«Günther Jauch» Wenn's beim Tankwart zweimal klingelt

Abzocke an der Zapfsäule? Der Buhmann der Talkrunde bei Günther Jauch stand schon vor der Sendung fe (Foto)
Abzocke an der Zapfsäule? Der Buhmann der Talkrunde bei Günther Jauch stand schon vor der Sendung fest. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Christian Vock
Wieder einmal lässt ein Thema das Blut der Deutschen kochen: die hohen Spritpreise. Doch ist das wirklich alles nur Abzocke, wie immer behauptet wird? Wer verdient wirklich mit dem Benzin? Jauch und Gäste haben diskutiert, der Buhmann stand aber schon vorher fest. 

Das Thema Benzinpreise darf nicht ohne die üblichen Floskeln auskommen. Daher seien im Folgenden die wichtigsten Volksweisheiten schon einmal abgehandelt: Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Die hohen Benzinpreise sind bloß Abzocke. Den größten Anteil des Preises machen die Steuern aus. Die Preise werden immer zu Ferienbeginn erhöht. In den Ölfirmen sitzen ohnehin nur Verbrecher. Ständig wird dem Autofahrer in die Tasche gegriffen.

Pünktlich zur Osterreisezeit wallt sie wieder auf, die Wut über den Wucher an der Zapfsäule. Und ebenso zuverlässig nehmen sich Medien des Themas an. So titelt der Spiegel in der aktuellen Ausgabe: «Das Benzin-Kartell - Wie Ölkonzerne die Spritpreise manipulieren» und auch Günther Jauch fragt diesmal ganz plakativ Die große Benzin-Abzocke - wer stoppt die Preistreiberei?

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Abzocke, Preistreiberei - die Schuldigen stehen also schon vor der Sendung fest. Trotzdem will Jauch noch mit seinen Gästen diskutieren. Namentlich sind das: Klaus Picard, seit 2004 Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, der ehemalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, Wissenschaftsallzweckwaffe Ranga Yogeshwar, der FDP-Generalsekretär Patrick Döring, PolitikerinBärbel Höhn (Die Grünen) und Achim Hirsch, Berater von Tankstellenbetreibern.

Arme Mineralölindustrie

Doch wo die Wut am größten ist, sind klare Gedanken am nötigsten. Für den Kunden an der Zapfsäule sind deshalb die wichtigsten Fragen: Ist es wirklich Abzocke? Wer ist tatsächlich schuld an den hohen Preisen? Sollte die Politik etwas dagegen unternehmen? Was kann ich als Autofahrer am besten tun?

Bei einer derartigen Zusammenstellung war abzusehen, dass sich die Diskussion auf ein Duell Klaus Picard gegen den Rest reduzieren würde. Geschadet hat das der Diskussion jedoch nicht. Während Jauch dem Vertreter der Mineralölwirtschaft auf den Zahl fühlte, warf der Rest der Runde Wissenswertes, Informatives oder Positionierendes dazwischen – sieht man einmal von Niki Lauda ab, der durch seine Anwesenheit nur zu einer geraden Anzahl von Gästen beitragen konnte.

Doch zurück zu Herrn Picard. Der wurde nicht müde zu betonen, wie wenig Gewinn die Mineralölkonzerne doch an der Zapfsäule machen würden. Lediglich ein mickriger Cent bliebe den Konzernen pro Liter Benzin. So richtig glauben wollte ihm das Publikum das nicht. Noch weniger die Aussage, dass es unter den Konzernen keine Preisabsprachen gäbe. Zwar verneinte Picard diese Behauptung nicht, wehrte sich aber vehement dagegen. Immerhin gestand Picard zu, dass es doch normal sei, dass, wenn ein Tankwart sehe, dass die Konkurrenztankstelle die Preise erhöht, er dies auch mache. Das sei doch nur logisch und so funktioniere der Markt doch auch bei anderen Produkten wie zum Beispiel bei Äpfeln.

Was Picard nicht bedachte, war, dass er damit die Tür zum Kern der Debatte aufstieß. Ein Schnellmerker wie Jauch hielt seinen Diskutanten diese Tür gerne offen, indem er darauf hinwies, dass es im Vergleich zum Öl beim Apfelmarkt aber nicht nur fünf Anbieter gebe. Eine Erkenntnis, der sich die Runde nahezu komplett anschloss.

