Mongolettes» Rocken mit Handicap

Neben seiner Schauspielkarriere ist Max von Thun Gitarrist und Komponist - in der Sat.1.-Komödie Die Mongolettes macht er jetzt auch vor der Fernsehkamera Musik. Darin gründet er eine Rockband mit ganz ungewöhnlichen Musikern: Sie haben das Down-Syndrom.

Max von Thun (Foto)
Musik ist seine Leidenschaft. Und seine Berufung. Ein spießiges Leben mit Frau (Sofia Exss) und Kind, wie es sein Lehrer-Vater führte, kommt für Tom (Max von Thun) nicht in Frage. Bild: Sat.1

Er spielt in einer Rockband, so richtig Noten lesen kann Max von Thun aber nicht. Für die Sat.1-Komödie Die Mongolettes - Wir wollen rocken! war der Schauspieler damit trotzdem die richtige Besetzung. Von Thun gibt darin den Musiklehrer einer Förderschule, der mit behinderten Kindern eine Rockband gründet. Das Problem: Das nötige Studium hat der frühere Rockmusiker Tom (von Thun) nie abgeschlossen.

«Da muss man einfach ein Rhythmusgefühl haben», sagt von Thun und meint damit seine eigene Karriere als Musiker. Einen Gitarren- oder Schlagzeuglehrer habe er nicht gehabt. «Ich spiel' halt so vor mich hin und Akkorde lernen, ist nicht schwer.»

Ähnlich hält es auch seine Figur: Ohne anerkannte Qualifikation erschleicht sich Alt-Rocker Tom den Job als Musiklehrer - und kommt bei den Schülern wegen seiner ungewöhnlichen Ideen gut an. Statt des üblichen Blockflöten-Spiels gründet er mit den Kindern, die teilweise das Down-Syndrom haben, eine Rockband: Die Mongolettes.

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Der Titel greife bewusst die Bezeichnung Mongolismus auf, die früher für Menschen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) verwendet wurde, sagt Produzent Mirko Schulze. «Er hat schon für Diskussionen im Vorfeld gesorgt, weil er natürlich mit dem Schimpfwort "Mongo" spielt», erzählt Schulze. «Er soll polarisieren.» Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden, was zu unterschiedlich schweren Behinderungen führt.

Happy End mit der hübschen Kollegin?

Der Produzent hat selbst eine Tochter mit Trisomie 21 und schrieb auch das Exposé zum Film. «Da sind schon persönliche Erfahrungen drin, wobei es mir eher um die Haltung des Films ging», sagt Schulze. «Meine Aufgabe sehe ich unter anderem darin, zu zeigen, dass diese Menschen sehr eigen, aber auch sehr fantastisch sind.»

Die Besonderheit der Produktion: Die Crew setzt sich aus Menschen mit und ohne Handicap zusammen. «Das ist Neuland für jeden gewesen, auch für mich», sagt Schulze. «Natürlich war man vorsichtig am Anfang und hat geguckt: Wie reagieren die, wie kann ich mit denen umgehen, was sage ich? Und - was sich in dem Titel "Die Mongolettes" widerspiegelt - wie nenne ich die?»

Hemmungen habe er deswegen aber nicht gehabt, erzählt Max von Thun. «Berührungsängste habe ich eigentlich grundsätzlich keinem Menschen gegenüber», sagt er. «Das war natürlich unbekanntes Terrain. Ich wusste nicht viel über Menschen mit Down-Syndrom und daher auch nicht, wie man mit ihnen umgehen soll, wie belastbar sie sind.»

Das muss auch Musiklehrer Tom erst lernen, der seinen Schützlingen zunächst zu viel zumutet. Die Tochter seiner Kollegin Maria (Katharina Wackernagel), muss während seiner Unterrichtsstunde sogar kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht werden. Die Tochter der alleinerziehenden Lehrerin hat auch Trisomie 21. Dass Tom sich in seine hübsche Kollegin verliebt, ist wenig überraschend und entspricht dem üblichen Muster der Sat.1-Komödien.

«In erster Linie soll der Film unterhalten», räumt Produzent Schulze ein. Gleichzeitig zeige der Film aber, dass Menschen mit Trisomie 21 genauso behandelt werden wollen wie jeder andere auch, betont Schulze. «Die wollen Spaß haben, die wollen sich verlieben, die wollen mit Kumpels grillen - also im Prinzip genau das, was wir auch wollen.»

Die Mongolettes - Wir wollen rocken!: Dienstag, 10. April, 20.15 Uhr, Sat.1

boi/news.de/dpa

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