Fahren oder nicht fahren? Das ist hier die Frage.

Was also ist zu tun gegen dieses Oligopol? Die Antwort von Döring ist eine Erhöhung der Pendlerpauschale, schließlich seien viele beruflich auf das Auto angewiesen. Hier sieht er einen Spielraum von fünf bis zehn Cent pro Kilometer. Einen anderen Weg will naturgemäß Bärbel Höhn gehen, nämlich den weg vom Öl. Der Preis werde auch in Zukunft noch steigen, da die Ressourcen schrumpfen.

Ranga Yogeshwars Verdienst in der Sendung war es, als einziger an die Vernunft jedes Einzelnen appelliert zu haben. Er forderte auf, sich Alternativen zu suchen.Konkretbedeutet das für ihn: Carsharing, Bewusstmachen, dass nicht jeder ein Auto braucht, unnütze Fahrten vermeiden, nicht alleine fahren und ganz generell diese übertriebene Autoliebe begrenzen (hier kam dann auch der Satz mit dem Auto als des Deutschen liebstes Kind zum Einsatz).

Doch was weiß der Zuschauer nun nach einer Stunde Günther Jauch? Welche Fragen wurden geklärt? Ein Überblick:

Ist es wirklich Abzocke? Das darf man so nicht sagen (Picard). Man geht aber davon aus (Rest der Welt).

Wer ist tatsächlich schuld an den hohen Preisen?  Das ist vielschichtig wie bei einem Sandwich (Yogeshwar). Heißt: Jeder hält die Hand ein bisschen auf.

Sollte die Politik etwas dagegen unternehmen?  Ja, Pendlerpauschale erhöhen (Döring). Nicht erhöhen, stattdessen lieber effizientere Autos entwickeln. Hier dürfe man schon aus Standortsicht keinen Trend in Deutschland verschlafen. Die Ökosteuer wurde eingeführt, um die Rentenbeiträge nicht zu erhöhen (Höhn).

Was kann ich als Autofahrer am besten tun? Möglichst wenig mit dem Auto fahren. Sich Alternativen suchen und sollte man doch ein Auto brauchen, dann ein möglichst sparsames wählen. Außerdem strategisch tanken, also nur für kleine Beträge, wenn es gerade günstig ist. Stichwort Eigenverantwortung.

Wann trifft sich diese Runde wieder? Wenn der Liter 2,50 Euro kostet. Also bald.

Sendung verpasst? Hier gibt es die Diskussion zum Nachschauen

boi/news.de

Leserkommentare (106) Jetzt Artikel kommentieren
  • r.g.
  • Kommentar 106
  • 17.04.2012 13:04

Offengestanden kann ich den hohen Benzinpreis nicht nachvollziehen. Ich kam heute gerade mit dem Auto aus Osteuropa (Belarus) zurück. Dort habe ich für 0,65 Ct/Liter getankt. Ok, die Löhne sinddor niedrig, ich glaube aber nicht, daß die Herstellung von Benzin sehr Lohnintensiv ist-

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  • christiane Berghammer
  • Kommentar 105
  • 09.04.2012 06:39
Antwort auf Kommentar 95

ja,und Du auch!!!!!!!

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  • christiane Berghammer
  • Kommentar 104
  • 09.04.2012 06:32

LASST DOCH ENDLICH MAL DIE AUTOS STEHEN !! ! ! ! ! ! ! ! ! ! WAS JAMMERT IHR DEN? SO LANGE SO FLEISSIG GETANKT WIRD,SO LANGE WERDEN DIE PREISE STEIGEN- IRGENDWANN AUF 3.-EURO ES GIBT WOHL NOCH ZU VIELE LEUTE DIE SICH DEN TEUREN SPRIT LEISTEN KÖNNEN,UND SO LANGE DAS SO IST,WIRD NICHTS SICH DARAN ÄNDERN, DEN WARUM SOLL ICH MEIN AUTO STEHEN LASSEN,NUR WEIL DER NACHBAR SEIN BENZIN NICHT MEHR BEZAHLEN KANN??? NEE,DAS SEH ICH ABER NUN NICHT EIN:. DAS WAR UND IST MIT ALLEM SO--HIER IST SICH JEDER SEBST AN NÄCHSTEN

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